Explosives Dreiecksverhältnis (von links): Tony (Michel Guillaume), Max (Michael Schiller) und Sheila (Yael Hahn).
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Explosives Dreiecksverhältnis (von links): Tony (Michel Guillaume), Max (Michael Schiller) und Sheila (Yael Hahn).

Erste Aufführung nach Corona-Pause

Volksbühne Maintal präsentiert zum geglückten Saisonstart den Klassiker „Bei Anruf Mord“

Maintal – Endlich konnte auch die Volksbühne Maintal im Bischofsheimer Bürgerhaus die kulturelle Enthaltsamkeit, die durch die Corona-Pandemie erzwungen wurde, überwinden. Unter Einhaltung der bekannten hygienischen und organisatorischen Bedingungen fanden am Mittwoch zwei Vorstellungen des Kriminalstücks „Dial "M" for Murder“ (Bei Anruf Mord) des Autors Frederick Knott statt. Das Aufatmen der Veranstalter und des Publikums war dabei jederzeit spürbar.

Die Hitchcock-Verfilmung mit Grace Kelly und Ray Milland dürfte vielen Filmfreunden bekannt sein. Die Produktion der a.gon Theater GmbH aus München folgt der klassischen Filmversion in vielen Momenten. Der Kern des Stückes windet sich ja letztlich um die immer wieder spannende und aufregende Frage, ob es einen perfekten und somit nicht aufklärbaren Mord geben kann.

Inszenierung auf für Kenner spannend

Der ehemalige Tennisprofi Tony Wendice, der ein luxuriöses Leben auch mit dem Vermögen seiner Ehefrau Sheila führt, erfährt von deren Liaison mit ihrem alten Freund Max, der Kriminalstücke schreibt. Wendice beschließt, seine Frau zu beseitigen, ohne dass auch nur die geringste Spur auf ihn als Urheber fallen soll. Er konstruiert somit ein perfektes Verbrechen, den perfekten Mord. Doch letztlich kommt es ganz anders als gedacht, wobei ein Haustürschlüssel zum wichtigsten Indiz dafür wird, dass der ganze Plan durchkreuzt wird und der Täter seiner Strafe zugeführt werden kann.

Die Inszenierung von Stefan Zimmermann hält auch für Kenner der Geschichte die Spannung weitgehend stringent auf einem erwartungsvollen Niveau. Dazu tragen die kurzen Szenenwechsel wesentlich bei (Bühne: Peter Helfrich, Kostüme: Sybille Gänßlen).

Michel Guillaume, bekannt aus der ZDF-Serie „SOKO München“, gibt dem Ex-Tennisprofi Tony ein selbstbewusstes Gehabe, das signalisiert, dass er seiner Sache sicher ist. Er glaubt, auch auf jede mögliche Wendung der Entwicklung gut reagieren zu können. Als es dem gedungenen Mörder Captain Lesgate (Christian Buse, mehr gezwungener als überzeugter Killer; versagt wohl daher auch bei seinem bösen Tun) nicht gelingt, Tonys Frau Sheila während eines nächtlichen Telefongesprächs, das er extra inszeniert, umzubringen, verändert er seinen Plan: Sheila, die in Notwehr ihren Angreifer ersticht, wird selbst als Mörderin angeklagt.

Es gibt kein perfektes Verbrechen

Durch einen geschickten Indizienaufbau gelingt ihm diese Wendung. Yael Hahn zeigt sich als etwas naive Ehefrau, die mit ihrer Gefühlswelt zwischen Tony und ihrem Freund Max nicht so richtig klarkommt. Daher steht sie dem Geschehen auch sehr passiv gegenüber. Mit der wichtigen Ausnahme, dass sie sich körperlich zu wehren weiß, wenn es um ihr Leben geht.

Dass das Verbrechen letztlich aufgeklärt wird, ist auch ein Verdienst des Krimiautors Max Halliday, dem Michael Schiller ein etwas zurückhaltendes, aber doch fantasiereiches Denkvermögen gibt. Er ahnt, was Tony sich ausgedacht hat, und gibt den Nachforschungen neue Nahrung.

Stefan Rehbergs britischer Inspektor Hubbard glaubt wohl daran, dass es kein perfektes Verbrechen gibt – man muss nur lange und zäh arbeiten, Spuren suchen und auswerten. Kein forsches Voranschreiten bringt hier den Erfolg, sondern nachdenken, Indizien hinterfragen und auch kreativ denken sind sein Konzept.

Gelungener Einstand

Die Haustürschlüsselfrage bringt letztlich die Aufklärung und den Fahndungserfolg. Ein kleiner Schlüssel, versteckt unter der Treppenmatte im Hausflur, löst den komplizierten Fall. Sheila ist frei von jedem Verdacht und kann ihre Zukunft mit Max planen, der gedungene Mörder ist tot, die Polizei bucht einen großen Erfolg. Und Tony Wendice? Der denkt wohl weiterhin daran, wie ein perfekter Mord organisiert werden kann.

Insgesamt also ein gelungener Einstand für die Volksbühne Maintal und ihr Publikum, der hoffentlich seine Fortführung findet. Das Programmheft für die weitere Saison liegt vor. (Jürgen Gerth)

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