Symbolfoto: David Kirchgessner

Maintal/Hanau

"Thai-Connection": Nach 33 Prozesstagen noch kein Urteil in Sicht

Maintal/Hanau. Prostituierte, Bundespolizisten, Kriminalisten und verdeckte Ermittler haben sich seit Mai im Saal 216 des Hanauer Landgerichts die Klinke in die Hand gegeben.

Von Thorsten Becker

Es wurde dafür gesorgt, dass die 5. Große Strafkammer und damit auch die Öffentlichkeit erfährt, was sich an der Wilhelm-Röntgen-Straße in Dörnigheim und in der Siegener Zentrale des mutmaßlichen Bordellrings der „Thai-Connection“ abgespielt hat.

Es ist der erwartete Mammutprozess. Das hat sich schon abgezeichnet, als Kathrin Rudelt von der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt und ihr Hanauer Kollege Tobias Wolff die 228 Seiten umfassende Anklageschrift vortragen.

Als „juristisches Duett“ wechseln sie sich ab und haben nach vier Stunden Netto-Redezeit schwere Geschütze gegen die vier thailändischen Frauen und einen Deutschen in Stellung gebracht.

Es geht um sehr viel: Insgesamt sind es 300 Fälle, darunter Menschenhandel, Einschleusung, Zwangsprostitution, Ausbeutung, die den mutmaßlichen Anführern vorgeworfen werden.

Beweislast ist bedrückend

Nach inzwischen 33 Verhandlungstagen ist die Beweislast bereits erdrückend: Mehrere Opfer, darunter vor allem Transsexuelle („Ladyboys“) sagen aus, wie sie von Thailand aus mit erschlichenen Schengen-Visa nach Deutschland geschleust wurden und dort angebliche Schulden von rund 15 000 Euro abarbeiten mussten.

Dabei gab es ein Rotationsprinzip. Die Prostituierten, die auch zum ungeschützten Geschlechtsverkehr gezwungen worden sein sollen, wurden immer wieder an andere Bordelle im gesamten Bundesgebiet verteilt.Nur zwei der Angeklagten, die beiden Schwestern, die in Dörnigheim das Bordell „Thai-Sun“ leiteten, legen Geständnisse ab und belasten dabei die beiden Hauptangeklagten, die 63-jährige Deang B. und Martin J. (66).

Es geht um sehr viel. Vor allem für D., die den Spitznamen „Mea“ (thailändisch für „Mutter“) getragen haben soll. Sie hat wegen Menschenhandels bereits hinter Gittern gesessen und soll die Drahtzieherin gewesen sein. Dochdie beiden Hauptangeklagten schweigen weiter zu den Vorwürfen. Die Strafkammer unter dem Vorsitzenden Richter Andreas Weiß nimmt das Rotlichtmilieu ganz genau unter die Lupe, hakt immer wieder bei den Zeugen nach, während beispielsweise die insgesamt zehn Verteidiger an die Belastungszeugen der Polizei nur sehr wenige Fragen haben.

Es geht um viel Geld

Es geht um sehr viel. Vor allem um sehr viel Geld. Denn alleine bei der bundesweiten Großrazzia im April 2018 machen die Ermittler erstaunliche Entdeckungen, wie einer der Beamten am 33. Verhandlungstag sehr plastisch beschrieb: „Im Keller des Hauses in Siegen haben wir zwei abgeschlossene Tiefkühltruhen entdeckt. Unter dem Gemüse haben wir dann Plastikbeutel gefunden, in dem Geld versteckt war – zusätzlich in Alufolie gewickelt.“ Insgesamt 210 000 Euro in bar werden an diesem Tag sichergestellt.

Das lässt nur erahnen, wie viel Geld die „Thai-Connection“ in einem längeren Zeitraum gehortet haben könnte. Daher sind die beiden Hauptangeklagten auch des Steuer- und Abgabenbetrugs von insgesamt 4,4 Millionen Euro angeklagt.

Alleine ein Blick auf den Aushang vor dem Gerichtssaal zeigt, dass ein Urteil noch in weiter Ferne liegt. Es sindbis zum 23. April noch 20 weitere Verhandlungstage anberaumt.

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