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Tillmann Hosius ist neuer Geschäftsführer der Maintal-Werke

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Auf gute Zusammenarbeit: Bürgermeisterin Monika Böttcher mit dem neuen Geschäftsführer der Maintal-Werke, Dr. Tillmann Hosius.
Auf gute Zusammenarbeit: Bürgermeisterin Monika Böttcher mit dem neuen Geschäftsführer der Maintal-Werke, Dr. Tillmann Hosius. © PM

Es gibt derzeit einfachere Aufgaben, als die Geschäftsführung eines Energieversorgers zu übernehmen: Die Energiekrise, die damit zusammenhängende dynamische Entwicklung an den Energiemärkten, die Herausforderungen der Energiewende, der zunehmende Arbeits- und Fachkräftemangel – es sind gleich eine ganze Handvoll Baustellen, die den neuen Geschäftsführer der Maintal-Werke GmbH (MWG) erwarten.

Maintal – Dr. Tillmann Hosius traut sich den Job trotzdem. Zu Beginn des neuen Jahres hat er die Nachfolge des langjährigen Geschäftsführers Wilfried Weber übernommen, der Ende 2022 in Rente gegangen ist. Es sind die mittelständischen, familiären Strukturen der MWG, die Hosius nach Maintal gelockt haben. Der 49-Jährige ist promovierter Jurist und verbrachte seine bisherige Laufbahn in führenden Positionen in der Energiewirtschaft, sowohl in international agierenden Konzernen als auch in mittelständischen Unternehmen. Der Schritt an die Spitze der MWG war daher ein ganz bewusster.

Geboren und aufgewachsen ist Hosius in der Eifel. Den Zugang zur Energiewirtschaft fand der Rechtswissenschaftler in seiner Promotion. Es folgte das Referendariat mit Stationen bei Eon und einem US-amerikanischen Energieversorger. Der Berufsstart glückte dann beim größten niederländischen Energiekonzern, dessen Deutschlandgeschäft Hosius von Düsseldorf aus mit aufzubauen half. Von dort wechselte er zu einem mittelständischen Unternehmen der Erdgasindustrie, wo er 15 Jahre lang Recht, Personal, Compliance und Organisation verantwortete, bis das Unternehmen 2020 von einem Wettbewerber übernommen wurde. Zuletzt wickelte Hosius das Unternehmen als Geschäftsführer ab. Die Stellenausschreibung der MWG kam daher genau zum richtigen Zeitpunkt.

Städtische Beteiligungsgesellschaften werden neu strukturiert

Zudem wohnt Hosius mit seiner Familie – er ist dreifacher Vater – im Taunus und hatte seine Suche auf die Rhein-Main-Region fokussiert. „Fachlich ist die neue Stelle eine Fortentwicklung, weil ich mich zukünftig nicht nur mit Erdgas, sondern auch mit Strom, Wärme, Wasser und bald auch dem Stadtverkehr beschäftige“, sagt der neue Geschäftsführer. „Es sind aber auch die mittelständischen Strukturen, die ich kenne und schätze, die die Stelle für mich attraktiv gemacht haben. Hier kann man, anders als in einem großen Konzern, Dinge schneller umsetzen und voranbringen.“

Voranzubringen gibt es in Maintal einiges. Neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien soll auch die Konzernstruktur der städtischen Beteiligungsgesellschaften neu geordnet werden, was sich unmittelbar auf die MWG, die sich zu hundert Prozent in städtischem Besitz befindet, auswirkt. „Hier kann ich meine juristische Expertise und meine weitreichenden Erfahrungen für Veränderungsprozesse einbringen“, erklärt Hosius den Reiz dieser Aufgabe.

MWG als Arbeitgebermarke stärken

Zusätzlich wolle sich die MWG noch stärker als attraktiver Arbeitgeber positionieren als bisher. Das wird dringend nötig, um freie Stellen zu besetzen. Denn wie viele Unternehmen steht auch bei den Maintal-Werken in den kommenden Jahren ein Generationswechsel bevor. „Wir werden uns intensiv mit der Frage beschäftigen müssen, wie wir junge Talente gewinnen und uns als kleines Stadtwerk von der großen Konkurrenz abheben können“, erklärt Hosius, der bereits seit November im Tandem mit seinem Vorgänger mit der Einarbeitung begonnen hat und in alle Entscheidungen involviert war.

Der Energiekrise begegnet der Experte vorsichtig optimistisch. „Wir sind nach wie vor gesund“, sagt er über die MWG. Das finanzielle Risiko sei bei historisch hoch volatilen Preisentwicklungen wie derzeit für alle Energieversorger ähnlich hoch. Letzten Endes benötige man auch ein glückliches Händchen, um den idealen Zeitpunkt zur Beschaffung von Gas und Strom zu treffen.

„Gaspreisdeckel“ hilft Stadtwerken

„Das ist sehr spannend“, erklärt Hosius die herausfordernde Aufgabe. „Beim Strom ist es der MWG in der Vergangenheit sehr gut gelungen. Deshalb können wir unseren Kunden derzeit auch vergleichsweise günstige Konditionen anbieten. Dafür liegen wir bei den Gaspreisen im Vergleich etwas höher“, erklärt Hosius.

Für eine deutliche Entlastung auf Seiten der Energieversorger sorgt die politisch gezogene Preisbremse. Denn die garantiert den Anbietern, dass sie die Differenz zwischen Einkaufs- und gedeckeltem Verkaufspreis vom Staat erhalten. Damit, so ist sich Hosius sicher, sei das befürchtete „Stadtwerke-Sterben“ zunächst abgewendet.

Experte erwartet Entspannung am Markt

Ob sich der Energiemarkt langfristig beruhigt, kann der Experte allerdings nicht voraussagen. „Sollten wir aus diesem Winter mit halbwegs gut gefüllten Speichern herauskommen und weitere Kapazitäten im Gas und Strom aufbauen, dürften wir vermutlich im nächsten Winter weniger große Preisschwankungen sehen“, vermutet er.

Entscheidend sei dafür auch das Wetter, das den Versorgern und Verbrauchern mit milden Temperaturen in den letzten Wochen in die Karten spielte. „Aber der entscheidende Wintermonat, in dem es immer mal richtig kalt wird, ist doch der Februar.“

Potenzial für Windkraft in Maintal

Weil derzeit viel Geld in das klassische Beschaffungswesen fließe, sei auch durch die steigenden Zinsen wenig Spielraum für Investitionen in erneuerbare Energien – ein Thema, das Hosius in seiner Amtszeit in Maintal aber unbedingt voranbringen will.

Großes Potenzial sieht er beim Ausbau der Photovoltaik über Mietmodelle, aber auch in einer möglichen Beteiligung an einem Windkraftprojekt im Gemeindegebiet.

Der Ausbau der E-Ladeinfrastruktur und die Erweiterung von Energiedienstleistungen, wie zum Beispiel dem Wärmepumpen-Contracting, werden ein weiteres Wachstumsfeld sein, gibt der Energiefachmann einen Ausblick.

Von Bettina Merkelbach

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