Der Dartsport wird in Deutschland immer beliebter. Dennoch haben die Vereine wenig Zulauf.
+
Der Dartsport wird in Deutschland immer beliebter. Dennoch haben die Vereine wenig Zulauf.

Darts

Von Euphoriewelle wenig zu spüren: Dartvereine in Maintal profitieren noch nicht vom WM-Hype

  • Michael Bellack
    vonMichael Bellack
    schließen

Die mediale Präsenz steigt, die Begeisterung der Menschen wächst. Der Dartsport ist nicht nur durch die Anfang Januar beendete Weltmeisterschaft in aller Munde. Doch der Boom kommt bei den Maintaler Dartvereinen nicht an – das liegt nicht nur an Corona.

Maintal – Außer im Fernsehen hat der Dartsport derzeit keine Gelegenheit, Werbung für sich zu machen. Das Vereinsleben ist im zweiten Lockdown zum Erliegen gekommen, gespielt wird nicht mehr. Größtes Problem für die Darter sind die geschlossenen Gaststätten, denn nur wenige Vereine verfügen über eigene Räumlichkeiten. Doch auch die nutzen derzeit nichts. „Wir haben zwar ein eigenes Vereinsheim, sind aber zu viele Personen“, sagt Jürgen Reul vom DC Phönix.

Dartspiele unter Corona-Auflagen

Als sich die Corona-Lage über den Sommer entspannt hatte, flogen die Pfeile noch. Natürlich mit Auflagen zu Hygiene und Abstand. „Es wurde desinfiziert und auf den Abstand geachtet. Auch Dartpfeile vom Gegner durften beispielsweise nicht aufgehoben werden“, sagt Beate Mock vom DSV Bullseye Maintal, der zuvor unter dem Namen DC Derngem bekannt war. „Alle Vereine waren sehr bemüht, das hat alles gut funktioniert“, so Mock.

Einschnitte gab es bei den Vereinen dennoch, nicht alle Spieler gingen unter den erschwerten Bedingungen bei den Spielen an den Start. „Wir haben einen bunten Altersdurchschnitt, unser ältester Spieler ist um die 80. Der hat sich komplett rausgehalten, genauso wie Spieler mit Vorerkrankungen“, erzählt sie.

Training Zuhause ersetzt nicht den Spielbetrieb

Die Alternativen zum Spielen im Vereinsheim oder der Gaststätte sind noch rar gesät. An einem Online-Format, bei dem die Spieler Zuhause spielen, wird derzeit gearbeitet. Die meisten Spieler haben zwar eine Dartscheibe Zuhause, den Spielbetrieb ersetzt das jedoch nicht. Immerhin können Handhaltung, Stand und Wurftechnik auch in den eigenen vier Wänden trainiert werden.

Während in der öffentlichen Wahrnehmung vor allem durch die WM ausschließlich Steeldarts eine Rolle spielt, wird in den lokalen Vereinen in der Mehrheit E-Darts gespielt. „So wie das im Fernsehen zu sehen ist, wird eigentlich gar nicht gespielt“, so Mock. Eine Ausnahme bildet in Maintal der Dartclub Bulldogs Wachenbuchen. Hier wird Steel-Darts gespielt. „Nicht so schnell wie bei der WM, das ist klar“, erklärt Vereinsmitglied Markus Hartwig schmunzelnd. Außerdem werde nicht im Set-, sondern im Leg-Modus gespielt. Auch bei den Bulldogs, die in einer Gaststätte spielen, ruht der Spielbetrieb derzeit komplett.

Mehr Interesse, aber nicht mehr Mitglieder

Obwohl die Sportart generell viel mehr Beachtung erfährt, sei von einem Boom aber nichts zu spüren. Zwar kämen immer mal wieder junge Menschen dazu, berichten die Vereine. Viele würden aber ebenso schnell wieder gehen.

„Das Interesse ist größer, das schlägt sich aber nicht in den Mitgliederzahlen nieder“, so Hartwig von den Bulldogs. Das hänge auch damit zusammen, dass viele erst bei den ersten Würfen merken, wie anspruchsvoll Darts ist, vermutet Beate Mock: „Viele denken, sie seien nicht gut genug.“

Um daran etwas zu ändern, fehlt es wiederum an den Trainingsmöglichkeiten. Das können Vereine, die nur in Gaststätten spielen, nicht anbieten. Und erfahrene Spieler oder gar Trainer, die den Anfängern Tipps und Hilfestellungen geben, sind selten. „Es gibt kaum Leute, die sich das antun. Der Zeitaufwand ist extrem hoch“, sagt Mock.

Rückkehr in den Spielbetrieb ist ungewiss

Wann und wie es weitergeht, steht auch für die Darter in den Sternen. Jürgen Reul vom DC Phönix stellt sich eine Rückkehr in den Spielbetrieb schwierig vor. „Man muss eigentlich fast von vorne anfangen. Außerdem haben viele die Zeit jetzt anders genutzt, die müsste man dann erst mal wieder motivieren“, so Reul. Zumindest über die sozialen Medien versucht man derzeit, die Mitglieder bei Laune zu halten. „Da fehlt natürlich die soziale Komponente, das Gemeinsame. Letztlich ist Darts ja ein Kneipensport, bei dem man auch bei einem Bierchen zusammensitzt“, sagt Hartwig.

Über das Netz haben sich die Vereinsmitglieder in den vergangenen Wochen natürlich auch über die Darts-WM in London ausgetauscht. „Es sind mehr Deutsche dabei, das ist natürlich klasse Werbung“, so Reul. Neue Spieler beschert der derzeitige Darts-Hype den Maintaler Vereinen bisher jedoch nicht, stellt Reul fest: „Bei mir hat noch keiner angerufen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema