Der Festplatz in Bischofsheim blieb am letzten Juli-Wochenende verwaist. Letztlich waren es seine Zebras, die dazu führten, dass der Circus Rolina doch nicht gastierte. Archivfoto: Kalle

Maintal

Warum das Gastspiel des Circus Rolina doch nicht stattfand

Hohe Wellen hatte auf der Facebook-Seite des TAGESANZEIGER der Artikel über das Gastspiel des Circus Rolina auf dem Bischofsheimer Festplatz geschlagen.

Denn der Zirkus führt zahlreiche, teils exotische Tiere mit, was Tierschützer schnell auf den Plan rief. Außerdem stellte sich die Frage, ob der Zirkus wegen des Wildtierverbots in Maintal überhaupt auftreten darf. Doch die geplanten sechs Vorstellungen haben nie stattgefunden. Der Grund: die Zebras.

Wer das Internet nach Presseartikeln und die sozialen Medien durchforstet, dem wird schnell klar: Das Thema Wildtiere im Zirkus ist ein Politikum. Das war in Maintal nicht anders, als unsere Zeitung in der vorigen Woche über das bevorstehende Gastspiel berichtete. Die Reaktionen reichten von Kritik an der Stadt Maintal und sogar an Bürgermeisterin Monika Böttcher persönlich bis hin zur Aufforderung, gegen den Auftritt des Zirkus zu demonstrieren (wer die Reaktionen im Wortlaut lesen möchte, kann sie auf der Facebook-Seite des TAGESANZEIGER nachlesen).

Hauptargument der Gegner war das Wildtierverbot, das die Maintaler Stadtverordnetenversammlung im Dezember 2016 einstimmig beschlossen hatte. Auf die Nachfrage unserer Zeitung hatte die Stadt Maintal geantwortet, dass sie trotz des Verbots keine rechtliche Handhabe habe, den Auftritt des Zirkus gänzlich zu verbieten, da es keine bundesweite Gesetzgebung zu diesem Thema gebe. In ihrer Antwort schrieb die Stadt Maintal, dass grundsätzlich jeder Einzelfall bewertet und besonders auf die Sicherheit und Gefahrenabwehr geachtet werde. Da der Circus Rolina keine gefährlichen Tiere mitführe, die bei einem Ausbruch die Sicherheit von Menschen beeinträchtigen könnten, dürfe er in Maintal gastieren.

Und dennoch betrat der Circus Rolina, der von der Familie Ortmann betrieben wird, erst gar nicht das Maintaler Stadtgebiet. Wie Juliana Ortmann auf Nachfrage des TAGESANZEIGER mitteilt, habe die Stadt Maintal zunächst das Gastspiel am letzten Juli-Wochenende gestattet, dann aber, bei der Ausarbeitung des Vertrags zur Nutzung des Festplatzes in Bischofsheim, dem Zirkus nachträglich verboten, seine Zebras in die Stadt zu bringen.Zu diesem Zeitpunkt seien laut Ortmann die Flyer und Plakate bereits gedruckt und der Zirkus anreisebereit gewesen. Doch so sei ihnen nicht mehr möglich gewesen, die sechs geplanten Vorstellungen durchzuführen. Denn das Verbot beschränkte sich nicht darauf, die Zebras nicht auftreten zu lassen. Sie durften erst gar nicht in die Stadt gebracht werden. Eine Auslagerung der gestreiften Exoten für die Zeit des Gastspiels in Bischofsheim sei keine Option gewesen, so Ortmann.

Dieser Darstellung widerspricht die Stadt Maintal. Dem Circus Rolina sei das städtische Antragsformular zugeschickt worden mit der Bitte, dieses vollständig auszufüllen und gegebenenfalls notwendige Dokumente anzufügen und an die Stadt zurückzusenden. „Das Antragsformular wurde von den Verantwortlichen des Circus Rolina ausgefüllt, allerdings fehlten notwendige Unterlagen (so waren unter anderem Versicherungen nachzuweisen, ein Hinweis auf Tiere fehlte), sodass sich Nachfragen ergaben“, so das schriftliche Statement aus dem Rathaus. Bei einer dieser Nachfragen sei dann auch das Thema „Zebras“ erörtert worden. Dem Verantwortlichen des Zirkus sei signalisiert worden, dass eine Auftrittsgenehmigung nur dann vorstellbar sei, wenn dessen Zebras an einem anderen Ort als Maintal untergestellt werden. Grundlage für diese Entscheidung sei die entsprechende Beschlussfassung der Stadtverordnetenversammlung, da Zebras als Wildtiere eingestuft seien.

„Der Verantwortliche des Circus Rolina hatte zugesichert, dass die Zebras an einem anderen Ort untergebracht würden. Daraufhin wurde die Genehmigung zum Auftritt des Zirkus erteilt“, so die Stadt. In der Folge habe der Zirkus schließlich mitgeteilt, dass der Auftritt nicht stattfinden werde. „Als Grund gab er an, dass die Kosten für die Unterbringung der Zebras an einem anderen Ort zu hoch seien und er würde auf die Schnelle keinen anderen Platz finden. Im Übrigen verwies er auf die Wetterlage und darauf, dass ein weiterer Mitbewerber in der Region aktiv sei“, gibt die Stadt die Aussagen des Zirkus wieder.

Mit der Diskussion um Wildtiere sei es für sie als Zirkusbetrieb grundsätzlich schwieriger geworden, sagt Ortmann. Es kämen weniger Zuschauer zu den Vorstellungen. Aber ihr Familienzirkus, zu dem laut Ortmann 20 Personen gehören, sei auf Tiere spezialisiert. Einen Zirkus ohne Tiere „wollen wir gar nicht“. Sie argumentiert, dass viele der Tiere, zum Beispiel bei den Zebras, in den Zirkus hineingeboren seien. Sie seien „wie Familienmitglieder“, sagt Ortmann. Dass die Tiere gut gehalten würden und regelmäßige Kontrollen des Veterinäramts stattfänden, hatte der Circus Rolina, der aktuell in Heusenstamm gastiert, quasi vorsorglich bereits in seiner Ankündigung für das Gastspiel auf dem Bischofsheimer Festplatz geschrieben. Das hat zwar nun nicht stattgefunden, aber: „Wir lassen uns nicht unterkriegen“, so Ortmann.

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