Anderthalb Kilometer legte dieser Einkaufswagen von der Spessartstraße in die Thomas-Mann-Straße zurück, ehe er dort einfach dauerhaft abgestellt wurde. Foto: Privat

Maintal

Warum gestohlene Einkaufswagen ein Ärgernis sind

Maintal. Der Einkauf landet immer seltener in Plastiktüten, zeigt eine Erhebung der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung. Das ist gut. Weniger gut ist, wenn statt der Plastiktüten die Einkaufswagen der Supermärkte das Stadt- und Landschaftsbild prägen. Dies beobachtete kürzlich Wilfried Schimpf aus Bischofsheim.

Von Martina Faust

„Es gibt Leute, die ihren Einkauf mit dem Einkaufwagen des Marktes bis zu ihrer Wohnung fahren, dort ausladen und den Wagen nicht zurückbringen, sondern einfach an der Straße oder am Nachbargrundstück abstellen“, berichtet Schimpf. Im aktuellen Fall war es ein Einkaufswagen des Netto-Marktes in der Spessartstraße, der bis zu seinem „finalen Parkplatz“ in der Thomas-Mann-Straße immerhin anderthalb Kilometer zurücklegte. Der Bischofsheimer findet dieses Verhalten schlichtweg ärgerlich.

Und nicht nur er. Auch der Supermarkt selbst. „Dadurch entsteht unserem Unternehmen natürlich finanzieller Schaden“, heißt es auf Anfrage aus der Pressestelle des Marken-Discounters. Auch andere Märkte kennen das Problem, auch wenn es sich überwiegend um Einzelfälle handelt, wie die Pressestellen von Rewe und Aldi süd mitteilen. „In unseren Filialen verzeichnen wir in den letzten Jahren vereinzelt immer wieder Verluste bei unseren Einkaufswagen. Dabei fällt die Anzahl der Diebstähle in den Großstädten deutlich höher aus als zum Beispiel in den ländlicheren Kommunen“, so ein Pressesprecher von Aldi Süd.Würden die Märkte über Einkaufswägen informiert, die außerhalb des Marktgeländes abgestellt worden seien, würden diese abgeholt. „Wo es nötig sein sollte, arbeiten wir zur Wiederbeschaffung gestohlener Einkaufswagen mit externen Dienstleistern zusammen“, erklärt Netto.

Ordnungsbehörden häufig konfrontiert

Eher selten sieht sich die städtische Ordnungsbehörde mit Meldungen über gestohlene und abgestellte Einkaufswagen konfrontiert. „Die Ordnungsbehörde würde selbstverständlich aktiv werden, wenn die Einkaufswagen die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährden, beispielsweise, wenn sie mitten auf einer Straße stehen. Für private Flächen ist die Ordnungsbehörde hingegen nicht zuständig“, teilt Pressesprecherin Nicole Bilz mit. Wenn eine Mitteilung über einen Einkaufswagen auf Grünflächen oder im Außenbereich eintreffe, werde der jeweilige Supermarkt informiert und zur Abholung aufgefordert. „In Einzelfällen werden die Einkaufswagen dem Supermarkt übergeben“, so Bilz.

Um den Diebstahl von Einkaufswagen zu verhindern, setzen die Konzerne auf die Installation verschiedener Sicherungssysteme. „Über die Verwendung wird individuell in den einzelnen Aldi Süd-Filialen entschieden, um sich optimal auf die gegebenen Verhältnisse vor Ort einstellen zu können. Unsere Filiale in Bischofsheim verwendet Einkaufswagen, deren Räder blockieren, sobald sie das Filialgrundstück verlassen“, heißt es auf Nachfrage. Auch Lidl setzt auf diese Variante: „Bei dieser technischen Lösung blockiert eine Magnet- oder Induktionsschleife beim Verlassen eines festgelegten Bereichs die Räder an den Einkaufswagen.“

Bei Netto gehören zu den Sicherheitsmaßnahmen in Einzelfällen ergänzend „Schranken an den Parkplatzausfahrten oder Wegfahrsperren (...). Wenn nötig, weisen wir außerdem durch Schilder im Eingangsbereich und auf den Parkplätzen deutlich darauf hin, dass Einkaufswagen grundsätzlich nicht vom Filialgelände entfernt werden dürfen“, informiert die Pressestelle von Netto und bittet alle Kunden, die einen Diebstahl beobachten, die jeweilige Filiale darüber zu informieren. „Werden Einkaufswagen im großen Stil gestohlen, wird das in der Regel zur Anzeige gebracht“, macht der Pressesprecher von Aldi Süd deutlich. Schließlich seien die Anschaffungskosten sehr hoch. Zahlen, auch zu den Diebstählen, möchten die Märkte aber nicht nennen, „um Nachahmeffekte zu vermeiden“, heißt es seitens Netto.

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