Um Geld für die Stiftung einzunehmen, verkauft die Kirchengemeinde unter anderem Stiftungskarten. Von ihrem Ziel, 150 000 Euro an Kapital zu erhalten, ist die Gemeinde auch nach zehn Jahren trotz vieler Ideen und Anstrengungen noch weit entfernt, berichtet Pfarrer Dr. Martin Streck. Foto: Bielesch

Maintal

Zehn Jahre Kirchenstiftung der evangelischen Gemeinde Dörnigheim

Maintal. Pfarrer Dr. Martin Streck erinnert sich genau: Am ersten Advent 2008 wurde die Stiftung der Evangelischen Kirchengemeinde Dörnigheim gegründet. Ihr Motto: „Damit die Kirche im Ort bleibt.“ Die Stiftung sollte und soll helfen, die Kirche und die Arbeit der evangelischen Gemeinde in Dörnigheim auf Dauer zu erhalten.

Von Monica Bielesch

So ist es auch in einem Infoblatt der Stiftung beschrieben, auf dem ein Foto des aus rötlichen Steinen erbauten Dörnigheimer Kirchturms prangt. Mittlerweile hat die Stiftung rund 70 000 Euro an Stiftungskapital zusammen, berichtet Pfarrer Streck. Er gehört dem siebenköpfigen Stiftungskuratorium an. Ebenso wie der ehemalige und langjährige Bürgermeister Erwin Henkel, der Rechtsanwalt Klaus Minuth, Doris Pegels, Alexander Wich, Frank Falk sowie Reiner Michaelis von der Metzgerei Neupert.

Zur Feier des zehnjährigen Bestehens plant das Kuratorium am Himmelfahrtstag den Gottesdienst am Mainufer zu gestalten. „Das ist immer ein wunderschönes Ereignis“, so Streck. Im Anschluss daran wird es im Kirchhof ein kleines Fest geben.

Die Idee hinter der Stitung war seinerzeit, dass der Ertrag zum Erhalt der Kirche sowie der Gemeindearbeit verwendet wird. Die Stiftungssumme selbst dürfe nicht angetastet werden, erläutert Pfarrer Streck, der seit 17 Jahren Seelsorger in Dörnigheim ist. Allerdings sei der Ertrag in Zeiten von niedrigen Zinsen leider nicht mehr der Rede wert. Trotzdem soll die Stiftung, die vor zehn Jahren so erfolgreich gestartet war, weiter erhalten bleiben. Laut einem damaligen Zeitungsbericht waren schon in den ersten zwei Monaten 23 000 Euro an Gründungskapital zusammengekommen.

Damals schon gingen die Steuereinnahmen der Kirchengemeinden zurück. Hatte die evangelische Gemeinde Dörnigheim vor zehn Jahren noch rund 4600 Mitglieder, sind es heute laut Pfarrer Streck nur noch knapp 3600. Dies sei zum einen auf die Demografie zurückzuführen. Zum anderen ist es heute für einen Kirchenaustritt nicht mehr notwendig, persönlich zum Amtsgericht zu gehen. Es reicht ein Besuch bei der Stadtverwaltung.

Dekan Dr. Martin Lückhoff betont jedoch, dass die Gemeinden im Kreis mehr unter den demografischen Entwicklungen als unter Kirchenaustritten leiden. Und dass das Stiftungswesen unverändert ein wesentlicher Beitrag sei, um für Gemeinden Finanzen zu generieren. „Es ist ein Angebot für Menschen, die sich mit der Kirche verbunden fühlen. etwas Gutes für die Gemeinde zu tun.“ Lückhoff meint: „Kirchenstiftungen sind auch in Niedrigzins-Phasen noch zeitgemäß.“ Schließlich sei gerade die langfristig gedachte Stiftung geeignet, die Kirchengebäude über viele weitere Generationen als Gotteshäuser zu erhalten.

Das Ziel der Dörnigheimer Kirchenstiftung war bei Gründung, 150 000 Euro an Kapital zu erhalten. Davon ist die Gemeinde auch nach zehn Jahren trotz vieler Ideen und Anstrengungen noch weit entfernt. So verkauft die Gemeinde jährlich in der Vorweihnachtszeit Stiftungskarten mit winterlichen Motiven aus Dörnigheim. „Wir haben auch eine Stiftungstasse“, berichtet Streck im Gemeindebüro, wo Karten und Tassen käuflich zu erwerben sind. Auch mit einem örtlichen Kooperationspartner, der Metzgerei Neupert, arbeitet die Gemeinde zusammen. Dort wird zugunsten der Gemeinde eine spezielle Wurst verkauft. Und dank der Zusammenarbeit mit dem örtlichen VdK-Verband und dem Verein „Tischlein deck dich“ ist eine Mittagsbetreuung im Jugendzentrum der Gemeinde möglich. Streck: „Das ist eine ganz große Unterstützung, weil es für die Jugendarbeit keine Hilfe von außen gibt.“

Was die Stiftung als Ertrag abwirft, werde zum Erhalt der Kirche verwendet. So wurde etwa die Außenrenovierung der Kirche unterstützt, berichtet Streck.

Trotz knapper werdender Mittel schaut die Gemeinde positiv in die Zukunft. Das nächste große Projekt sei das Gemeindezentrum. Diesen „architektonischen Schatz“ zukunftsfähig zu machen, sei der Gemeinde ein großes Anliegen, betont Streck. Das mittlerweile mehr als 40 Jahre alte Gebäude an der Berliner Straße muss saniert werden. Ein entsprechendes Konzept sei in Arbeit.

Kirchenstiftungen in Maintal

  • Seit 2006 ist die Bürgerstiftung für die Evangelische Kirchengemeinde Hochstadt aktiv. Die Bürgerstiftung Hochstadt verwaltet nach eigenen Angaben ein Vermögen von rund 102 000 Euro. Mit denen an die Kirchengemeinde ausgeschütteten Gewinnen wurden in den vergangenen Jahren unter anderem die Gedenktafeln im Kirchturm und das Eingangsportal der Kirche saniert.
  • Damit der Kirchturm von Wachenbuchen erhalten bleibt, wurde 2005 die Stiftung „Kirche Wachenbuchen“ gegründet. Mittlerweile hat die Stiftung einen Kapitalstock in Höhe von 70 000 Euro.

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