Sie haben entschieden: Die Maintaler Wähler, wie hier im Hochstädter Bürgerhaus, haben die Machtverhältnisse in der Politik durcheinandergewirbelt.
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Sie haben entschieden: Die Maintaler Wähler, wie hier im Hochstädter Bürgerhaus, haben die Machtverhältnisse in der Politik durcheinandergewirbelt.

CDU stärkste Fraktion in Maintal

Wahl in Maintal: Grüne die Gewinner, SPD verliert mehr als zehn Prozent

  • Michael Bellack
    vonMichael Bellack
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Feierlaune bei den Grünen, Zufriedenheit bei der CDU, Katerstimmung bei SPD und WAM: Die Wahl zur Stadtverordnetenversammlung hat in Maintal Sieger und Verlierer bei den etablierten Parteien hervorgebracht. Und auch zwei neue Akteure mischen künftig mit.

Maintal – Ausgelassene Stimmung herrschte nach Bekanntgabe des vorläufigen Endergebnisses am Dienstagabend bei den Maintaler Grünen. Mit 21,9 Prozent und zehn Sitzen stellen sie künftig die zweitstärkste Fraktion. Spontan fanden sich die Grünen in einem Zoom-Meeting zusammen, wie die Fraktionsvorsitzende Monika Vogel berichtet. „Wir sind alle sehr gut gelaunt“, so Vogel.

Im September 2019 hatte sie noch in einem Interview erklärt, mehr als 20 Prozent seien aufgrund der Personallage eine Horrorvorstellung. „Jetzt haben wir viele tolle Leute, hatten einen guten und kreativen Wahlkampf“, freut sich Vogel. Mit über 20 Prozent hatte sie aber nicht gerechnet. Besonders der hohe Frauenanteil stimmt Vogel freudig: Sechs der zehn Grünen im künftigen Parlament sind Frauen.

In Sachen Mehrheitsbildung geben sich die Grünen offen – bis auf eine Ausnahme. „Wir sind offen, mit allen demokratischen Parteien zu reden“, so Vogel, „aber mit der AfD garantiert nicht. Zwei Sitze für die AfD sind zwei zu viel.“

CDU jetzt stärkste Fraktion in Maintal

Auch die CDU geht als Siegerin aus der Wahl hervor. „Natürlich sind wir zufrieden, dass wir unsere Wähler mobilisieren konnten und jetzt die stärkste Fraktion sind“, sagte Martin Fischer, Fraktionsvorsitzender der Christdemokraten. Obwohl die CDU prozentual im Vergleich zu 2016 etwas verloren hat, erhielt man in der Summe mehr Stimmen.

„Wir werden jetzt unsere inhaltlichen Schwerpunkte setzen können“, so Fischer. Auf die im Wahlkampf thematisierten Bereiche Stadtentwicklung, Wirtschaftsförderung, Umwelt und Verkehr sowie Sicherheit und Ordnung führt die CDU das gute Ergebnis auch zurück. Jetzt liegen spannende Tage vor Fischer und seinem Team, der mit vielen Gesprächen ob der zukünftigen politischen Zusammenarbeit rechnet. „Das wird eine sehr interessante Arbeit, auch durch den Einzug zweier neuer Parteien ins Parlament“, so Fischer.

SPD verliert in Maintal über zehn Prozent

Wo es Wahlgewinner gibt, gibt es auch Wahlverlierer. Der größte ist sicher die SPD, die im Vergleich zur Wahl 2016 satte 10,8 Prozent verloren hat. Hauchdünn landeten die Sozialdemokraten hinter den Grünen und belegen künftig nur noch zehn statt 14 Sitze.

Entsprechend getrübt war die Stimmung. „Wir hatten uns mehr erhofft, das ist klar“, sagt Stadtverordnetenvorsteherin Jennifer Gutberlet. „Der Bundestrend spricht klar gegen die SPD, auch wenn wir im Vergleich dazu in Maintal besser abgeschnitten haben“, so Gutberlet. Bei einigen Themen hätte man sich wohl stärker positionieren können, findet sie. In den kommenden Tagen stehen nun Gespräche an, wie es weitergehen soll.

Wahlalternative Maintal hadert mit Wahlergebnis

„Für uns ist es nicht gut gelaufen“, zieht auch Jörg Schuschkow, der Fraktionsvorsitzende der Wahlalternative Maintal (WAM), eine ernüchternde Bilanz. Fast sieben Prozent büßte die Wählergruppierung ein und verlor drei ihrer acht Sitze im Parlament. Nun will man auf Ursachenforschung gehen. Einen Grund für das Abschneiden sieht Schuschkow in den zwei neuen Parteien, die erstmals zur Wahl standen. „Es sind natürlich mehr Parteien da, auf die die Wähler ihre Stimmen verteilen können.“

Aus den Wahllokalen habe er zudem gehört, dass die WAM bei der Zahl der ungültigen Stimmen „prominent beteiligt“ gewesen sei. „Einige haben ihr Kreuz wohl bei Gemeinsam und bei der WAM gemacht“, so Schuschkow. „Das ist zwar schön, am Ende sind diese Stimmen aber für beide ungültig.“ Das sei aber nur ein Randaspekt.

WAM kann sich auf Zugpferde verlassen

Fehler sieht Schuschkow auch in der Aufstellung der WAM. „Wir wollten uns 2020 breiter aufstellen, dann kam Corona und das wurde schwierig“, sagt er. Außerdem habe man durch die Logo-Änderung auf den Wahlplakaten an Wiedererkennungswert eingebüßt. „Es kam einfach viel zusammen“, so Schuschkow.

Mit 10,3 Prozent ist man dennoch viertstärkste Fraktion in Maintal. „Wir haben einige Zugpferde, die in einzelnen Bezirken mehr Stimmen geholt haben als die CDU“, lautet Schuschkows Erklärung. Wie und in welcher Form die WAM künftig an der Mehrheitsbildung beteiligt sein könnte, lässt er noch offen.

FDP trotz leichtert Verluste zufrieden

Einen Sitz und mehr als zwei Prozent eingebüßt hat die FDP. Der Fraktionsvorsitzende Thomas Schäfer zeigte sich dennoch „zufrieden, aber nicht übermäßig glücklich“. Schließlich habe man immer noch das zweitbeste Wahlergebnis in der Geschichte der Maintaler FDP eingefahren. „Vor dem Hintergrund, dass das Ergebnis das letzte Mal überragend war, ist es jetzt ein Riesenerfolg, dass wir weiter zweistellig sind“, sagt Schäfer.

Auch er stellt sich auf eine spannende Zeit ein, was die künftige Zusammenarbeit im Parlament betrifft. „In unsere Richtung spielt, dass keine Zweierkonstellation möglich ist.“ Daher müssten sich nun alle Beteiligten neu justieren. „Wie das ausgeht, kann man noch nicht abschätzen, das steht in den Sternen“, sagt Schäfer und erklärte, dass es auch seitens der FDP keine proaktive Zusammenarbeit mit der AfD geben werde. „Wenn die AfD für unsere Anträge stimmt, werden wir diese aber nicht zurückziehen. Da lassen wir uns politisch nicht erpressen“, stellt er klar.

AfD zieht in Maintal erstmals ins Parlament ein

Für die AfD, die erstmals in Maintal angetreten ist und mit zwei Sitzen ins Parlament einzieht, gibt es also bereits ersten Gegenwind. Spitzenkandidat Professor Erich Albrecht gibt sich aber entspannt: „Wir sind jetzt erst mal drin und schauen, dass wir das Beste daraus machen.“ Bei zukünftigen Entscheidungen werde man sich nicht festlegen. „Das ist nicht unser Ding. Wer den besseren Vorschlag macht, dem folgen wir. Egal, ob Rot, Grün, Lila oder Schwarz.“ Albrecht, der für die AfD auch im Kreistag sitzt, wies darauf hin, dass dort in den vergangenen Jahren „nicht immer alles fair“ abgelaufen sei.

Die genauen Ergebnisse der Wahl werde man jetzt analysieren. Auffällig sei das schlechte Abschneiden bei der Briefwahl. In allen der fünf Briefwahlbezirke blieb die AfD unter vier Prozent. In einigen Wahlbezirken dagegen holte man über zehn Prozent. „Das ist erstaunlich, da es erst anders aussah“, so Albrecht, „da müssen wir schauen, was da wie und wo abgelaufen ist.“

„Gemeinsam für Maintal“ holt zwei Sitze

Ein gänzlich unbeschriebenes Blatt ist „Gemeinsam für Maintal“. 5,1 Prozent der Stimmen bedeuten zwei Sitze im Parlament. „Für das erste Mal und die kurze Vorbereitungszeit sind wir zufrieden“, so der Spitzenkandidat Mahmut Kolbudak, der es übrigens selbst nicht ins Parlament geschafft hat. „Wir machen alles zusammen, egal wer jetzt letztlich drin ist. Da können wir alle mitentscheiden“, so Kolbudak. In den kommenden Tagen will man die künftigen Schritte besprechen, im Parlament müsse man sich schließlich erst mal zurechtfinden.

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