Kaum war die Bürgerinitiative gegründet, war die Homepage auch schon online. Hier sollen sich die Bürger laut den Initiatoren informieren können. Doch die Tendenz der Infos ist eindeutig ein Zusammenschluss. (Foto:HA)

Neuberg

Bürger treten auf den Plan

Neuberg/Erlensee. Der Zeitpunkt war gut gewählt: Nur zwei Tage bevor am Donnerstag, 26. Oktober, die erste Bürgerversammlung zur möglichen Fusion zwischen den beiden Kommunen Erlensee und Neuberg stattfindet, hat sich in Neuberg eine Bürgerinitiative gegründet, die den Prozess kritisch begleiten möchte, wie die Gründer betonen.

Von Holger Weber

Die Initiative Neuberger für Neuberg ist kein Schnellschuss. Dies zeigt ein Blick auf die Homepage, die mit der Gründung der Initiative online gestellt wurde. Dort werden Argumente – bisher allerdings ausschließlich gegen eine Fusion – aufgeführt und auch mit Quellenangaben fein säuberlich dokumentiert. Die möglichen Nachteile durch den Verlust der Selbstständigkeit liegen für Andreas Weiß, einer der Gründer der Initiative, auf der Hand: „Wir wollen die Kinderbetreuungsmöglichkeiten in Neuberg erhalten, ebenso die kurzen Wege der Bürger zu den Bauhöfen oder zum Rathaus. Daher müssen solche Entscheidungen auch künftig in Neuberg getroffen werden.“ Dafür seien ein eigenes Parlament und ein eigener Bürgermeister eigentlich unverzichtbar, so Weiß weiter: „Denn nur wer vor Ort verwurzelt ist, kennt auch die Probleme der Menschen.“ Allein durch die Machtverhältnisse in einer gemeinsamen Stadtverordnetenversammlung werde deutlich, wessen Interessen im Zweifel mehr Gewicht haben werden: Bei einer Fusion stünden in einer Stadtverordnetenversammlung einer Stimme aus Neuberg drei Stimmen aus Erlensee gegenüber.

"Das Beste für Neuberg herausholen"

Die ablehnende Haltung in Sachen Fusion sieht Weiß jedoch vielmehr als Tendenz. Eine Frontalopposition gegen den Zusammenschluss wolle man nicht machen, betont Weiß. Auch richte sich die Initiative nicht gegen Bürgermeisterin Iris Schröder (SPD). Im Prinzip stehe man dem Prozess ergebnisoffen gegenüber, selbst wenn die Fusion nur Ultima Ratio sein könne. „Uns geht es darum, das Beste für Neuberg herauszuholen“, sagt Weiß. Wenn am Ende nach Abschluss der Machbarkeitsstudie und Abwägung aller Für und Wider die Fusion stehe, dann werde man sich auch damit abfinden. Weiß ist Mitglied der CDU-Fraktion im Neuberger Gemeindeparlament und war Autor des Papiers, das seiner Partei bereits als Grundlage für die kritische Grundposition gegenüber einer Fusion der beiden Kommunen gedient hat.

Überparteiliche Plattform

Die Bürgerinitiative sei geschaffen worden, um den Bürgern eine überparteiliche Plattform zu bieten, über die sie sich über das Thema informieren können. Parteipolitik werde also bei der Initiative keine Rolle spielen. Neben Weiß sind mit der Fraktionsvorsitzenden von Bündnis 90/ /Die Grünen, Melanie Esch, sowie Herbert Flötenmeyer von der Neuberger Liste (NL) zwei weitere Parlamentsmitglieder unter den Gründern, die durch Olaf Siebecke und Alfred Herms ergänzt werden. Letzterer gehörte einmal den Freien Wählern in Neuberg an, ist nunmehr Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins und vielen Lesern unserer Zeitung auch als Schreiber von politischen Leserbriefen bekannt.

Gestern, nachdem unsere Zeitung über die Gründung der Initiative berichtet hatte, hätten sich weitere Bürger der Initiative angeschlossen, berichtet Weiß. Eine Strategie verfolgen die Gründer noch nicht. „Wir sind erst am Beginn des Prozesses und wollen diesen inhaltlich begleiten.“ Dabei gehe es auch darum, die Umsetzung der vom Gemeindeparlament im Zusammenhang mit der Machbarkeitsstudie gefassten Beschlüsse zu überwachen.

Erlensees Bürgermeister Stefan Erb sieht die Gründung der Initiative gelassen: „Wir müssen die Menschen einfach von der Sinnhaftigkeit dieses Zusammenschlusses überzeugen.“

Die Bürgerversammlung findet Donnerstag, 26. Oktober, im Bürgerhaus in Rüdigheim statt und beginnt um 20 Uhr. www.neubergerfuerneuberg.de

 

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