Echte Jungsarbeit: Arman (links) und Florian haben sich die Schippen geschnappt und graben Löcher in den Boden. Foto: Carolin-Christin Czichowski

Maintal

Villa-Kunterbunt-Schüler engagieren sich im Gemeinschaftsgarten

Maintal. „Guckt mal, was ich gefunden habe“, sagt Aliya freudestrahlend. Behutsam hebt sie die kleine weiße Feder auf und hält sie in ihren Händen. Schnell haben sich ihre Mitschüler um die Siebenjährige versammelt und begutachten den seltenen Fund.

Von Carolin-Christin Czichowski

„Die hat bestimmt ein Vogel verloren, als er unser Futter gefressen hat“, sagt Lina (7), während sie einen neuen Meisenknödel an den kahlen Baum bindet. Seit Beginn des Schuljahres gehen die zehn Erst- und Zweitklässler der Schulgarten-AG der Villa Kunterbunt einmal in der Woche in den Gemeinschaftsgarten des Stadtteilzentrums Bischofsheim, pflanzen Blumen und lernen die Natur direkt vor ihrer Haustür kennen.

„Viele der Kinder haben keinen eigenen Garten“, weiß Martin Scharping vom Stadtteilzentrum. „Für sie ist es eine neue und schöne Erfahrung hier.“ Das sieht auch Julia Friedle, Lehrerin an der Bischofsheimer Grundschule und Leiterin der Arbeitsgemeinschaft, so. „Zuvor hat die Schulgarten-AG das Schulgelände genutzt“, erklärt sie. „Ich bin froh, dass wir nun einen richtigen Garten haben.“

Natürlicher Geschmack von Lebensmitteln soll vermittelt werden

„Es ist wichtig, den Kindern zu zeigen, dass Obst, Gemüse und Kräuter nicht einfach so im Supermarktregal liegen“, erklärt Lydia Kirkagac, während sie den Schülern zeigt, wozu Eierschalen im Garten genutzt werden können. Sie engagiert sich im Gemeinschaftsgarten und ist immer da, wenn die Schüler der Villa Kunterbunt kommen. „Die Kinder können hier selbst anbauen und hinterher ernten“, sagt sie. „Es ist wichtig, ihnen zu vermitteln, wie die Lebensmittel natürlich schmecken, ohne Pestizide und ohne Geschmacksverstärker“, sagt sie. Außerdem sei es eine gute Erfahrung für Kinder, etwas selbst zu schaffen und zu sehen, wie aus gepflanzten Zwiebeln schließlich Blumen oder Gemüse werden.

„Hier haben wir Blumen gepflanzt“, sagt Angeli (7) und zeigt auf einen kleinen Bereich im Garten, der mit Steinen umrahmt ist. „Die Steine wollen wir im Frühling bunt anmalen, damit es hier schön aussieht“, sagt die Grundschülerin. Ein paar Meter weiter haben sich Arman, Florian und Evin die Schippen geschnappt und beginnen zu graben. Es dauert nicht lange, da haben sie schon den ersten Regenwurm gefunden. „Guckt mal, wie klein der ist“, sagt Arman. „Die Kinder sind sehr neugierig und finden immer etwas, das sie noch nicht kennen“, erklärt Lehrerin Julia Friedle.

„Wir sind noch in der Anfangsphase“

Im vergangenen Sommer hat eine Gruppe des Stadtteilzentrums den rund 300 Quadratmeter großen Garten auf der Rasenfläche am Dörnigheimer Weg, direkt vor dem Kinder- und Jugendhaus, eingerichtet. „Wir sind noch in der Anfangsphase“, sagt Martin Scharping, der die Gruppe koordiniert. Unter anderem wurde bisher Schafsmist auf einem Teil des Gartens aufgetragen, um den Boden fruchtbarer zu machen. Als nächstes ist geplant, Hochbeete aufzustellen und zu bepflanzen. Wie sich der Garten künftig entwickelt, hängt von den Ideen der Gruppe ab. „Wir könnten uns zum Beispiel vorstellen, ein Insektenhotel anzulegen oder einen kleinen Geräteschuppen aufzustellen“, so Scharping.

Es ist das erste Gemeinschaftsgartenprojekt in Maintal. „Wir wollen hier eine Möglichkeit der Begegnung schaffen“, sagt Scharping. „Ein Garten eignet sich seht gut dafür, ins Gespräch zu kommen.“ Jeder kann sich in dem Projekt einbringen, mithelfen beim Unkrautjäten, beim Pflanzen oder beim Ernten. Aktuell engagieren sich neun Bischofsheimer regelmäßig. „Aber es könnten noch mehr sein“, sagt Scharping. Einmal im Monat, immer am vierten Dienstag, trifft sich die Gartengruppe im Stadtteilzentrum. Das nächste Treffen findet am 26. März ab 19 Uhr statt. „Interessierte sind dazu gerne eingeladen“, sagt Scharping. Denn helfende Hände werden bei dem Projekt immer gebraucht.

„Es macht ganz viel Spaß hier“

Auch für die kleinen Helfer der Schulgarten-AG der Villa Kunterbunt gibt es immer etwas zu tun. „Es macht ganz viel Spaß hier“, sagt Aliya. Ob sie lieber den Nachmittag vor dem Fernseher verbringen würde, anstatt bei Wind und Regen im Gemeinschaftsgarten zu arbeiten? „Nein“, sagt die Erstklässlerin bestimmt. „Hier lerne ich doch viel mehr.“

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