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Weggeschlossen: Der Maintaler Konstantin K., der mit einer Schreckschusswaffe eine Tankstelle überfallen hat, wurde zu vier Jahren Haft verurteilt. Auf unbestimmte Zeit kommt er in die geshlossene Psychiatrie.

Urteil gefallen

Tankstellen-Überfall: Täter muss für unbestimmte Zeit in die geschlossene Psychiatrie

  • Michael Bellack
    vonMichael Bellack
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Für die Mutter von Konstantin K. endet mit dem Urteilsspruch des Landgerichts eine Odyssee. Zu vier Jahren Haft wird ihr Sohn verurteilt. Entscheidend ist die Art der Haft: K., der Ende September 2019 die Aral-Tankstelle in Maintal überfiel, wird auf unbestimmte Zeit in eine Psychiatrie eingewiesen.

Es herrscht Einigkeit im Saal 215 A des Landgerichts. Einigkeit darüber, dass der Angeklagte dringend professionelle Hilfe benötigt. Einigkeit darüber, dass K. eine Gefahr für die Gesellschaft darstellt. Und es herrschte Einigkeit darüber, dass K. einen langen und beschwerlichen Weg vor sich hat, wenn er irgendwann einmal ein Teil der Gesellschaft werden sollte.

K. hat lange Zeit in geschlossener Psychiatrie vor sich

Für Staatsanwalt Martin Links ist es dann auch unerheblich, dass Richterin Coretta Oberländer ein Urteil verkündete, das zwei Jahre unter seiner Forderung liegt. Schließlich wird K. – so die Einschätzung der Experten – wohl deutlich länger als diese vier Jahre in einer geschlossenen Psychiatrie verbringen. Womöglich, das hatte der Gutachter am zweiten Prozesstag angedeutet, sogar sein ganzes Leben lang.

Verurteilt wird K. im einzelnen wegen versuchterräuberischer Erpressung, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, Handel mit nicht unerheblichen Mengen an Betäubungsmitteln sowie dem Besitz verbotener Gegenstände. Wohl erstmals in seinem Leben wird es für K. in einer psychiatrischen Einrichtung feste Strukturen geben. Seit seiner Jugend hatte er davon nicht viele in seinem Leben. „Über Jahre hat er nichts anderes gemacht, als Drogen zu nehmen, Computer zu spielen, Waffen zu sammeln und umzubauen“, fasst Staatsanwalt Links zusammen.

K.'s Verteidiger Dr. Ulrich Endres gilt eigentlich als harter Hund. Unter anderem vertrat er bereits Magnus Gäfgen, den Mörder des Bankierssohns Jakob von Metzler. Nun gibt er sich handzahm, stellt keinen konkreten Antrag. Wichtig sei ihm vor allem, dass K. geheilt werde. „Der junge Mann tut mir unendlich leid, mit diesen Strukturen können wir aus dem jungen Leben vielleicht noch etwas machen“, sagt Endres.

Persönlichkeitsstörung der Grund für Drogensucht

K. leidet laut Gutachter an einer schizotypen Persönlichkeitsstörung. Mit Drogen wollte er sich in den Griff kriegen. Gefährlich macht ihn vor allem seine gestörte Affektreduktion. „Er hat sich nicht im Griff“, bringt es Links auf den Punkt.

„Zusammen mit der Waffenaffinität eine brandgefährliche Mischung.“ K. ist, so auch die Einschätzung der Richter, allgemeingefährlich. Ohne professionelle Hilfe ist die Rückkehr zu den Drogen höchstwahrscheinlich, hinzu kommen Tötungsfantasien, die der Angeklagte öfter äußerte.

Tankstellen-Mitarbeiterin leidet noch immer 

In welchem Handeln K.'s Zustand gipfeln kann, zeigt der Überfall auf die Aral-Tankstelle in Dörnigheim. Für die Kassierin sind die Folgen dramatisch, sie leidet immer noch unter dem Vorfall, kann nicht arbeiten. Das es soweit kam, damit hat auch die Mutter des Angeklagten zu kämpfen. Jahrelang habe sie versucht, Hilfe für ihren Sohn zu finden, wurde laut eigener Aussage von verschiedensten Einrichtungen vertröstet oder abgelehnt.

Nun wird der mittlerweile 25-Jährige K. die Hilfe bekommen, die er benötigt. Das Urteil nimmt er weitestgehend regungslos zur Kenntnis. Auf die Frage von Oberländer, ob er noch etwas sagen möchte, antwortet er: „Ich will viel sagen, aber es bringt doch eh nix, oder?“

Haftbefehl wird zum Unterbringungsbefehl

In das Gefängnis in Weiterstadt, in dem K. in den Monaten seines Aufenthaltes ein zurückgezogenes Außenseiterdasein führte, muss er an diesem Tag nicht mehr zurück. Der gegen ihn erlassene Haftbefehl wurde in einen Unterbringungsbefehl umgewandelt. Dieser bedeutet Maßregelvollzug auf unbestimmte Dauer.

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