Zeit für die Rente: Angeliki Rouskaki macht mit 75 Jahren Schluss. Wie es mit dem "Weißen Ross" weitergeht, steht noch nicht fest. Rouskakis Sohn Stavros wird das Restaurant nicht weiterführen. Foto: Rainer Habermann

Neuberg

Abschied von der griechischen Perle "Zum Weißen Ross"

Neuberg. 41 Jahre lang bildete sie ununterbrochen das Zentrum der „vier Gs“ im Neuberger Ortsteil Rüdigheim: griechische Gastlichkeit, Gastfreundschaft und Gemütlichkeit. Angeliki Rouskaki schloss gestern Abend mit einer kleinen Abschiedsfeier ihr Lokal „Zum Weißen Ross“ in der Ravolzhäuser Straße.

Von Rainer HabermannAuch eine Gastronomin geht einmal in Rente. Ob Sirtaki getanzt wurde, ist nicht offiziell bekannt. Aber diesen Tanz kannte in Griechenland ja auch noch niemand, bevor Anthony Quinn ihn im Film „Alexis Sorbas“ quasi erfand und er seitdem als Inbegriff für griechischen Volkstanz steht.

Original hingegen ist Angeliki Rouskaki, die 75-Jährige wurde in Serres (Nordgriechenland, in der Nähe von Thessaloniki) geboren. Und sie steht unzweifelhaft auch original für griechische Kochkunst und Gastlichkeit. Seit 1965 lebt sie in Maintal-Dörnigheim. Seit dem Jahr 1978 war sie die Wirtin und Köchin im „Weißen Ross“.

Mit Herzlichkeit und guter Küche die Herzen der Neuberger gewonnen

Mit ihrer Herzlichkeit und vor allem auch mit ihrer Küche gewann sie die Herzen und die Mägen der Neuberger. Das ist schon etwas außergewöhnlich: über 40 Jahre lang in einem kleinen Dorf wie Rüdigheim immer wieder aufs Neue die Gäste überzeugen, beständig schmackhafte Speisen zubereiten und ein Hort der klassischen Gemütlichkeit zu sein. Das „Weiße Ross“ erfüllte alle diese Kriterien. Das bestätigen die Gäste, die auch am Freitag noch bis spätabends die Gaststube füllten.

„Das erste Jahr war ein bisschen schwierig. Da hatte ich Sehnsucht nach Zuhause, nach meinen Eltern“, schildert die gestandene Wirtin im Gespräch mit unserer Zeitung. „Mit meinem verstorbenen Mann hatte ich früher schon ein Lokal in Hochstadt, fünf Jahre lang. Bevor wir dann 1978 die Gelegenheit nutzten, „Zum Weißen Ross“ zu übernehmen.

Das erste Jahr war schwierig

Ein anderer Grieche betrieb damals das Lokal, er zog weg nach Oberissigheim und bot uns die Konzession an. Da haben wir zugeschlagen“, erinnert sich Angeliki. „Um 1980 herum wurde das Lokal hier etwas renoviert, die Decke erneuert. Aber ansonsten ist es weitgehend gleich geblieben, bis heute. Wir fanden das optimal für ein gutbürgerliches Restaurant in Rüdigheim, mit griechischer und deutscher Küche.“

In Griechenland ist es Sitte in einigen Restaurants, dass die Gäste in die Küche gehen, die Deckel von den Töpfen heben und schauen, was es Gutes gibt. Galt das auch für Roustakis „Weißes Ross“? „Nein“, lacht Angeliki. „Dafür haben wir hier in Deutschland eine Speisekarte. Das ist auch eine schöne Sitte.“

Angeliki Rouskaki möchte in Dörnigheim alt werden

Heimweh habe sie in all den Jahren seit der Anfangszeit nie wieder gehabt. „Ich lebe gerne in Deutschland, es gefällt mir hier“, sagt Angeliki Rouskaki. „Und jedes Jahr fahren wir außerdem für vier Wochen in Urlaub nach Griechenland. Das reicht mir dann“, schmunzelt sie. „Griechenland ist auch schön, aber ich lebe nun mal hier in Dörnigheim. Und hier will ich auch alt werden.“

Ihr 53-jähriger Sohn Stavros Rouskaki stand nach dem Tod ihres Mannes bis zuletzt hinter dem Tresen. Die Familie hält auch jetzt fest zusammen. Und eine wesentliche Unterstützung in der Küche sei auch ihre Schwiegertochter, bekräftigt Angeliki. „Wäre ich jünger, dann hätte ich das alles noch mindestens zehn weitere Jahre gemacht“, lächelt sie versonnen. „Aber es gibt für alles im Leben eine Zeit. Und jetzt ist eben die Zeit für Rente.“

Vielleicht findet sich ein griechischer Pächter für das "Weiße Ross"

Ein Name ist aber noch besonders wichtig: Wilma Müller. „Wilma hat mich all die Jahre auch unterstützt, im Service. Bis vor einiger Zeit stand sie auch hinter der Theke, mit 83 Jahren. Ihr bin ich sehr dankbar.“

Wie es mit dem „Weißen Ross“ weitergeht, ist momentan noch nicht ganz klar. Sohn und Schwiegertochter arbeiten jeweils in Firmen, sie werden es nicht weiter betreiben. Erst einmal wird das Lokal für einige Zeit geschlossen bleiben. Aber die Gaststätte ist nur gepachtet. Und es kann gut sein, dass sich auch wieder ein griechischer Nachfolger für die „griechische Perle Rüdigheims“, Angeliki Rouskaki, findet.

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