Mein erster selbst geernteter Kürbis. Routinier Volker Schäfer vom Schäferhof in Wachenbuchen zeigt mir, worauf es ankommt. Fotos: Axel Häsler

Maintal

Über die Schulter geschaut: Kürbisernte auf dem Schäferhof

Maintal. Die Giganten liegen noch auf dem Feld. Das wird auch für die nächsten Tage so bleiben. Einer allein wird die zentnerschweren Riesen ohnehin nicht vom Fleck bewegen können.

Von Martina Faust

Das ist bei Bischofsmütze und Teufelskralle anders. Die dürfen eingesammelt werden. Müssen sie sogar. Damit Ende September der Kürbishof in der Bachstraße 18 in Wachenbuchen seine Tore öffnen kann, läuft die Ernte auf Hochtouren – und ich laufe mit.

Als ich am frühen Vormittag auf dem Schäferhof am Ende der verlängerten Bachstraße eintreffe, wird bereits ausgiebig gebadet. Die Ernte vom Vortag schwimmt im Wasserbad und wird mit Wurzelbürsten tüchtig geschrubbt, um Erd‧reste zu entfernen. „Bis die Kürbisse zum Verkauf im Hof liegen, haben wir sie fünf- bis sechsmal in der Hand“, sagt Volker Schäfer. Da ist es kein Wunder, dass die Helfer am Ende der rund 14-tägigen Erntezeit keinen Kürbis mehr sehen können. Doch bis dahin werden hunderte durch ihre Hände wandern.

Überhaupt ist der Anbau der Herbstfrucht echte Handarbeit, wie ich an diesem Tag erfahre – und zwar von der Aussaat im April bis zur Ernte im September. „Ich ziehe mit dem Traktor die Spur und meine Mutter legt jedes einzelne Korn in die Erde und schließt das Saatloch gleich. Denn die Krähen lauern nur auf eine Chance“, erzählt Schäfer, als wir mit dem Traktor zu dem knapp anderthalb Hektar großen Feld unweit des Reiterhofs holpern, das schon aus einiger Entfernung in herbstlichen Farben in der Sonne leuchtet.

"Gewissermaßen ein Überraschungspaket"

Dass das Saatgut für die Kürbisse gekauft wird, lässt mich stutzen. Schließlich ist doch jeder Kürbis reich an Kernen. Doch der Landwirt schüttelt den Kopf. „Kürbisse kreuzen sich auf dem Feld untereinander. Die Frucht bleibt zwar rein, aber das Saatgut ist verändert. Wer Speisekürbisse anbieten möchte, muss daher reines Saatgut kaufen“, erläutert er.

Trotzdem finden einige Kürbiskerne aus dem Vorjahr ihren Weg in die Wachenbucher Erde. „Das ist dann gewissermaßen ein Überraschungspaket, denn man weiß nie, was daraus erwächst“, sagt Schäfer. Daher wird die Eigenzucht auch allein als Zierkürbis verkauft und zu Dekozwecken verwendet, wenn Mutter Gerda Schäfer den Kürbishof in ein herbstliches Eldorado verwandelt und die 40 Speise- und Zierkürbissorten zum Verkauf anbietet.

Längst ist der Kürbishof kein Geheimtipp mehr, sondern weit über Maintal hinaus bekannt und beliebt. Das war ... anders, als Gerda Schäfer die Idee hatte, Kürbisse aus eigenem Anbau zu verkaufen. „Damals sind wir mit ein paar Quadratmetern gestartet. Jetzt sind es anderthalb Hektar“, erklärt ihr Sohn. Doch so idyllisch das Kürbisfeld mit seinen ineinander verrankten Pflanzen und den bunten Früchten unter dem strahlend blauen Herbsthimmel liegt – der Anbau ist arbeitsintensiv, weil er weitgehend von Hand erfolgt. Zwar gibt es eine Vorbehandlung gegen Unkraut, aber alles, was danach wächst, muss mit der Hacke entfernt werden – reihauf, reihab.

Gartenschere benötigt

„Kürbisse sind sehr empfindlich“, erläutert Schäfer. Das gilt nicht nur für die Pflanze, die deshalb nicht mit Unkrautbekämpfungsmitteln in Kontakt kommen darf, sondern ebenfalls für die so massiv wirkende Frucht mit der harten Schale. „Auf gar keinen Fall darf der Strunk abbrechen“, weist mich der Kürbisexperte vor der Ernte ein. Andernfalls beginnt die Frucht zu faulen. Gleiches gilt für Druckstellen, weshalb die einzelnen Kürbisse vorsichtig in die bereitstehende Holzkiste gelegt werden.

Einzig erforderliches Werkzeug für die Ernte ist eine Gartenschere. Und dann geht es auch schon los. „Wir brauchen jetzt vor allem Zierkürbisse für die Dekoration“, sagt Schäfer und dann stapfen wir im Storchenschritt über die Pflanzen hinweg und suchen die passenden Exemplare aus. „Ich mag den Indian Mix sehr gerne“, sagt Schäfer und hält einen kleinen flaschenförmigen, orange-grünen Kürbis hoch, der von unzähligen Warzen übersät ist. Bei dieser Mischung gibt es eine riesige Vielfalt an Formen und Farben.

Und was mag der Chef beim Speisekürbis am liebsten auf dem Teller? „Kürbis ist nicht so meins“, gesteht Schäfer zu meinem Erstaunen. Wie? Die ganze Bandbreite des vielseitigen Herbstfrucht auf dem Feld vor der Haustür und dann kein Fan? „Ich finde den Kürbis eine tolle Frucht und habe Spaß an Anbau und Ernte“, sagt er. Nur ist es eben nicht so ganz sein Geschmack. Aber wenn, dann am ehesten Butternut. „Am beliebtesten bei den Kunden ist nach wie vor der Hokkaido“, fügt er an.

Fünfjährige Fruchtfolge einzuhalten

Der ist auch bei den Schnecken beliebt. „Die sind ein großes Problem“, erzählt er. In diesem Jahr sind glücklicherweise nur einzelne Kürbisse betroffen, die aussehen, als hätten Mäuse daran genagt. „Tatsächlich sind das Fraßspuren von Schnecken“, sagt Schäfer. Weil der Sommer sehr trocken war, gab es allerdings nicht viele von ihnen. Dem Kürbis hat das gut getan. „Der kommt gut mit Trockenheit zurecht“, lerne ich.

Auch wenn die Ernte, die seit einer Woche mit Unterstützung des Schwagers läuft, voraussichtlich Ende dieser Woche abgeschlossen ist, wird es trotzdem noch einige orangefarbene Flecken auf dem Feld geben. Halloween-Kürbisse. „Die dürfen noch eine Weile liegen. Schließlich werden sie erst Ende Oktober benötigt“, fügt Schäfer augenzwinkernd an.

Weil bei Kürbissen eine fünfjährige Fruchtfolge einzuhalten ist, wird auf dem Feld, auf dem wir an diesem Vormittag unterwegs sind, im nächsten Jahr Weizen angebaut werden. Für die Kürbisse wird Volker Schäfer bereits in wenigen Wochen ein anderes Feld düngen, damit es im kommenden Frühjahr beste Startchancen für einen leuchtend bunten Herbst gibt.

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