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Winzer ernten weniger Trauben - Qualität ist gut

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Helmut Laupus (links) und Rolf Schneeweis packten am Samstag beim Keltern im Winzerhof tatkräftig mit an. Foto: Kalle
Helmut Laupus (links) und Rolf Schneeweis packten am Samstag beim Keltern im Winzerhof tatkräftig mit an. Foto: Kalle

Maintal. Deutlicher Rückgang bei der Weinernte: Der Hochstädter Winzerverein hat wesentlich weniger Trauben geerntet als im vergangenen Jahr. Dennoch sind die Winzer nicht unzufrieden. Denn die Qualität der Ernte kann sich durchaus sehen lassen

Von Martina Faust

Bald kehrt Ruhe auf dem Weinberg ein. Nicht aber in den Weinfässern. Dort brodelt und gärt es. Denn in den Kunststoffbehältern, die an der Bischofsheimer Straße 9 lagern, reift der neue Jahrgang des Hochstädter Winzervereins heran. Täglich schaut Weinmacher Alf Steinbrecher derzeit nach den edlen Tropfen.Kistenweise stapelten sich beim letzten Lese- und Keltertermin im Hof der Bischofsheimer Straße 9 die Weintrauben. Deutlich weniger als im Vorjahr. „Etwa die Hälfte“, sagt Alf Steinbrecher, Vorsitzender des Kellerausschusses. Doch für die Winzer kein Grund zu hadern. „2015 war ein absolutes Rekordjahr und daher kaum zu toppen“, erklärt der Hochstädter. Ohnehin gilt für die Winzer das Credo „Klasse statt Masse“. Und die Qualität der diesjährigen Ernte kann sich durchaus sehen lassen.Hausmarke erreicht TopwerteDer Riesling, das „liebste Kind auf dem Weinberg“, erreichte 80 Grad Oechsle. Ein Wert, mit dem Alf Steinbrecher einigermaßen zufrieden ist. „Perfekt wären ein paar Oechsle mehr, aber das hat das Wetter einfach nicht hergegeben“, erzählt er. Zweifelsohne haben die sonnig-warmen Septemberwochen den Trauben noch einmal richtig gut getan. Doch während beim Roten Hochstädter, der Hausmarke der Winzer, mit 105 Oechsle ein Spitzenwert erreicht wurde, reichte es für den Riesling nicht ganz.Noch aber sind Hopfen und Malz, beziehungsweise Maische und Hefe, nicht verloren. Denn über die Qualität des Weins entscheiden nicht die Trauben allein, sondern der gesamte Herstellungs- und Reifeprozess. Und den hat Alf Steinbrecher nun akribisch im Auge.

Weinherstellung mit Hand und HerzIm Gegensatz zu den Profiwinzern ist der Kellermeister darauf angewiesen, die natürlichen Gegebenheiten ganz zu seinen Gunsten zu nutzen. Denn eine Temperatursteuerung der Tanks, um die Gärung positiv zu beeinflussen, gibt es bei den Hochstädtern nicht.Hier erfolgt die Weinherstellung noch mit Hand und Herz. Ein wenig bang verfolgen die Winzer daher die Witterung. „Wenn es zu kalt wird, hört der Wein auf zu gären, obwohl er noch einen Restzuckergehalt hat“, erklärt Alf Steinbrecher. Läuft hingegen alles gut, verwandelt die Hefe den Zucker zu Alkohol und es gilt, den richtigen Zeitpunkt abzupassen, um „den Wein von der Hefe zu nehmen“, wie die Winzer sagen.1800 Flaschen Weiß- und RotweinWachsam kontrolliert Alf Steinbrecher daher täglich die Gärung. Ist der rechte Augenblick gekommen, wird der Wein von der Hefe abgezogen und geschwefelt, um mögliche Bakterienkulturen zu zerstören. Danach darf der edle Tropfen noch einige Zeit auf der Feinhefe stehen, ehe er filtriert und in Flaschen abgefüllt wird.Etwa 1800 Flaschen Weiß- und Rotwein, schätzt der Kellermeister, ergeben die 1400 Liter Traubensaft. Eine zufriedenstellende Menge, die ohne Zweifel die vereinseigenen Feste der Winzer sichert. So wie das Federweißenfest am kommenden Wochenende, wenn die Besucher in den Genuss der 2015er Jahrgänge kommen, jenem Spitzenjahr, das den Winzern die Keller bis unter die Decke füllte. Was das Jahr 2016 bereithalten wird, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen. Aber keine Frage: Kellermeister Alf Steinbrecher dürfte es als Erster wissen – und verkosten.

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