Routiniert, schmissig und spielfreudig wie immer, lieferten Witolf Werner und sein Ensemble eine Art „Best of“ bekannter Melodien und begeisterten restlos. Das Konzert bot nicht nur Walzerklänge und Märsche klassisch-legerer Provenienz, sondern auch Musicalmelodien und Evergreens der Marke „West Side Story“ und „Evita“. Fotos: Rainer Habermann

Maintal

Volksbühne präsentiert großes Orchester in toller Spiellaune

Maintal. Die Welt scheint trotz des grauen Wetters wieder himmelblau, zumindest für die Volksbühne Maintal. Am Dienstagabend feierte der Kulturverein eine überaus gelungene Premiere mit dem neuen Vorsitzenden-Ehepaar Katharina und Ulrich „Uli“ Lüer.

Von Rainer Habermann

Das Format war ein altes: Neujahrskonzert mit dem Johann-Strauß-Orchester Frankfurt. Routiniert, schmissig und spielfreudig wie immer, lieferten Witolf Werner und sein Ensemble zusammen mit der quirligen Sopranistin Katja Bördner eine Art „Best of“ bekannter Melodien.

„Von allem etwas – von allen das Beste“: unter diesem Motto stand das Konzert, das nicht nur Walzerklänge und Märsche klassisch-legerer Provenienz bot, sondern auch Musicalmelodien und Evergreens der Marke „West Side Story“, „Evita“ oder „Cabaret“.

„Feuertaufe bestanden“

Und auch die Lüers hatten sich etwas vorgenommen: „Wir möchten Ihnen Freude bereiten. Freude beim Besuch unserer Theatervorstellungen mit interessanten und unterhaltsamen Stücken“, meinten die neuen Vorsitzenden auf offener Bühne zur Begrüßung. Im Dezember vorigen Jahres erst waren die beiden gewählt worden, nachdem es einige Zeit schlecht um die Zukunft des Kulturvereins bestellt schien, weil der bis dahin amtierende Vorsitzende Thomas Wanka (Ende 2014 gewählt) nicht mehr antreten wollte.

Man kann durchaus sagen: „Feuertaufe bestanden“ für das Ehepaar Lüer auf den großen Brettern des Bischofsheimer Bürgerhauses, dem bislang einzigen, geeigneten Auftrittsort für die Veranstaltungen der Volksbühne in Maintal. Theatererfahrung haben sie ja zur Genüge, die Lüers; seit gefühlten Ewigkeiten ist ihr „Wachenbücher Weltbühnchen“ am Start.

Saisonauftakt mit Neujahrskonzert

Den Saisonauftakt für die Volksbühne bildet ebenfalls seit „Urzeiten“ das Neujahrskonzert mit dem Johann-Strauß-Orchester. Vor einem begeistert Beifall klatschenden Publikum – das Bürgerhaus war groß bestuhlt und so gut wie ausverkauft, nur die erste Reihe blieb fast leer, was Werner auch zu einem ironischen Kommentar veranlasste – startete das Ensemble beschwingt mit der „Fledermaus“-Ouvertüre. Das war's dann schon mit dem Johann Strauß, was folgte, waren andere große Komponisten der Wiener und der deutschen wie internationalen Szene aus drei Jahrhunderten.

Emmerich Kálmán und seine „Csárdásfürstin“, Franz Lehár mit dem „Gold-und-Silber-Walzer“, ein Medley von Melodien aus Fred Raymonds „Maske in blau“: beliebte Arien wechselten mit Operettenmelodien und romantischen Liedern, wobei auch die hervorragende Sopranistin Katja Bördner ihre Sternstunden hatte. Ob „Heja in den Bergen“, „Ich bin verliebt“ oder eine ihrer Glanznummern, „Adieu, mein kleiner Gardeoffizier“: Emotion pur, wann immer sie ihre Stimme hob.

Diverse Hits als Medley

Nach der Pause war der etwas internationalere und modernere Part dran. Ein Medley aus Melodien des Musikfilm-Hits „Mary Poppins“ zelebrierte das Johann-Strauß-Orchester ebenso souverän wie swingend, „West Side Story“, der langsame Walzer „Moon River“ aus dem Mancini-Film „Breakfast at Tiffany's“ und ein „Blue Tango“ von Leroy Anderson setzten den Reigen fröhlicher Klänge fort. Und wenn Bördner sang: „I feel pretty“, dann durfte sie sich nicht nur so fühlen: sie ist auch tatsächlich hübsch.

Leonard Bernstein lässt grüßen, er komponierte diesen Titel aus „West Side Story“ wie das gesamte US-Musical. Klar, dass nach „Evita“ und dem berühmten „Don't cry for me, Argentina“ sowie dem „River Kwai March“ aus der legendären „Brücke am Kwai“ noch lange nicht Schluss war. Das Publikum verlangte Zugaben, und es bekam sie. Bleibt zu bemerken, dass Witolf Werner nicht nur sein Johann-Strauß-Orchester fest im Griff hat, sondern auch mit viel Witz durchs Programm führte.

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