Dass in der Taunusstraße Tempo 30 gilt, ist eigentlich nicht zu übersehen. Dennoch halten sich viele Autofahrer nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung, was die Nerven der Anwohner strapaziert.
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Dass in der Taunusstraße Tempo 30 gilt, ist eigentlich nicht zu übersehen. Dennoch halten sich viele Autofahrer nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung, was die Nerven der Anwohner strapaziert.

30er-Zone

Taunusstraße Maintal: Rasende Autofahrer nerven Anwohner - Stadt sieht keinen Handlungsbedarf

Anlieferer für die Firmen in der Rhönstraße, Berufspendler, die Richtung Frankfurt zur Arbeit fahren oder vom Fechenheimer Weg kommen und schnell nach Hause wollen – obwohl in der Taunusstraße in Bischofsheim Tempolimit 30 km/h gilt, halten sich laut einiger Anwohner zu viele Autofahrer nicht daran.

Maintal – Die Anwohner prangern an, dass die Stadt aus ihrer Sicht nichts unternimmt, um die Geschwindigkeitsbegrenzung zur Verkehrsberuhigung zu kontrollieren. Einige liegen seit Jahren mit dem Ordnungsamt darüber im Klinsch. Vicente Capace, der direkt eingangs der Taunusstraße hinter der Einfahrt aus dem Fechenheimer Weg wohnt, hatte sich bereits 2018 mit seiner Sorge an die Ordnungshüter gewandt: „Die meisten Fahrer halten sich nicht an das Geschwindigkeitslimit. Das stellt für alle Verkehrsteilnehmer, insbesondere Radfahrer und Fußgänger, ein hohes Sicherheitsrisiko dar und verursacht Lärm, der uns Anwohner fast rund um die Uhr stört.“

Maintal: Anwohner fordern Ordnungsamt zum Handeln auf

Damals hatte er angefragt, ob die Stadt Messungen durchführen könne, um die Raser zu entlarven oder mittels Geschwindigkeitsanzeige für das Tempolimit zu sensibilisieren. Schriftlich hat die Ordnungsbehörde im November 2018 den temporären Einsatz einer mobilen Geschwindigkeitstafel in der Taunusstraße – zusätzlich zu den ohnehin durchgeführten sporadischen Messungen – angekündigt. „Das ist bis heute nicht passiert, jedenfalls nicht, dass wir Anwohner es mitbekommen hätten“, ärgert er sich.

Mit seinem Ärger ist er nicht alleine. Weitere Anwohner haben diesbezüglich ebenfalls Kontakt zum Ordnungsamt aufgenommen – und ähnliche Reaktionen erhalten: Ein mobiles Geschwindigkeitsdisplay werde eingesetzt. Die von den Beobachtern geschilderten subjektiv wahrgenommenen Geschwindigkeitsübertretungen seien häufig Fehleinschätzungen. Außerdem würden die Rechts-vor-Links-Regelung und die Parkbuchten vor den ersten Hausnummern Autos ohnehin abbremsen.

Ordnungsamt sieht keine besondere Gefahr in der Taunusstraße

„Das kann ich nicht bestätigen“, sagt Jürgen Scheele, ein weiterer Anwohner, der sich von den Rasern gestört fühlt. „Im Gegenteil: Bei Gegenverkehr geben viele noch extra Gas, um schnell an den parkenden Fahrzeugen vorbeizukommen und in die Parklücken ausweichen zu können.“ Er vermutet, dass aus Rücksicht auf die Lkw, die das kleine Gewerbegebiet am Ortsrand anfahren, keine verkehrsberuhigenden Maßnahmen wie Pflanzinseln oder Bodenwellen in Betracht gezogen werden.

„Das Ordnungsamt bagatellisiert die Gefahr“, sagt Scheele. Die Anwohner dokumentieren Geschwindigkeitssünder regelmäßig und schicken Videos an die Ordnungsbehörde. Deren Antwort ernüchtert und ärgert sie gleichermaßen: Ein Geschwindigkeitsdisplay sei in der Spessartstraße, Taunusstraße und Rhönstraße im ersten Quartal 2020 im Einsatz gewesen. Mobile Messungen hätten keine Ergebnisse geliefert, die weitere verkehrsberuhigende Maßnahmen begründet hätten. Auch ein Blick in die Unfallstatistik habe gezeigt, dass die Taunusstraße kein Unfallschwerpunkt ist. Zwischen 2016 und 2021 seien nur fünf Unfälle dort erfasst worden. Unfallursache sei in keinem Fall die Geschwindigkeit gewesen.

Anwohner: „Reines Glück, dass hier nicht mehr passiert“

„Ich halte die Raser für sehr gefährlich für die vielen Fußgänger, die Richtung Wald unterwegs sind“, pflichtet Ulrike Braner bei. „Das ist reines Glück, dass hier nicht mehr passiert.“

„Was mich besonders ärgert, ist, dass unser Anliegen nicht ernst genommen wird“, so Vincent Capace. Die Anwohner fühlen sich von der Stadt im Stich gelassen. „Dass hier Geschwindigkeitstafeln im Einsatz waren, entspricht schlicht nicht der Wahrheit“, sagt Vincent Capace. Im Fechenheimer Weg ja, aber in der Taunusstraße hätten Anwohner dies nicht registriert. Immerhin kündigt die Stadt auf Nachfrage des MAINTAL TAGESANZEIGER an, hier ein mobiles Geschwindigkeitsdisplay erneut aufzustellen.

Doch die Anwohner kritisieren auch Zeitpunkt und Art und Weise der Geschwindigkeitsmessungen: Um aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten, müsste daher zu den Hauptverkehrszeiten morgens und abends aus einem zivilen Fahrzeug geblitzt werden.

Taunusstraße Maintal: Autofahrer halten sich nicht an Rechts-vor-links-Regelung

Die Rechts-vor-links-Regelung, die in der 30er-Zone gilt, würden viele Fahrer gar nicht beachten. „Anwohner dieses Teils der Taunusstraße berichten mir, dass sie nicht auf ihre Vorfahrt bestehen – aus Angst vor Unfällen.“ Ihre Eingaben sind nicht die ersten. Vor Jahren, berichten sie, hätten Anwohner eine Petition gestartet, um eine Einbahnstraßen-Regelung zu erwirken – ohne Erfolg. „Wir haben den Eindruck, dass das Ordnungsamt nicht daran interessiert ist, eine Lösung zu finden, die unseren Bedürfnissen nach Sicherheit und Ruhe gerecht wird“, fasst Vincent Capace die Resignation seiner Nachbarn zusammen.

Als er sein Haus am Ortsrand von Bischofsheim gekauft habe, sei ihm nicht bewusst gewesen, dass die Taunusstraße so stark befahren ist. „Vor allem im Sommer ist es quasi nicht möglich, bei offenen Fenstern zu schlafen oder sich gemütlich auf die Terrasse zu setzen.“ Auf Anfrage entgegnet die Pressestelle der Stadt: „Wir nehmen grundsätzlich jedes Anliegen ernst und setzen uns intensiv damit auseinander.“

Auf Grundlage der Geschwindigkeitsmessungen und der Unfallstatistik der Maintaler Polizeidienststelle ergebe sich für die Taunusstraße kein erhöhtes Gefahrenpotenzial. Damit fehle die Voraussetzung für weitere Maßnahmen – auch wenn das nicht den Wünschen der Bürgerinnen und Bürger entspreche.

(Von Bettina Merkelbach)

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