Schlicht, modern, karg: Das „G'nuss“ in Dörnigheim verspricht dem Namen nach viel, kann die Erwartungen aber nicht erfüllen. Foto: HA

Maintal

"Tischlein, deck dich": Kein Genuss im "G´nuss"

Maintal. Wenn ein Restaurant den Namen „G'nuss“ trägt, weckt das Erwartungen. Man hofft schließlich, dass dort, wo Genuss draufsteht, auch Genuss drinsteckt. Leider hat sich unsere Erwartung im Restaurant am Sportplatz Dicke Buche nicht so ganz erfüllt.

Als wir den Gastraum betreten, ist er leer. Die Platzwahl fällt uns also leicht. Fix bringt uns die Kellnerin die modern aufgemachten Speisekarten. Dort finden sich edel anmutende Fischgerichte und Schnitzel, kroatische Grillspezialitäten und Steaks gleichermaßen. Dass die Kinderkarte mit dem Hinweis auf die Ausrichtung von Kindergeburtstagen mitten in der Karte auftaucht, erstaunt uns. Nun gut, das soll dem kleinen Gast vielleicht besondere Wertschätzung entgegenbringen.

Als die Kellnerin einige Zeit später wieder an unseren Tisch kommt, um unsere Bestellung aufzunehmen, bestellen wir als Vorspeise einen gegrillten Hüttenkäse mit Knoblauchbrot und Oliven (5,90 Euro). Ich entscheide mich für ein Cordon Bleu mit Pommes (12,90 Euro), meine Begleitung liebäugelt mit dem Grillteller (12,90 Euro).

Eine falsche Vorspeise

Nach zehn Minuten wird uns die Vorspeise serviert. Jedoch scheint der Hirtenkäse nicht gegrillt, sondern paniert zu sein. Höflich weisen wir die Bedienung darauf hin, worauf sie mit dem Teller wieder in der Küche verschwindet. Einen kurzen Augenblick später steht sie wieder am Tisch: Der Käse sei gegrillt, es gebe keinen anderen, sagt sie. Das finden wir etwas befremdlich, belassen es jedoch dabei. Die Kruste könnte knuspriger sein und ist fettig, der Kern des Käses nur lauwarm. Dafür ist das dazu gereichte Scheibchen Knoblauchbrot sehr lecker. Die viel zu weich geratenen Oliven schmecken wenig aromatisch.

Kaum ist der Teller mit der Vorspeise abgeräumt, wird uns ein Beilagensalat aus Gurken, Tomaten, Eisbergsalat, Rot- und Weißkohl, Mais und Karotten serviert. Dass die Gurken am Rand schon leicht eingetrocknet sind, spricht nicht für die frische Zubereitung. Das mit Senf abgeschmeckte Dressing schmeckt solide.

Kein wahrer Genuss bei den Hauptgerichten

Kurz danach kommen die Hauptgerichte. Die Orangenscheibe, die als Dekoration beiliegt, ist ebenfalls am Rand eingetrocknet. Meine Pommes allerdings sind lecker und knusprig. Mit ihnen kann das Cordon bleu geschmacklich nicht Schritt halten. Zwar ist das Fleisch zart, doch hat sich auf dem Teller eine Fettpfütze gebildet. Die Käsefüllung hinterlässt einen seltsamen Nachgeschmack.

Auch meine Begleitung ist wenig begeistert. Der Grillteller besteht aus Pleskavica (gefülltes Hackfleisch), Schweinenacken, Putensteak, Bauchspeck, Cevapcici, Bratkartoffeln und Djuvec-Reis. Der Reis sieht schön aus, das war's aber auch. Die Pleskavica ist solide und großzügig mit Schafskäse gefüllt, das Putensteak trocken und „totgebraten“, der Schweinenacken sehnig. An den etwas zu fettigen Bratkartoffeln gibt es geschmacklich nichts auszusetzen. Als Totalausfall erweisen sich aber die zu hart geratenen und tranig schmeckenden Cevapcici. Kein Wunder, dass auf unseren Tellern Reste zurückbleiben.

Strudel als Versöhnung

Da kann uns auch die Dessert-Karte nicht versöhnen. Wir versuchen es dennoch mit einem Apfelstrudel mit Vanillesoße. Und nun räumt die Bedienung auch endlich den Teller meiner Begleitung ab. Als das Dessert serviert wird, sind wir überrascht. Die Besitzerin des Restaurants, die nun unsere Bewirtung übernommen hat, bringt uns eine doppelte Portion mit dem Kommentar, dass meine Begleitung beim Hauptgang ja nicht so viel gegessen habe. Serviert wird der Strudel sowohl mit Vanillesoße als auch Eis. Und auch, wenn der Strudel offenbar nicht selbstgebacken ist, versöhnt er unsere Mägen – zumindest halbwegs. Am Ende zahlen wir 42 Euro. Genuss sieht allerdings anders aus.

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