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Tipps und Tricks, wie Sie Wildkräuter optional nutzen können

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Sabine Witzke (Mitte), Iris Kunde (rechts) und Saskia Idir sammeln und identifizieren die verschiedenen Kräuter. Foto: Pongratz
Sabine Witzke (Mitte), Iris Kunde (rechts) und Saskia Idir sammeln und identifizieren die verschiedenen Kräuter. Foto: Pongratz

Maintal. „Man kann Kräutertees, -cremes oder Tinkturen teuer einkaufen oder man kann sie selbst herstellen“, sagt Sabine Witzke. Voraussetzung dafür ist, dass man Wildkräuter zweifelsfrei erkennt und weiß, an welchen Standorten sie zu finden sind.

Von Ulrike Pongratz

Für Einsteiger und Kräuterkundige hat die passionierte Gärtnerin und Autorin mehrerer Bücher zur kohlenhydratreduzierten Ernährung (Low Carb) vergangenen Samstag eine mehrstündige Kräuterwanderung rund um Bischofsheim angeboten. Bevor es jedoch hinausgeht in Garten und Streuobstwiesen, beginnt die Exkursion mit einer theoretischen Einführung.

„Es ist schön, wenn man sich bei einer beginnenden Erkältung, bei Verstopfung oder Magengrummeln selbst helfen kann“, sagt die Kräuterexpertin. „Wichtig ist, dass ihr die Pflanzen in verschiedenen Wachstumsphasen erkennt.“ Sabine Witzke bespricht mit der kleinen Gruppe anhand von Abbildungen und Beschreibungen die wesentlichen Merkmale der Heilpflanzen und ihre Anwendung. Vor allem der letzte Punkt wirft viele Fragen auf: Welche Pflanzenteile werden verwendet, wann wird geerntet, wie wird aufbewahrt und vor allem: Wie kommen die Kräuter zur Anwendung?

"Ich ernte immer vor Vollmond"

Allgemeine Tipps gibt es hierzu nur wenige. „Ich ernte immer vor Vollmond“, sagt Sabine Witzke, „ob Blüte oder Blatt.“ Die „Kräuterhexe“ empfiehlt weiterhin, möglichst trockene Pflanzenteile zu ernten und natürlich nicht am Wegrand, sondern in die Wiesen hineinzugehen. „Ich wasche die Kräuter eigentlich nicht, hänge sie zum Trocknen auf den Dachboden, also an einen schattigen, luftigen Ort, und bewahre die meisten getrockneten Blüten oder Blätter in Schraubgläsern im dunklen Keller auf.“

Dann geht es ans Eingemachte. Knapp 20 Heilpflanzen stellt die Expertin vor, darunter viele bekannte, aber immer noch als Unkraut verpönte und im gepflegten Garten nicht gern gesehene Gäste, wie die große und kleine Brennnessel, den Löwenzahn oder das Gänseblümchen. Sabine Witzke erinnert an den Holunder oder die Heckenrose, an die Stockrose oder den Borretsch, die früher in keinem Bauerngarten fehlen durften.

„Aus den Holunderblüten lassen sich Honig, Essig und auch Pfannkuchen herstellen, aus den tiefschwarzen Beeren Sirup. Je dunkler die Farbe der Stockrosenblüte, desto mehr Heilkraft besitzt diese“, erklärt Sabine Witzke. „Die Stockrose findet Anwendung bei Husten, aber auch bei Magen-Darm-Verstimmung.“ Viele der Kräuter sind echte Alleskönner und helfen mehrfach bei kleinen Beschwerden. „Gelbe Blüten helfen immer bei Magen-Darm-Verstimmungen“, gibt die erfahrene Kräuterfrau mit auf den Weg.

"Maintaler Garten" wahre Kräuterfundgrube

Im „Maintaler Garten“ von Sabine Witzke, der neben Obst und Gemüse eine wahre Fundgrube an Kräutern ist, dürfen Iris Kunde und Saskia Idir zeigen, was sie aus der einstündigen theoretischen Kräuterkunde in der Praxis bereits anwenden können. Im Hausgarten wachsen die große Königskerze, die man ihrem Blütenstand und an ihrer filzigen Rosette gut erkennen kann, Oregano, Kapuzinerkresse und auch Schafgarbe, Gänseblümchen und der Quendel. Diese unscheinbare kriechende Pflanze ist der wilde Verwandte des Thymians und lässt sich am typischen Geruch leicht erkennen.

Die Kräuterwanderung findet ihre Fortsetzung in den Streuobstwiesen rund um Bischofsheim. Selbst jetzt, nach diesem trockenen Sommer, sind viele Kräuter noch da, wenn auch etwas mickrig. Die Wegwarte blüht noch in strahlendem Blau. Die Zichorienknopsen lassen sich als Gemüse zubereiten, die jungen Blätter als Salat, den schon die Römer gerne gegessen haben.

Lange Suche nach der Möhre

Lange muss die Gruppe nach einer frischen Wilden Möhre suchen, deren weiße Wurzel einen intensiven Geruch verbreitet. Die Möhre gehört zur Familie der Doldengewächse, die neben Wiesenkerbel und Anis auch einige nicht essbare oder giftige Vertreter kennt, wie den Schierling, den Kälberkropf oder den Wiesenbärenklau. Auch die Schafgarbe, obwohl ein Korbblütler, sieht ähnlich aus. „Wir müssen mit allen Sinnen die Kräuter erkennen lernen, nicht nur mit den Augen, sondern auch riechen und schmecken oder auch mit der Hand“, sagt Witzke.

Manche Blätter verströmen einen unverkennbaren Duft, wenn man sie zwischen den Fingern zerreibt, manche Pflanzen besitzen einen weißen oder gelben Saft, wie der Löwenzahn oder das Schöllkraut, das gegen Warzen Anwendung findet. Während der Spitzwegerich, dessen zerriebene Blätter bei Insektenstichen lindernd wirken, noch leicht zu finden ist, sind der große Wiesenknopf, das Leinkraut oder der kleine Odermennig schwer zu entdecken.Dennoch füllen sich die kleinen Körbe allmählich, die Frauen bekommen einen Blick dafür, wo sie ihre Schätze erfolgreich suchen können. Weil so eine Wanderung – auch bei herrlicher Herbstsonne – hungrig macht, gibt es zum Ende des Tages eine wohlverdiente, selbstgemachte Suppe – mit zwölf Kräutern.

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