Die Fähre soll nach den Vorstellungen des Kreises Offenbach ab Januar 2019 wieder zwischen Maintal und Mühlheim fahren. Doch wer soll's oder besser gesagt wer will's bezahlen? Archivfoto: Kalle

Maintal

Wer zahlt für die Mainfähre?

Maintal. „Die Mainfähre zwischen Dörnigheim und Mühlheim hat heute nach über einem Jahr Stillstand wieder ihren Betrieb aufgenommen“: So könnte der erste Satz eines Artikels im TAGESANZEIGER Anfang Januar 2019 lauten.

Von David Scheck

Doch bevor der wummernde Motor der Fähre überhaupt erst angeworfen ist, wird die Frage nach der Finanzierung beziehungsweise zukünftigen Instandhaltung möglicherweise schon zur Bremse.

Die Stadtverordnetenversammlung hat am Montagabend mit den Stimmen von SPD, CDU und FDP eine Magistratsvorlage zur Mainfähre abgeändert und auf Basis eines Änderungsantrags der SPD einer finanziellen Beteiligung an den Betriebskosten für den Fährbetrieb zwischen Maintal und Mühlheim nicht zugestimmt. Die Diskussion im Stadtparlament offenbarte zum einen, wie emotional das Thema von einigen gesehen wird, zum anderen aber auch, wie unterschiedlich die Haltungen dazu sind.

So argumentieren die Maintaler

„Wenn wir die Fähre haben wollen, müssen wir uns auch daran finanziell beteiligen.“ – „Die Fähre gehört dem Kreis Offenbach, dieser muss also auch für die Verbindung aufkommen.“ Zusammengefasst klingen so jene beiden Standpunkte im Maintaler Stadtparlament, die am weitesten auseinanderliegen. Bei der Argumentation wird auch mal die Fraktionslinie verlassen: So hielt SPD-Stadtverordneter Rolf Lanio – nach eigenen Worten selbst ein jahrzehntelanger Nutzer der Verbindung über den Main – ein flammendes Plädoyer für die Fähre und damit auch für eine finanzielle Beteiligung, während seine Fraktion als Ganzes den Maintaler Geldsäckel lieber geschlossen halten würde.

Der Kreis Offenbach hat in der Vergangenheit mehrfach deutlich gemacht, dass er den Main-Kinzig-Kreis sowie die Anrainerkommunen Maintal und Mühlheim in der Pflicht sieht. Einen Grund für die ablehnende Haltung der Sozialdemokraten liefert er aber selbst: „Was wird der Betrieb der Fähre kosten? Der Kreis Offenbach hat uns dazu bislang keine Zahlen vorgelegt“, monierte SPD-Fraktionschef Sebastian Maier am Montagabend nicht zum ersten Mal. Bedeutet für ihn und seine Fraktion: Ohne zu wissen, um welche Summen es geht, keine pauschale Beteiligung an den Kosten. Außerdem sei eine verbindliche Zusage für eine Bezuschussung zum jetzigen Zeitpunkt – während das Ausschreibungsverfahren für den Betrieb der Fähre läuft – nicht „zielführend“, wie die SPD in der Begründung ihres Änderungsantrags formuliert.

WAM und Grüne gegen Verweigerung

Auch CDU und FDP können sich mit einer Finanzhilfe auf Pauschalbasis nicht anfreunden, wobei die Christdemokraten bekanntlich eine feste Querung für die beste Lösung halten – das Thema Brücke spielte aber ansonsten dieses Mal keine Rolle. Moniert wird vor allem ein Satz im Ausschreibungstext: „Die Wartung, Unterhaltung, Reinigung und die Instandsetzung der Fähre obliegt während der Vertragslaufzeit der alleinigen Verantwortung des Betreibers.“ Angesichts des Alters der Fähre (Baujahr 1963) könnten Reparaturen schnell das Budget des Betreibers übersteigen. Wer würde dann für die Kosten geradestehen?, so die Argumentation der CDU.

Die WAM und die Grünen positionierten sich gegen die Verweigerung. Grünen-Fraktionschefin Monika Vogel sieht in einem grundsätzlichen Nein zur Kostenbeteiligung sogar schon den K.o. für die Fähre. Die Wahlalternative hätte am liebsten gleich einen kommunalen Zweckverband auf den Weg gebracht, um den Fährbetrieb über den Main, eventuell auch durch die Anschaffung einer neuen Fähre, sicherzustellen.

So reagieren die Mühlheimer

Das Ansinnen der WAM fand im Parlament aber ebenso keine Mehrheit wie die Stimmen der Mahner, die eine finanzielle Beteiligung Maintals für vertretbar beziehungsweise sogar notwendig halten.

Bleibt nun abzuwarten, wie das Maintaler Votum südlich des Mains ankommt. Einfacher wird die ganze Angelegenheit dadurch kaum, wohl auch nicht durch einen Beschluss des Mühlheimer Stadtparlaments: Wie die „Offenbach-Post“ schreibt, brachten dort die Stadtverordneten einen Beschluss auf den Weg, dass die Stadtwerke Mühlheim die zukünftige Fährverbindung sicherstellen sollen – „gemeinsam mit der Stadt Maintal“, wie es im Beschlusstext heißt . . .

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