Voller Konzentration schaut Polizeikommissar Jan Niklas Glück durch das Lasergerät. Am Mittwochabend fanden im Rahmen des europaweite Blitzmarathons auch Geschwindigkeitskontrollen in Maintal statt. Foto: Mike Bender

Maintal

Über die Schulter geschaut beim Blitzmarathon

Maintal. Mittwochabend, kurz nach halb acht. Bei sechs Grad Celsius und strömendem Regen steht Jan Niklas Glück auf einem Feldweg am Rande der Südumgehung zwischen Hochstadt und Wachenbuchen. Angestrengt guckt er in das Lasergerät, das er samt Stativ aufgebaut hat.

Von Carolin-Christin Czichowski„Da kommt jetzt ein dunkler VW Golf, der netto sechs Stundenkilometer zu viel hat“, sagt er in das Funkgerät, das er wie ein Headset trägt. Wenige Hundert Meter Richtung Hochstadt steht auf der anderen Straßenseite ein weiterer Polizist, winkt den Verkehrssünder mit einer Kelle heraus. Für den heißt es jetzt: 15 Euro zahlen, und zwar am besten gleich in bar.

Jan Niklas Glück ist einer von tausenden Polizisten, die am Mittwoch beim europaweiten Blitzmarathon mitgewirkt haben. Seine Bilanz: „Die Autofahrer halten sich heute größtenteils an die Geschwindigkeitsbegrenzung.“ Damit fügt sich Maintal in die Gesamtbilanz des Blitzmarathons ein: Kaum schwere Vergehen, weniger Blitzer als sonst, heißt es von der Polizei Mittelhessen.

Auf der Jagd nach Temposündern

Bevor Glück mit seinem siebenköpfigen Team – neben einer Polizeianwärterin unterstützen ihn auch Beamte der Bereitschaftspolizei – am Abend die Kontrollstation in Maintal aufgebaut hat, war er tagsüber schon in Rodenbach auf der Jagd nach Temposündern. „Es gab ein paar, die etwa 20 km/h zu schnell waren“, sagt der Kommissar. „Aber das ist noch in einem Bereich, in dem es keinen Punkt in Flensburg gibt.“

Die Beamten hatten es in Maintal nicht leicht, eine geeignete Stelle für das Lasergerät und die Kontrollstation zu finden. „Dass wir auf der Südumgehung stehen sollen, wurde uns vorgegeben“, sagt Glück. „Zum einen brauche ich eine längere gerade Strecke, um die Geschwindigkeit der Autos gut messen zu können“, erklärt er. Zum anderen müsse es eine geeignete Stelle für die anderen Beamten geben, die die Verkehrssünder aus dem Verkehr ziehen und direkt zur Kasse bitten. „Denn wir können mit dem Lasergerät keine Fotos anfertigen. Wir müssen den Verstoß also sofort ahnden.“

Lasergerät macht keine Fotos

Je dunkler es wird, desto schwieriger wird es für Glück, die Geschwindigkeit der herannahenden Autos zu kontrollieren. „Am besten ist es, wenn ich direkt auf das Kennzeichen ziele. Denn der Laser benötigt etwas, das reflektiert“, sagt er. In einer Entfernung von bis zu einem Kilometer kann der Laser die Schnelligkeit messen – allerdings nicht speichern. „Für das Protokoll über diese Kontrolle muss ich die ganze Zeit selbst zählen, wie viele Autos ich gemessen habe“, sagt er.

Eigentlich sind die Beamten bei dem sogenannten Speedmarathon nur auf der Suche nach Temposündern. „Aber sollte uns jemand mit Telefon am Ohr auffallen oder jemand, der Schlangenlinien fährt, würden wir den natürlich auch herauswinken“, sagt Glück. Sein Protokoll wird an diesem Abend in Maintal nicht allzu prall gefüllt sein. Nach gut einer Stunde haben Glück und die anderen Beamten nur den dunklen Golf herausgefischt, der mit sechs Stundenkilometern zu viel vergleichsweise langsam unterwegs war. Dazu noch einen Opel Corsa, bei dem einer der vorderen Scheinwerfer defekt ist.

Blitzmarathon ist Präventionsarbeit

„Aber in dem Fall belassen wir es bei einer mündlichen Verwarnung“, sagt der Polizeikommissar, der seit gut fünf Jahren in Maintal arbeitet. „Zwar möchte man schon gern auch etwas zu tun haben, wenn man sich stundenlang hier hinstellt“, erklärt er. „Aber andererseits ist es natürlich gut, wenn wir wenig Autos herauswinken müssen.“Gegen 22 Uhr, als die Beamten die Kontrollstelle wieder abbauen, hat Glück 176 Fahrzeuge auf der Landstraße gelasert, sechs davon waren zu schnell.

Der Blitzmarathon, der einmal pro Jahr in mehreren Ländern stattfindet, ist Präventionsarbeit. „Es geht dabei nicht darum, möglichst viel Geld in die Kassen zu spülen, sondern darum, dass die Verkehrsteilnehmer bewusst auf ihre Geschwindigkeit achten“, erklärt Glück. Denn zu schnelles Fahren ist Ursache Nummer eins für Unfälle. Darum gibt die Polizei auch im Vorfeld bekannt, an welchen Orten sich an diesem Tag Kontrollpunkte befinden. So können sich die Verkehrsteilnehmer darauf einstellen und ihr Tempo anpassen. „Denn jeder Tag, an dem es weniger Unfälle gibt, ist ein guter Tag“, ist sich Glück sicher.

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