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Steinige Plätze, viel Grün und Holzhaufen zum Verstecken vor Feinden: Das neue Zuhause für die Bischofsheimer Zauneidechsen in der Grünen Mitte ist fertig.

Neue Heimat für kleine Wechselblüter

Umsiedlung der Zauneidechsen von Bischofsheim in die Grüne Mitte läuft auf Hochtouren

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Ein großer Umzug steht bevor: Die Zauneidechsen, die zurzeit noch in Bischofsheim heimisch sind, sollen in die Grüne Mitte umziehen. Wir haben die Umsiedlungsmaßnahmen besucht. 

Vorsichtig setzen Layla Wahl und Karsten Reichelt einen Fuß vor den anderen, den Kescher immer griffbereit in der Hand. Mit zusammengekniffenen Augen inspizieren sie den Boden vor ihnen, während sie versuchen, so leise wie möglich zu sein. 

Die beiden absolvieren derzeit ein freies ökologisches Jahr bei der Stadt Maintal und helfen an diesem Vormittag bei der Umsiedlung von Zauneidechsen mit. „Versucht, keine Schatten zu werfen, sonst hauen die Tiere ab“, sagt Lucia Gomes. Die studierte Biologin ist Expertin für die kleinen vom Aussterben bedrohten Reptilien, hat schon hessenweit bei Umsiedlungsaktionen mitgemacht und betreut auch die Maßnahme in Maintal. 

Tiere machen Platz für eine Erweiterung des Bischofsheimer Gewerbegebiets

Eidechsen-Expertin Lucia Gomes weist ihre Helfer vor dem Fangen ein.

Wie viele Eidechsen genau auf dem Gelände in Bischofsheim, zwischen der Bahnlinie und der A 66, leben, kann Gomes nicht sagen. „Es werden aber mit Sicherheit viele sein“, ist sie sicher. 

Die Tiere müssen ihr gewohntes Umfeld verlassen, weil auf dem Gelände bald die ersten Bagger anrollen, um das Bischofsheimer Gewerbegebiet zu erweitern. Doch das neue Zuhause für die Wechselblüter in der Grünen Mitte kann sich sehen lassen: „Da gibt es Steine und Holzhaufen“, sagt Layla Wahl. „Also viele Möglichkeiten für die Tiere, um sich vor den Feinden zu verstecken“, erklärt die 20-Jährige. 

Gemeinsam mit Karsten Reichelt hat sie auch an dem neuen Zauneidechsen-Gehege mitgewirkt. Doch bevor die Tiere ihr neues Zuhause begutachten dürfen, müssen sie zunächst gefangen werden. Keine einfache Aufgabe, wie sich schnell herausstellt. „Eidechsen bewegen sich nur rund um ihr Loch im Boden“, erklärt Biologin Gomes. 

Es gibt verschiedene Wege, die Eidechsen zu fangen

Außerdem ist es an diesem Vormittag noch ein bisschen zu kühl für die kleinen Reptilien. „Die gehen meist erst auf Nahrungssuche, wenn es etwas wärmer ist.“ Und so durchkämmen die drei zunächst das leerstehende Gewächshaus der ehemaligen Frankfurter Stadtgärtnerei. „Hier ist es etwas wärmer als draußen und es wurden im Vorfeld viele Tiere gesichtet“, sagt Gomes. 

Mit Keschern gewappnet geht es auf die Suche.

Zum Fangen der Tiere gibt es verschiedene Möglichkeiten, erklärt Gomes. Neben der herkömmlichen Variante mit dem Kescher greifen sie und ihr Team der Fachfirma „Plan Ö“ auch auf aufwendigere Methoden zurück. So werden auf der Fläche, auf der die geschützten Tiere derzeit leben, Eimer im Boden vergraben und das Areal mit einem Reptilienschutzzaun abgesperrt. Der soll verhindern, dass Zauneidechsen ab- oder einwandern. Zusätzlich werden derzeit Lochbleche und Gummimatten auf der Wiese ausgelegt, die den Tieren als Versteck und als Schutz vor der Kälte dienen. Dort suchen sie Unterschlupf für die Nacht und können am frühen Morgen von Gomes und der beauftragten Fachfirma eingesammelt werden. Gemeinsam mit den Exemplaren, die sich in den Eimern finden, werden sie dann in ihr neues Habitat in der nahe gelegenen Grünen Mitte gebracht. „So hoffen wir, möglichst viele Tiere umzusiedeln“, sagt Gomes. 

Das neue Gehege in der Grünen Mitte hat rund 350 000 Euro gekostet

Tagesbilanz: Eine Zauneidechse konnte das Fangteam einsammeln und umsiedeln.

An diesem Vormittag bleibt die Suche nach Zauneidechsen zunächst ergebnislos. Nach zwei Stunden sind die Eimer, mit denen die Tiere eigentlich in ihr neues Zuhause transportiert werden sollen, leer. Erst am Nachmittag hat das Team Glück – und kann ein Tier umsiedeln. Das muss übrigens ganz genau dokumentiert werden. „Auf einer Landkarte markieren wir den Fundort“, erklärt Layla Wahl. Außerdem muss unter anderem das Geschlecht bestimmt und notiert werden. „Und, ob das Tier schon ausgewachsen ist oder nicht“, sagt Biologin Gomes. „Dadurch haben wir am Ende einen guten Überblick über die Population am neuen Standort.“ 

Schließlich sollen die Tiere in der Grünen Mitte nicht nur überleben, sondern sich nach Möglichkeit auch vermehren. Für die Umsiedlung der Zauneidechsen wurden zunächst zehn Termine anberaumt; die Maßnahme kostet die Stadt Maintal insgesamt rund 15 600 Euro, wie Ruth Karich, Leiterin des Fachbereichs Stadtentwicklung, erklärt. „Das neue Gehege in der Grünen Mitte hat rund 350 000 Euro gekostet“, so Karich.

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