Ein Radlader schaufelt den angelieferten Grünschnitt in den Häcksler. Das zerkleinerte Material wird anschließend aufgetürmt, damit der Zersetzungsprozess laufen kann. Foto: Axel Häsler

Maintal

Über die Schulter geschaut in der Kompostierungsanlage

Maintal. Kurz vor dem Leerungstermin hebe ich ungern den Deckel meiner Biotonne an. Vor allem nicht im Sommer. Daher blicke ich meinem Termin auf der Kompostierungsanlage des Zweckverbands Bioabfallentsorgung Maintal-Bad Vilbel im Dörnigheimer Gewerbegebiet gespannt, aber auch skeptisch entgegen.

Von Martina Faust

Wechselkleidung und Deo sind sicherheitshalber für die Rückkehr in die Redaktion im Auto deponiert. Doch beim Rundgang über die Anlage registriere ich mit Erstaunen das Fehlen eben jenes befürchteten Übelkeit erregenden Geruchs.

„Wir haben hier keine offene Kompostierung, deshalb gibt es auch kaum Geruchsbelästigung“, erklärt Geschäftsführer Jochen Pfeifer, der bei der Stadt Maintal beim Fachdienst Stadtentwicklung und Stadtplanung arbeitet. Stattdessen lagert der angelieferte Bioabfall in sogenannten Rotteboxen, die vergleichbar mit einer großen Betongarage und hermetisch verschlossen sind. Über die Zufuhr von Feuchtigkeit, CO2 und Sauerstoff wird die Zersetzung gesteuert und mittels Sensoren überwacht.

Gezieltes Gammeln in der Rottebox

Auch die Abluft aus den insgesamt 14 Boxen wird gefiltert, ehe sie die Halle verlässt – und zwar durch Maintaler Tannenbäume. „Wir haben mit verschiedenen Filtern experimentiert und festgestellt, dass das Schreddergut der Christbäume am besten geeignet ist“, erklärt Pfeifer. Somit kann also auch ein Weihnachtsbaum einen wertvollen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten.

Bevor die Inhalte aus den Maintaler und Bad Vilbeler Biotonnen – die Anlage wird von beiden Kommunen gemeinsam genutzt und betrieben – bei über 60 Grad Celsius etwa acht Tage in den Rotteboxen vor sich hingammeln, müssen sie natürlich den Weg in die Abfallgefäße finden – und zwar korrekt getrennt.

„Für guten Kompost brauchen wir Biogut“, erklärt Pfeifer. Leider landen auch immer wieder Störstoffe in den Tonnen, die mit erheblichem Aufwand aussortiert und schließlich als teurer Restmüll in der Müllverbrennungsanlage entsorgt werden müssen. Störstoffe sind beispielsweise Plastiktüten – auch biologisch abbaubare –, die Verpackung von Obst und Gemüse, Glas, Steine oder andere Fremdkörper. „Unser Produkt muss nicht nur inhaltlich einwandfrei sein, sondern auch optisch“, betont der Geschäftsführer.

Frischkompost und Reifekompost

Die inhaltliche Kontrolle übernimmt auf Grundlage einer freiwilligen Selbstverpflichtung die Bundesgütegemeinschaft Kompost, die sechsmal im Jahr über zertifizierte Labore Proben analysieren lässt. Schließlich möchte die Kompostierungsanlage am Ende mit einem Qualitätsprodukt überzeugen, nämlich mit hochwertigem Frisch- und Reifekompost, der an Landwirte, Garten- und Landschaftsbauer, aber ebenfalls an Privatpersonen abgegeben wird.

Auf den 40 Liter-Säcken Maintaler Kompost findet sich deshalb auch eine detaillierte Auflistung der Inhaltsstoffe. „Wir sind zudem für den ökologischen Landbau zertifiziert“, ergänzt Pfeifer. Dafür sind besonders geringe Werte bei der Belastung mit Schwermetallen maßgeblich.

Frisch- und Reifekompost, das, so erfahre ich an diesem Vormittag, hat etwas mit dem Grad der Durchrottung zu tun. „Für Frischkompost kann man etwa ein halbes Jahr rechnen, für Reifekompost rund ein Jahr“, erklärt André Sojka, der nach seiner Ausbildung als Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft bei der Stadt Maintal die Betriebsleitung der Anlage übernehmen soll.

Regelmäßig wird die Temperatur kontrolliert

Im Laufe dieser sechs beziehungsweise zwölf Monate durchläuft die Biomasse mehrere Stationen und wird dafür wiederholt umgesetzt. Das alles übernimmt der Radlader. Er schiebt den angelieferten Bioabfall in die Rotteboxen, wo er zirka acht Tage verbleibt und danach hygienisiert ist, also frei von Unkraut, Keimen und Bakterien. Danach kommt das Material in sogenannte Mieten, einzelne Abteilungen in einer großen geschlossenen Halle, wo grobe Verunreinigungen entfernt werden und die Zersetzung weiterläuft. „Nach etwa einem Monat wird das Rottgut in die nächste Miete geschoben“, erklärt Sojka. Jede Abteilung entspricht damit einem bestimmten Durchrottungsgrad.

Bis die Biomasse am Ende der Halle angekommen ist, vergeht etwa ein halbes Jahr, „dann wird die Masse abgesiebt“, erklärt der künftige Betriebsleiter. Zunächst durch ein 30 Millimeter-, später durch ein 15 Millimeter-Sieb. „Was dabei aussortiert wird, wird verbrannt“, sagt Sojka und deutet auf einen riesigen von zerfledderten Plastiktüten und anderem Unrat durchzogenen Erdhügel. Auch wenn der Kompost sich nach der finalen Siebung auf dem Hof auftürmt, rottet er weiter. Regelmäßig wird die Temperatur kontrolliert, um festzustellen, ob die Mikroorganismen noch aktiv sind. Wenn im Inneren des Kompostberges nicht mehr als 20 oder 30 Grad Celsius gemessen werden, ist der Prozess weitgehend abgeschlossen. Der Kompost ist bereit für den Einsatz.

Rückkehr in Maintaler Gärten

Beim Grünschnitt, der von Garten- und Landschaftsbauern, vom Eigenbetrieb und Privatpersonen angeliefert wird, ist deutlich weniger Aufwand erforderlich. Äste, Zweige, Wurzeln, Blätter und Gras werden in zwei Stufen gehäckselt und dann aufgesetzt. „Bei einer Kerntemperatur von rund 50 Grad Celsius wird der Berg umgeschichtet und rottet weiter. Nach acht bis neun Monaten ist dann der Reifekompost fertig und wird auf eine Körnung von 15 bis 18 Millimeter gesiebt“, erklärt Sojka.

Während Reifekompost vorwiegend an Garten- und Landschaftsbauer sowie Privatpersonen entweder lose oder als Sackware verkauft wird, kommt Frischkompost allein in der Landwirtschaft zum Einsatz, die entsprechend große Mengen abnimmt.

Bis zu 10 000 Tonnen Biogut und Grünschnitt dürfen auf der Kompostierungsanlage, die fünf Mitarbeiter beschäftigt, jährlich angenommen und verarbeitet werden. Ein Drittel davon verlässt als Kompost das Gelände und landet vielfach wieder in Maintaler Gärten, wo es als natürlicher Dünger Obst und Gemüse hervorragend wachsen lässt und damit die Grundlage für neuen Kompost schafft. Ein ökologischer und ökonomischer Kreislauf.

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