Anke Horn-Burghagen ist eine treue Spenderin – seit 30 Jahren. Für sie eine Selbstverständlichkeit. Foto: Gabriele Reinhartz

Maintal

Über die Schulter geschaut: Wie läuft das Blutspenden beim DRK?

Maintal. Es ist wie in einem Bienenstock: geschäftiges Treiben, wohin man blickt. Und trotzdem herrscht eine entspannte Ruhe. Im Evangelischen Gemeindezentrum Dörnigheim (EGZ) wird Blut gespendet.

Von Gabriele Reinartz

Schon als ich das Zentrum betrete, und obwohl ich nur eine Viertelstunde nach offiziellem Beginn ankomme, sind die zehn Liegen allesamt belegt, haben sich Warteschlangen vor den zwei „Labors“ und dem „Arztsprechzimmern“ gebildet.

Auch im Eingangsbereich ist einiges los – sei es an der Anmeldung oder an den Tischen, an denen die Spender sitzen und wahrheitsgemäß einen Fragebogen ausfüllen, bevor sie sich Blut abzapfen lassen dürfen. So reihe auch ich mich in die Warteschlange an der Anmeldung ein. Dort sitzen zwei junge Mitarbeiterinnen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und erläutern geduldig zum x-ten Mal ankommenden Erstspendern wie mir, was auszufüllen ist, dass die Daten vertraulich behandelt werden, fragen, ob man schon einmal gespendet hätte und dass ein DRK-Mitarbeiter einen zu den einzelnen Stationen begleiten würde.

Erstspendern wird eine Begleitperson zur Seite gestellt

Diejenigen, die schon einmal Blut gespendet haben, besitzen ein Kärtchen, auf dem alle Daten gespeichert sind. Sie ziehen diese Karte lediglich über einen Scanner und sind damit registriert. Aber auch sie müssen jedes Mal aufs Neue den Fragebogen ausfüllen, da er auch nach aktuellen Erkrankungen fragt, die eine Spende vorübergehend verbieten würden.

Weil ich zu den Erstspendern gehöre, bekomme ich eine Begleitperson zur Seite gestellt. Diese entpuppt sich als recht junger Teenager. Nachdem ich alles nach bestem Wissen und Gewissen beantwortet habe, begebe ich mich in Richtung Labor. Dort wird mir aus der Kuppe meines Mittelfingers ein Tropfen Blut entnommen, um meinen Blutfarbstoff (Hämoglobin) zu bestimmen und einen beginnenden Infekt auszuschließen. Außerdem wird mittels Stirnthermometer kontaktlos meine Körpertemperatur gemessen.

Von der Blutspende ausgeschlossen - Plan B muss ran

Dann geht es in die zweite Runde: Gespräch mit Dr. Cornelia Freund, eine der Ärztinnen des Frankfurter DRK-Instituts an diesem Abend. Und dann kommt das, was ich bereits vermutet hatte: Die Ärztin schließt mich als Spenderin aus, weil ich Mitte der 1980er Jahre vorübergehend in Großbritannien gelebt habe, genau in der Zeit, als dort der Rinderwahn ausgebrochen war. Eine Frage des Fragebogens zielte nämlich auf längere Auslandsaufenthalte ab, vor allem in Großbritannien.

Theoretisch könnte ich über die Nahrung den Virus aufgenommen haben. Dieser kann jahrzehntelang schlummern, bevor die Krankheit ausbricht. In Frankreich hat es bereits einen solchen Fall gegeben, erfahre ich.Selbst spenden darf ich also nicht. Nun muss Plan B ran. Ich mache mich auf die Suche nach einem Spender, der mir erlaubt, ihn zu begleiten, Fragen zu stellen und Fotos zu machen. Mit Anke Horn-Burghagen finde ich dankenswerterweise eine solche Spenderin.

Eine Spende, die von Herzen kommt

Ich entdecke sie, als sie noch den Fragebogen ausfüllt. Von ihr weiß ich auch, dass sie ihn bei jedem Besuch ausfüllen muss, um aktuelle Beeinträchtigungen auszuschließen. „Ich durfte einmal nicht spenden, weil ich kurz vorher eine Darmspiegelung hatte machen lassen“, erzählt die Mutter, die an diesem Abend auch ihren 18-jährigen Sohn Benjamin zur Blutspende überreden konnte. Ein Erstspender, wie ich es auch gern gewesen wäre, weil ich Blutspenden für eine gute Sache halte.

„Ich versuche einmal im Jahr auf jeden Fall zu spenden, am liebsten sogar zweimal. Denn Blut wird gebraucht. Auch ich könnte nach einem Unfall mal auf Blutkonserven angewiesen sein und wäre dankbar, wenn man mir helfen würde. Außerdem fühle ich mich anschließend sehr viel besser“, fügt sie noch hinzu. Das hatte mir DRK-Ärztin Freund auch schon erzählt, Blutspenden sei wie ein Aderlass.

Horn-Burghagen spendet seit nahezu 30 Jahren. Über einen damaligen Arbeitskollegen wurde sie zur Spenderin. „Ich hatte damals etwas Angst davor, er nahm mich einfach mal mit. Seitdem spende ich regelmäßig“, erzählt sie. Mittlerweile haben wir das Labor hinter uns gelassen und auch das Arztgespräch, aus dem ich mich selbstverständlich ausgeklinkt habe. Nun warten wir auf eine freie Liege. „Ich spende links“, verrät sie mir. Bis dahin war mir noch gar nicht aufgefallen, dass es Links- und Rechtsliegen gibt. In der Tat: sechs Linksliegen und vier Rechtsliegen. „Links kommt vom Herzen“, gibt sie als Grund an.

"Das tut nicht weh"

Und schon geht es los. Eine Ärztin führt ihr in die Armvene eine Kanüle ein. „Das tut nicht weh, ich bin nicht empfindlich. Aber ich kann nicht dabei zusehen“, sagt Horn-Burghagen. Damit das Blut schneller läuft, bittet die Ärztin sie, die ganze Zeit über eine Faust zu machen. Insgesamt wird der Vorgang der Blutspende zirka zehn Minuten dauern. Den Beutel, in den das Blut laufen wird, legt die Ärztin auf eine Art Wippe, die sich nach vorn und hinten bewegt. Ein Display gibt an, wie viel Blut bereits abgezapft wurde.

„Wir nehmen 500 Milliliter für die Spende und weitere 35 Milliliter für Laboruntersuchungen ab“, erzählt mir Freund im Nachgang. Aus der Blutspende stellen sie rote Blutkörperchen her, die Patienten den Sauerstofftransport im Blut sichern, Blutplättchen (Thrombozyten) sowie Blutplasma. Die beiden letzteren sind notwendig, um Patienten mit Blutgerinnungsstörungen oder Blutungsneigungen behandeln zu können.

Für 535 Milliliter Blut gibt es an diesem Abend selbst gemachte Burger

Nach ihrer Spende muss sich die Dörnigheimerin noch etwas erholen und auf einem Stuhl Platz nehmen. Erst, als sie den Gutschein für einen kostenlosen Imbiss bekommt – an diesem Abend waren es selbst gemachte Burger –, darf sie gehen. Ihr Sohn Benjamin bekommt als Erstspender neben einer Urkunde einen vorläufigen Spenderausweis überreicht – der richtige folgt in einigen Wochen.

„Wichtig ist“, sagt mir die Ärztin noch zum Schluss, „dass man am Tag der Spende ausreichend gegessen und getrunken hat, am besten um die zwei Liter. Außerdem muss man ein Mindestgewicht von 50 Kilogramm haben.“ Während Männer bis zu sechsmal im Jahr spenden dürften, seien es bei Frauen maximal viermal. Spenden darf jeder ab 18 Jahren, das letzte Mal einen Tag vor dem 73. Geburtstag.

Weitere TermineDer nächste Blutspendetermin des DRK Maintal ist am heutigen Montag, 12. August, von 17 bis 20.45 Uhr im Bürgerhaus Bischofsheim. Am Dienstag, 17. September, besteht wieder die Möglichkeit zur Blutspende im EGZ. Am Freitag, 18. Oktober, lädt das Maintaler DRK zur Blutspende ins Bürgerhaus Niederdorfelden ein, am Montag, 2. Dezember, ins Bürgerhaus Bischofsheim.

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