Sie ist das Gesicht der Kirchenmusik in Bischofsheim: Andrea Tetens leitet vier Chöre, organisiert die Konzerte in der Kirche, tritt selbst auf, begleitet zahlreiche Gottesdienste an der Orgel und ist Geschäftsführerin des Freundeskreises der Kirchenmusik in der evangelischen Kirche. Um ihre wertvolle musikalische Arbeit auch zukünftig finanzieren zu können, wird bei der Kirchengemeinde nach kreativen Lösungen gesucht. Archivfoto: Jan Max Gepperth

Maintal

Trotz Defizit: Kirchengemeinde will ihre Kirchenmusik behalten

Maintal. Ein Satz von Jens Heller bringt die derzeitige Gefühlslage innerhalb seiner Gemeinde auf den Punkt: „Wir sind sehr angegriffen.“ Denn es geht um eine Herzensangelegenheit – die Kirchenmusik der Evangelischen Kirchengemeinde Bischofsheim.

Von David Scheck

Weil die Finanzierung nicht gesichert ist, steht diese vor einer ungewissen Zukunft. Nun sucht die Gemeinde nach alternativen Einnahmemöglichkeiten.

Konkret geht es um die Arbeit von Andrea Tetens. Die Kantorin ist das Gesicht der Bischofsheimer Kirchenmusik, leitet vier Chöre – einen Kinderchor, einen Jugendchor, den Gospelchor Good News sowie die ökumenische Kantorei Bischofsheim –, die regelmäßig auftreten, tritt selber als Musikerin auf, organisiert die Veranstaltungen in der Kirche wie etwa Benefizkonzerte und die Reihe „Orgelmusik zur Marktzeit“, begleitet als Kantorin zahlreiche Gottesdienste an der Orgel und ist Geschäftsführerin des Freundeskreises der Kirchenmusik.

Seit Jahren in Schieflage

In Bischofsheim hat Tetens eine halbe Stelle inne – in deren Rahmen allein sie ihr zeitaufwändiges Engagement gar nicht stemmen könnte. Deshalb wurden ihr bisher von der Kirchengemeinde zehn Stunden zusätzlich bezahlt, finanziert aus dem Etat, den die Gemeinde zur Verfügung hat.

Doch der Haushalt der Evangelischen Kirchengemeinde Bischofsheim ist schon seit einigen Jahren in Schieflage, wie Pfarrer Heller erläutert. Auf ihre Rücklagen erhält sie so gut wie keine Zinsen mehr – da geht es einer Kirchengemeinde auch nicht anders als dem privaten Sparer. Außerdem haben sich aufgrund sinkender Mitgliederzahlen die Zuweisungen der Landeskirche verringert.

Erhöhung des Mietgliedsbeitrags

Daher ist die Gemeinde angehalten, ihren Haushalt auszugleichen, sagt Heller. Gemäß dem Sparprogramm der Landeskirche müssen die Teilgemeinden bis zum Jahr 2026 ihre Haushalte um 25 Prozent herunterschrauben. Bedeutet für die evangelische Kirche Bischofsheim im Klartext: Sie kann die Mittel für die zehn zusätzlichen Stunden für die Kantorin nicht mehr aufbringen.

So steht die Bischofsheimer Kirche nun vor der Entscheidung: Bei der Kirchenmusik Einsparungen vornehmen oder auf die Suche nach alternativen Finanzierungswegen gehen. Für Heller ist die Antwort eigentlich schon klar, schließlich sei das musikalische Angebot seiner Gemeinde doch „ausgesprochen bekannt und beliebt“. Und auch der Freundeskreis hat ein eindeutiges Meinungsbild, wie Heller berichtet. Denn bei der Jahreshauptversammlung am vergangenen Montagabend stand die Kirchenmusik und deren Finanzierung im Mittelpunkt.

Gagen für Künstler aus der Kollekte

Das Ergebnis der Zusammenkunft: Das musikalische Angebot soll erhalten bleiben. Ein erster, vom Freundeskreis bereits beschlossener Schritt ist die Erhöhung der jährlichen Mitgliedsbeiträge von 36 auf 60 Euro.

„Der Wille der Beteiligten, die Extrastunden von Andrea Tetens zu erhalten, ist groß“, fasst Heller zusammen, der selbst im Gospelchor Good News singt und von der Arbeit der Kantorin und Chorleiterin schwärmt. Der Freundeskreis der Kirchenmusik setzt sich im Grunde aus den Chormitgliedern zusammen. Allerdings, so Heller, zahle bisher nicht jeder, der mitsingt, auch einen Beitrag. Diese Mitglieder sollen nun von einem finanziellen Engagement überzeugt werden.

Die Möglichkeit, bei den Konzerten in der Kirche Eintritt zu erheben, sei zwar diskutiert, jedoch vorerst wieder verworfen worden, berichtet Heller. Eine Idee zur Finanzierung sei nun stattdessen, lokale Firmen als Sponsoren für die Veranstaltungen zu finden. Bislang sind die Konzerte kostenfrei, es wird lediglich um freiwillige Spenden gebeten. Die Gagen für Künstler werden aus der Kollekte bezahlt. Im Durchschnitt spende jeder Besucher etwa fünf Euro, was aber nicht zur Deckung der Kosten ausreiche, wie Heller vorrechnet. Ob und in welcher Form die genannten Ideen umgesetzt werden, muss abschließend der Kirchenvorstand entscheiden.

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