Einfach abheben, anstatt im Stau zu stehen, diesen Vorteil könnten urbane Seilbahnen bieten, die der Regionalverband gerade als mögliche Infrastrukturmaßnahme ins Gespräch bringt. Foto: Pixabay

Maintal

Verkehr: Seilbahn-Konzept stößt in Maintal auf positive Resonanz

Maintal. Einfach durch die Lüfte gleiten, anstatt im Stau zu stehen. Davon hat wohl jeder Pendler, der sich zweimal täglich durch die verstopften Straßen rund um Frankfurt quält, schon einmal geträumt. Tatsächlich ist dieser Traum gar nicht so unrealistisch.

Von Martina Faust

Der Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main hat kürzlich den Bau von Seilbahnen ins Gespräch gebracht, um Pendlerströme zu entlasten. Ein Standort könnte die Loh zwischen Maintal und Niederdorfelden sein. Zumindest, wenn es nach Klaus Büttner geht.

Der Bürgermeister von Niederdorfelden hatte bereits vor einigen Wochen einen Pendleranschluss mit Seilbahn nach Bad Vilbel vorgeschlagen. „Vom Parkplatz am Wald auf der Loh könnte eine Seilbahn zum Festplatz nach Bad Vilbel führen“, so Büttner. Von dort aus sei es nicht weit zur S-Bahn-Haltestelle in Richtung Frankfurt. Auch in Maintal verfolgt man die Entwicklung.

Christdemokrat noch skeptisch

Die SPD griff das Thema anlässlich ihres politischen Aschermittwochs auf und diskutierte mit Mitgliedern und Gästen die Frage: „Mit der Seilbahn von Wachenbuchen nach Frankfurt?“ „Wir haben im Rhein-Main-Gebiet ein Infrastrukturproblem. Es wurde lang nicht investiert und Bauprojekte wie der Riederwaldtunnel oder die Nordmainische S-Bahn dauern Jahrzehnte. Jetzt stehen wir vor dem Verkehrskollaps. Da darf es keine Denkverbote geben und die Vorschläge dürfen gerne auch die Debatte über eine Seilbahn beinhalten. Ob diese tatsächlich ein Baustein für Mobilität sein kann, wird man sehen“, sagt SPD-Fraktionschef Sebastian Maier.

Sein christdemokratischer Kollege Martin Fischer sieht das ähnlich: „Das ist ein Denkansatz, dem man sich nicht verwehren sollte.“ Allerdings ist er skeptisch. Das Projekt sei noch zu unausgegoren, um sich klar zu positionieren. „Ich denke, dass wir über große Pendlerströme reden, die mit einer Seilbahn nicht zu lösen sind“, sagt er und mutmaßt, dass es Einwände gegen die Errichtung der Masten geben könnte. „Bei den Windkraftanlagen gab es auch Kritik“, gibt er zu bedenken.

FDP sieht Potenzial

Aus Maiers Sicht hingegen wäre ein Standort auf Maintaler Gemarkung unabdingbar. „Es wäre nicht sinnvoll für Maintaler, den Standort in Niederdorfelden zu nutzen. Mobilität bedeutet, Angebote vor Ort zu machen und diese nicht erst mit einem Pkw erreichen zu müssen.“ Das Baugebiet am Berghof könnte beispielsweise ins Gespräch gebracht werden.

Ebenfalls mit Interesse verfolgt die FDP die Diskussionen. Der Fraktionsvorsitzende Thomas Schäfer sieht in urbanen Seilbahnen durchaus eine Möglichkeit, die Mobilität für Pendler zu verbessern – „wenn sie gut in das Gesamtnetz eingefügt werden“.

"Interessante Alternative" zur S-Bahn

Deshalb müssten sie so errichtet werden, dass sie einerseits an einen Bahnhof mit S-Bahnanschluss angebunden und andererseits gut erreichbar mit dem Pkw oder zu Fuß seien und über ausreichend Parkplätze verfügten. „Dieses Konzept könnte auf der Strecke Niederdorfelden–Bad Vilbel aufgehen und sollte daher geprüft werden.“ Auch für Maintal ist ein solches Seilbahnkonzept für die FDP „eine interessante Alternative zum Bau einer östlichen Ring-Verbindung der S-Bahn und sollte deshalb in die bereits laufende Diskussion eingebracht werden.

Die Stationen in Maintal wären am Ortsrand zu suchen, beispielsweise am Bahnhof Maintal-West, sodass keine zusätzlichen Verkehre in die Orte generiert werden.“

Seilbahntag am 8. Mai

Schäfer würde sich wünschen, dass sich die städtischen Gremien intensiver mit dem Thema befassen. Auch, weil es an grundlegenden Informationen fehlt. Das ist auch der Grund, weshalb sich die Grünen derzeit mit einer Stellungnahme zurückhalten. „Um ein Projekt zu unterstützen, braucht es mehr Informationen als die bisher bekannten“, äußert sich Monika Vogel, die Fraktionsvorsitzende der Grünen.

Grundlagen für weitere Diskussionen soll es schon bald geben, denn für das gesamte Rhein-Main-Gebiet ist im Rahmen eines neuen Mobilitätsplans eine Machbarkeitsstudie vorgesehen, auch mit der Frage, ob Straßenbahnen der Lüfte einen guten Beitrag im Rahmen des öffentlichen Personennahverkehr leisten können. Für den 8. Mai ist zudem ein Seilbahntag des Regionalverbands geplant, zu dem erste Erkenntnisse vorliegen könnten.

Investitionen notwendig

Weil eine Seilbahn aber definitiv Zukunftsmusik ist, wenngleich sie binnen eines Jahres errichtet werden könnte, machen sich Maintals Kommunalpolitiker auch Gedanken über Alternativen. Für die Grünen ist wichtig, „dass der Bau der Nordmainischen S-Bahn nun endlich zeitnah begonnen wird“, so Vogel. Die CDU hält weiterhin an ihrem Vorschlag einer Brücke über den Main fest, „als dauerhafte Querung, die den momentanen Umleitungsverkehr entlasten würde“, so Martin Fischer.

Die SPD verweist indessen auf ihren Vorschlag, Expresslinien zwischen den Maintaler Bahnhöfen und der U-Bahn-Station in Frankfurt-Enkheim einzurichten, die den Seitenstreifen der A66 nutzen würde. Einig sind sich alle Beteiligten, dass Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur dringend notwendig sind.

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