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Verdi kontra "Kleeblatt"-Leitung

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In den Maintaler "Kleeblättern" wird um eine bessere Bezahlung der Angestellten gestritten. Die Gewerkschaft Verdi will eine Anpassung an den DRK-Reformtarifvertrag, die Einrichtungsleitung will die Entscheidung über einen bundesweiten Flächentarifvertrag abwarten oder alternativ ein eigenes Lohnsystem einführen. Archivfoto: Mike Bender
In den Maintaler "Kleeblättern" wird um eine bessere Bezahlung der Angestellten gestritten. Die Gewerkschaft Verdi will eine Anpassung an den DRK-Reformtarifvertrag, die Einrichtungsleitung will die Entscheidung über einen bundesweiten Flächentarifvertrag abwarten oder alternativ ein eigenes Lohnsystem einführen. Archivfoto: Mike Bender

Maintal. In den Verhandlungen mit der Leitung der drei Maintaler DRK-Seniorenzentren „Kleeblatt“ um bessere Löhne für die Mitarbeiter hat Verdi die Gespräche abgebrochen, wie die Gewerkschaft am Gründonnerstag selber mitteilte. Begründung: Die Arbeitgeberin verweigere sich dem von Verdi geforderten Tarifvertrag.

Von David Scheck

Die Leitung der „Kleeblätter“ wiederum betont gegenüber unserer Zeitung ihren Willen, ihren Angestellten mehr Lohn zahlen zu wollen.

Laut Verdi gehe es bei den Löhnen, die die Angestellten derzeit in den „Kleeblättern“ verdienen, und dem Reformtarifvertrag um eine Differenz von bis zu 20 Prozent. Die Gewerkschaft schlägt eine schrittweise Anpassung der Gehälter an das Tarifniveau vor, damit der wirtschaftlichen Situation des Hauses Rechnung getragen werden könne. Der Tarifvertrag umfasst alle Bereiche in der Altenpflege, also nicht nur die Pfleger, sondern auch beispielsweise das Reinigungspersonal.

Am vergangenen Dienstag fand die zweite Verhandlungsrunde zwischen Verdi und den DRK-Seniorenzentren, geschäftsführend vertreten durch Gudrun Schröter, in Hochstadt statt. „Die seitens der Beschäftigten mit großen Erwartungen verbundene Verhandlung fand nach kurzer Zeit ein jähes und unerwartetes Ende, indem die Arbeitgeberin der Verdi-Tarifkommission mitteilte, dass sie nicht vorhabe, mit Verdi über einen Tarifvertrag zur Anerkennung des DRK-Reformtarifvertrags zu verhandeln“, teilte die Gewerkschaft mit. Die Einrichtungsleitung verfolge in puncto Tarif stattdessen eine hausinterne Lösung.

„Kleeblatt“-Leiterin Schröter erläutert auf Nachfrage unserer Zeitung, dass der von Verdi favorisierte DRK-Reformtarifvertrag nicht in die Struktur der Maintaler Einrichtungen passe. Unter den bestehenden Arbeitsbedingungen könne man „nicht so viel Personal beschäftigen“. Schröter will vielmehr die mögliche Einführung eines bundesweiten Flächentarifvertrags für die Pflegebranche abwarten. Sollte sich diesbezüglich bis Jahresende nichts tun, wolle man ein eigenes Lohnsystem einführen. Das habe man dem Personal auch schriftlich versichert, so Schröter. Mehr Lohn für die Mitarbeiter „ist unser erklärtes Ziel“, so die Einrichtungsleiterin. Um ein Zeichen zu setzen, sei eine Einmalzahlung für Juni geplant.

Von dieser Aktion zeigt sich Verdi allerdings nicht überzeugt und wirft der „Kleeblatt“-Leitung vor, mit der Einmalzahlung „nun das Problem lösen und die Beschäftigten sowie deren Forderung ruhigstellen“ zu wollen. Doch der Ärger ist noch größer. Denn die Gewerkschaft wirft der Hausleitung unlautere und noch dazu gar nicht erlaubte Mittel vor. So habe die Einrichtungsleitung versucht, den Betriebsrat als Verhandlungspartei in die Tarifverhandlungen einzubeziehen.

Dies sei schon aufgrund des Betriebsverfassungsgesetzes nicht zulässig, so Verdi. Über diese Aktion habe man sich „sehr geärgert“, ließ die zuständige Gewerkschaftssekretärin Anette Hergl am Donnerstag wissen. Seit dem vergangenen Jahr haben die „Kleeblatt“-Angestellten einen Betriebsrat. Dieser sei laut Hergl noch in der Lernphase. Schröters Einbeziehung des Betriebsrats wertet Hergl als Versuch, „die Mitarbeiter über den Tisch zu ziehen“. Während Verdi durch „die strikte Abwehrhaltung von Frau Schröter“ eine „noch höhere Frustration und Wut unter den Beschäftigten“ befürchtet, zeichnet die Gescholtene ein anderes Bild: In Gesprächen habe sich gezeigt, dass das Personal zum großen Teil zufrieden sei. „Verdi nimmt nur die Stimmung einiger weniger wahr“, so die „Kleeblatt“-Leiterin.

In einer Mitgliederversammlung am Freitag, 3. Mai, wollen die Verdi-Mitglieder in den Maintaler DRK-Seniorenzentren über ihr weiteres Vorgehen beschließen.

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