Ein echter Hingucker: Wenn Yvette Hentzschel hinter dem Lenkrad des Oldtimers sitzt, sind ihr die Blicke von Passanten sicher. Foto: C.C. Czichowski

Maintal

Yvette Hentzschel fährt einen Ford Super Deluxe Flathead V8

Maintal. Yvette Hentzschel hat Benzin im Blut. „Schon als Kind habe ich lieber mit Matchbox-Autos als mit Barbie-Puppen gespielt“, sagt sie und lacht. Wenn die 35-Jährige heute mit „Odin“ durch die Gegend fährt, sind ihr die Blicke von Passanten sicher.

Von Carolin-Christin Czichowski

Denn „Odin“ ist ein Ford Super Deluxe Flathead V8 aus dem Jahr 1946. „Das ist das erste Serienfahrzeug nach dem Zweiten Weltkrieg“, sagt Hentzschel. „Das Auto an sich ist schon ein Hingucker, denn in Deutschland gibt es nicht mehr als fünf davon. Aber wenn dann noch eine blonde Frau am Steuer sitzt, kriegen manche gar nicht mehr den Mund zu.“

Mit 19 Jahren hat sie zum ersten Mal ein Auto getuned

Vor zwei Jahren hat sich die Wachenbucherin schockverliebt in den schwarz lackierten Amerikaner mit dem ausladenden Hinterteil. „Ich habe ihn aus Holland, von einem Bekannten, der regelmäßig Oldtimer aus den USA einschiffen lässt“, sagt sie. Als sie „Odin“ sah, sei es sofort um sie geschehen. „Es ist so, dass das Auto sich den Fahrer aussucht. Nicht andersherum“, sagt die Blondine und lacht.

Schon immer hat sich Hentzschel für Autos interessiert, hat geschraubt und sich den Umgang mit dem Schweißgerät selbst beigebracht. „Angefangen hat alles mit einem Suzuki Swift, da war ich gerade 19 Jahre alt“, erinnert sich die Wachenbucherin. „Den habe ich richtig getuned, mit allem, was legal war, tiefer gelegt und mit Heckspoiler.“ Seither investiert sie viel Geld und noch mehr Zeit in das Hobby.

Mit dem 73-jährigen "Odin" will sie an einem Strandrennen teilnehmen

Vor mehr als zehn Jahren hat sie sich einen 2er Golf, Baujahr 1986, zugelegt. „Damals kam der 'Rat Style' auf“, erklärt sie. Das sind Autos, die rostig sind, löchrig und richtig schrottig aussehen sollen. „Außen pfui, innen hui sozusagen“, sagt Hentzschel. Diese Art des Tunings habe sie besonders aus einem Grund so sehr fasziniert: „Weil es gegen den Strom ist. Alle anderen wollen möglichst schicke, glänzend lackierte Autos haben. Und ich will meistens nicht das, was alle anderen haben.“

„Hook“, so heißt der 2er Golf im „Rat Style“, steht immer noch in Hentzschels Garage. Wie lange sie an dem Auto gewerkelt hat, kann sie nicht sagen. „Eigentlich ist man nie fertig. Man hat immer neue Ideen.“ Ihr Fuhrpark besteht derzeit aus drei Fahrzeugen, darunter einem „Alltagsauto“, wie sie sagt. Neu dazugekommen ist vor wenigen Monaten ein Mofa, eine DKW Hercules aus dem Jahr 1976.

An „Odin“, dem Amerikaner im stolzen Alter von 73 Jahren, schraubt Hentzschel seit rund einem Jahr. „Ich habe das Auto zerlegt und viel geschweißt“, sagt sie. Rund 400 Kilometer ist sie in den vergangenen zwei Jahren mit dem Oldtimer gefahren. Doch schon ganz bald sollen noch mehr Kilometer hinzukommen. „Wir nehmen mit ihm an einem Strandrennen in Italien teil“, sagt Hentzschel. Danach geht es zu anderen Rennen nach Berlin und in die Normandie. Bis auf die Rennen an sich wird das Auto im Rentenalter aber geschont und auf einem Anhänger transportiert.

Auch das der nächste Oldtimer soll ein Hingucker werden

Fast jedes Wochenende ist Hentzschel unterwegs, auf Oldtimer-Treffen und Rennen quer durch die Republik und sogar im Ausland. „Zumindest im Sommer. Es ist schon ein sehr zeitintensives Hobby“, sagt sie und lacht. Die drei Männer in ihrem Leben, ihre zwei Söhne und ihr Partner, kommen damit aber gut klar. „Mein Freund ist auch so autoverrückt wie ich. Er hat sogar noch mehr Fahrzeuge in seiner Garage“, sagt die Wachenbucherin, die Ende letzten Jahres auf einen Aussiedlerhof nach Büdingen gezogen ist, aber immer noch in Maintal arbeitet.

„Hier habe ich viel mehr Platz für mein Hobby“, erklärt sie. Und den braucht die 35-Jährige auch dringend – schließlich ist noch lange nicht Schluss. Welcher Oldtimer als Nächstes auf ihrer Liste steht, weiß sie noch nicht. Aber fest steht schon jetzt: Auch das wird definitiv wieder ein echter Hingucker sein.

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