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Volle Kirche für siebte Hochstädter Lyriknnacht

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Bekannte Literaten wie Michael Buselmeier (Vierter von links) traten bei der diesjährigen Auflage der Hochstädter Lyrikernacht neben noch jungen und unbekannten Lyriktalenten wie der Maintalerin Louisa Arendt (Erste von rechts) auf. Barbara Bingel (Vierte von links) von der Bürgerstiftung freute sich über einen gelungenen Abend. Foto: Pauly
Bekannte Literaten wie Michael Buselmeier (Vierter von links) traten bei der diesjährigen Auflage der Hochstädter Lyrikernacht neben noch jungen und unbekannten Lyriktalenten wie der Maintalerin Louisa Arendt (Erste von rechts) auf. Barbara Bingel (Vierte von links) von der Bürgerstiftung freute sich über einen gelungenen Abend. Foto: Pauly

Maintal. Lyrik, die dritte literarische Gattung neben Epos und Drama nach der antiken Poetik des Aristoteles, hat sich gerade in den letzten Jahrzehnten in vielerlei Hinsicht entwickelt und für ganz unterschiedliche parallel existierende Ansätze geöffnet.

Von Andrea Pauly

Dies zeigte sich auch bei der siebten Hochstädter Lyriknacht in der evangelischen Kirche Hochstadt, wo prominente Lyriker, Preisträger und Nachwuchsautoren bis hin zu talentierten Schülern, Auszüge aus ihren Werken interpretierten. Die zahlreich erschienenen Gäste kamen zu dieser erfolgreichen Veranstaltung in Erinnerung an den Lyriker und Erzähler Horst Bingel aus dem ganzen Main-Kinzig-Kreis sowie dem Rhein-Main-Gebiet, insbesondere aus Frankfurt.

Dort ist der Sitz der Horst-Bingel-Stiftung für Literatur e.V, die Literatur im Sinne ihres 2008 verstorbenen Namensgebers fördert und seit 2010 die Lyriknacht organisiert. Er lebte in den 50er Jahren in Hochstadt und sein Vater lehrte an der Volksschule. Seit 2013 ist die „Bürgerstiftung Maintal – Unsere Stadt – Unsere Zukunft“ Veranstaltungs-Partner der Lyriknacht im Rahmen ihres Engagements für Kunst und Kultur. Die siebte Lyriknacht wurde von der Stadt Maintal, die Gründungsmitglied der Horst Bingel-Stiftung ist, unterstützt und vom „Kultursommer Main-Kinzig-Fulda“ sowie der „Stiftung der Sparkasse Hanau“ gefördert. Das „Hessische Literaturforum im Mousonturm“ war ebenfalls in diesem Jahr wieder Kooperationspartner.

LyrikbandsFür die musikalische Gestaltung zeichneten Bernhardt Brand-Hofmeister und Stephan Völker verantwortlich. Mit ihren gelungenen Improvisationen an Orgel und Saxofon bezogen sie sich auf die lyrischen Texte und begeisterten so auch das musikalisch interessierte Publikum, das den beiden Musikern neben den Lyrikern großen Applaus spendete. Nach der Begrüßung durch die Vereinsvorsitzende der Horst-Bingel-Stiftung, Barbara Bingel, des Vorsitzenden der Maintaler Bürgerstiftung, Ludwig Weiler und einem Grußwort von Bürgermeisterin Monika Böttcher (parteilos) übernahm der zweite Vorsitzende der Horst-Bingel-Stiftung, der Schriftsteller und Journalist Harry Oberländer, die Moderation.

Alexander Pfeiffer, der für seine Krimis bekannt wurde und 2014 den Friedrich-Gauser-Preis für Krimiautoren erhielt, veröffentlichte dieses Jahr seinen ersten Lyrikband „Begrabt mein Herz an der Biegung der Schwalbacher Straße“. Seine angenehm leicht zugänglichen Gedichte über Zwischenmenschliches gefielen, wie auch die etwas provokanteren Werke „mit Märchenanklängen“ der folgenden, mehrfach ausgezeichneten Autorin: Carolin Callies arbeitete als Verlagsbuchhändlerin beim Frankfurter Schöffling Verlag. Seit ihrem Debütband „fünf sinne und nur ein besteckkasten“ widmet sie sich ausschließlich der Lyrik.

Gedichte Maren Kames Texte aus ihrem vielgelobten Debüt „Halb Taube, halb Pfau“ hatten keine Titel, weil sie sich, so die Autorin, alle aufeinander beziehen und in Verbindung stehen. Einen lautmalerischen Lyrikteppich zauberte anschließend Lisa Goldschmidt, Stipendiatin des „Jungen Literturforums Hessen-Thüringen“ mit ihren mehrsprachig verfassten Gedichten, die in ihrer ganz eigenen Rhythmik berührten. Michael Buselmeier, vielseitiger Literat, Kritiker und Herausgeber, las aus „Dante deutsch. Gedichte“. Romanleser kennen ihn durch seinen Roman „Wunsiedel“.

Die junge Maintalerin Louisa Arndt wurde durch die Schreibwerkstätten der Albert-Einstein-Schule im Dichten bestärkt. Sie legte im Juni 2017 erfolgreich dort das Abitur ab und ist schon mehrfach bei der Hochstädter Lyriknacht aufgetreten. Ihre Gedichte „Nacht“ und „Heimweh“ kamen bei den Zuhörern gut an. Zum Abschluss las noch der mehrfach ausgezeichnete José F. A. Oliver, der gerne mit seinen Gedichten experimentiert. An diesem Abend las er aus „Nachtrandspuren“ und „21 Gedichte aus Istanbul 4 Briefe und 10 Fotow:orte“ und begleitete diese mit seinem Gesang von alten andalusischen Klageweisen, bevor Harry Oberländer noch einen Text von Horst Bingel zum Besten gab.

Hohe künstlerische Qualität Das Publikum fand auch in diesem Jahr wieder großen Gefallen an der inzwischen fest etablierten Lyriknacht. So war z.B. Beate Schmidt aus Hochstadt, die zum zweiten Mal dabei war, begeistert von der großen Vielfalt. Allerdings würde sie sich bei manchen eher schwer zugänglicheren Gedichten wünschen, den Text begeitend mitlesen zu können.

Marion Todt-Rüdiger aus Dietzenbach, die bereits zum sechsten Mal zu Gast war, ist immer wieder beeindruckt von der hohen künstlerischen Qualität der Werke und besonders in diesem und letzten Jahr von der inspirierenden musikalischen Begleitung durch Orgel und Saxophon.

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