Symbolfoto: Thorsten Becker

Maintal/Hanau

Thai-Connection-Prozess: Ist unwillige Zwangsprostituierte tot?

Maintal/Hanau. Im Mammutprozess gegen die mutmaßlichen Köpfe der Thai-Connection, denen Menschenhandel, Einschleusung, Zwangsprostitution und Steuerhinterziehung in großem Stil vorgeworfen wird, kommen immer mehr Details ans Licht.

Von Thorsten BeckerDafür sorgen die beiden Vertreter der Staatsanwaltschaft, die der 5. Großen Strafkammer am Hanauer Landgericht einen Belastungszeugen nach dem anderen präsentieren.

Nun sitzt ein weiterer Ermittler der Bundespolizei auf dem Zeugenstuhl, der monatelang an dem riesigen kriminalistischen Puzzle mitgearbeitet hat.

„Die Frauen wurden mit ihren angeblichen Schleuserschulden und Drohungen unter Druck gesetzt“, sagt der Beamte. Einige dieser Sex-Sklaven seien jedoch geflüchtet. Doch „Mae“ („Mutter“) die mutmaßliche Chefin des Menschenhandlerrings soll keine Ausreißer geduldet haben.

Tötung eines Transsexuellen?

Die Spitze des Eisbergs ist eben jene Geschichte, die unwilligen Prostituieren gegenüber immer wieder berichtet worden sein soll. „Es gab dieses Gerücht über die Tötung eines Transsexuellen, der sich offenbar gegen die Ausbeutung gewehrt hat“, so der Ermittler. Die Leiche soll „in das Mauerwerk eingearbeitet worden sein“. Die Bundespolizei ist dieser Schauergeschichte bei der bundesweiten Großrazzia im April 2018 nachgegangen: „In dem Hauptbordell in Siegen war auch ein Leichenspürhund im Einsatz. Der hat in einer Garage angeschlagen. Daher wurde der Garagenboden ausgehoben – aber keine Leiche gefunden“, so der Ermittler.

Der Beamte hat gleich zwei Aktenordner auf seinem Tisch liegen, Tausende von Informationen hat er gesammelt, abgehörte Telefonate vom Server des Bundeskriminalamts in Wiesbaden abgerufen, übersetzen lassen und ausgewertet. Und er ist überzeugt: „Mae war der Kopf des Netzwerks.“

Die 62-Jährige Deang B. soll von Siegen aus den Menschenhändlerring geführt haben. Die beiden Schwestern M. sollen demnach die Statthalterinnen an der Wilhelm-Röntgen-Straße in Dörnigheim gewesen sein.

Der Bundespolizist stützt seine Aussagen auf Observationen: „Mae ist nach Maintal gefahren und hat das Geld persönlich abgeholt.“ Und das scheint nicht wenig gewesen zu sein, denn in der „Zentrale“, von der aus Bordelle in ganz Deutschland gesteuert worden sein sollen, stießen die Fahnder bei der Razzia auf rund 250 000 Euro – versteckt in zwei Kühltruhen.

Erkenntnisse über Einnahmen

Wo ein Großteil der Einnahmen hingeflossen ist, darüber hat der Beamte ebenfalls Erkenntnisse. Größere Beträge seien nach Thailand transferiert worden.

Apropos Geld: Bei ihren verdeckten Ermittlungen haben die Fahnder ebenfalls mit einigen Scheinen gearbeitet. „Wir haben einen Termin für einen angeblichen Freier vereinbart. Mit Anita – für eine ganze Nacht“, sagt er. Mit Anita geht die Fahrt dann an den Rhein. „Ziel war es, die Frau mit ihrem richtigen Namen zu identifizieren und diesen mit den erschlichenen Touristen-Visa abzugleichen.“

Diese Aktion hat die Bundespolizei einen Dirnenlohn von 1200 Euro gekostet. „Anders war das nicht möglich. Hätten wir direkt im Bordell kontrolliert, hätten wir unsere Ermittlungen offenbart.“

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