Ihre eigene Turnkarriere kommt für die 24-jährige Jennifer Hassenpflug erst an zweiter Stelle. Wenn es die Zeit zulässt, zeigt sie aber noch gerne ihr Können auf dem Barren in der Turnhalle in Bischofsheim. Foto: Kalle

Maintal

Turn-Trainerin Jennifer Hassenpflug: "Wie ein Sechser im Lotto"

Maintal. Kaum hat Jennifer Hassenpflug die Turnhalle in Bischofsheim betreten, wird sie von Kindern und Eltern regelrecht belagert. Der Andrang zu den von ihr geleiteten Geräteturngruppen der Turnerschaft Bischofsheim ist gewaltig – dank ihr. Sie hat der Turnabteilung mit viel Engagement neues Leben eingehaucht.

Von Michael Bellack

2013 übernahm Hassenpflug die Geräteturngruppe mit damals überschaubaren sieben Kindern. Mittlerweile turnen über 30 Mädchen in der Montagsgruppe. Sogar eine Warteliste gibt es. „Wer mehr als dreimal hintereinander fehlt, wird durch einen Nachrücker ersetzt“, erklärt Hassenpflug. Ihrem Engagement ist es zu verdanken, dass die Turnerschaft wieder zahlreiche aktive Turner in ihren Reihen hat. 25 waren es vor fünf Jahren, mittlerweile sind es 140. Petra Ruppert, erste Vorsitzende der TSB, vergleicht den Einsatz der 24-Jährigen mit „einem Sechser im Lotto“.

Deshalb hat sie Hassenpflug auch für den Jugendpreis der Stadt Maintal vorgeschlagen – mit Erfolg. Anfang des Jahres wurde die Turnerin ausgezeichnet. „Es fühlt sich gut an, wenn man für das, was man leistet, etwas zurückbekommt“, sagt Hassenpflug, die für die Auszeichnung einen Geldpreis in Höhe von 200 Euro erhalten hat.

Viel Freizeit geopfertIhre Motivation erklärt sie ganz einfach: „Die strahlenden Kinder. Und zu sehen, wie viel Spaß sie dabei haben.“ Dafür opfert Hassenpflug vor allem eins: ihre Freizeit. Neben der Montagsgruppe gibt sie donnerstags Turnunterricht für Mädchen ab zwölf Jahren. Am Freitag ist die Mini-Leistungsgruppe für Mädchen bis zwölf Jahren dran. Viereinhalb Praxisstunden sind es derzeit in der Woche, es waren auch schon mal sieben. Hinzu kommen die Wettkämpfe an Wochenenden und die Zeit, die für die Planung des Trainings in Anspruch genommen werden muss.

„Seit ich angefangen habe, Vollzeit zu arbeiten, ist das ein bisschen schwieriger“, so Hassenpflug. Um pünktlich beim Training zu erscheinen, nimmt sie auch mal Überstunden. „Wenn man daran hängt, dann nimmt man das halt in Kauf“, sagt die studierte Sportwissenschaftlerin, die in der Fitnessstudio-Leitung beim SKV Mörfelden tätig ist. Ehrenamtliche Arbeit ist für sie selbstverständlich. Früher gab sie bereits Leichtathletiktraining.

Turnkarriere hintenan gestelltWährend des Trainings herrscht in der Halle eine laute Geräuschkulisse. Mit den 30 sportbegeisterten und sehr aktiven Turnerinnen ist Hassenpflug aber nicht allein. Zwei Sporthelferinnen unterstützen sie. „Eigentlich ist das auch noch zu wenig. Für eine so große Gruppe bräuchte man vier Trainerinnen“, sagt sie. Ihrem Engagement ist es zu verdanken, dass der Verein überhaupt engagierte Helferinnen hat. Acht sind es mittlerweile.

Der Turnerschaft Bischofsheim ist Hassenpflug schon von Kindesbeinen an verbunden. Beim Mutter-Kind-Turnen kam sie zum ersten Mal in den Kontakt mit dem Verein – und ist seitdem geblieben. Die eigene Turnkarriere hat sie mittlerweile hintenan gestellt. Wenn die Gelegenheit besteht, trainiert sie montags und freitags bei ihren Übungsgruppen mit. Bei besonderen Auftritten, etwa an Weiberfasching, steht Hassenpflug auch aktiv auf der Bühne.

Fördern und fordernAn ihre Turngruppe hat sie hohe Ansprüche, wie sie selbst sagt: „Ich bin definitiv streng. Es wird auch mal lauter, ansonsten funktioniert das auch nicht“, ist sie sich sicher. Gerade beim Turnen, wo an den verschiedenen Geräten schnell etwas passieren kann, sei eine zu lasche Herangehensweise gefährlich. Dass sie ihre Schützlinge fordert, ist ein Grund, warum der Andrang so hoch ist. „Die Mädels kommen bis zu vier Mal die Woche ins Training, weil das hier was anderes ist, als im Sportunterricht einfach rumzulaufen.“

Viele der jungen Turnerinnen nehmen ihren Sport mittlerweile so ernst, dass sie sogar den Verein wechseln wollten, als Hassenpflug ein halbes Jahr in Australien weilte und kein Training geben konnte. Geblieben sind trotzdem alle.

Trotz Ehrgeiz kein DruckAn Ehrgeiz mangelt es den Turnerinnen und der Trainerin nicht, leistungstechnisch unter Druck setzen lassen sie sich aber nicht. Medaillen und Abzeichen stehen derzeit noch nicht im Vordergrund.

„Es ist schon ein Erfolg, dass wir überhaupt wieder an Wettkämpfen teilnehmen.“ Zu verdanken haben die TSB und die Turnerinnen diesen Umstand ihrer engagierten Trainerin.

Das könnte Sie auch interessieren