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Tafel in Dörnigheim feiert 15-jähriges Bestehen

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Die ehrenamtlichen Helfer bei der Ausgabe der Tafel Maintal gehen nach Möglichkeit auf die Wünsche der Abholer ein. So auch hier, als wir das Team im September 2018 besucht haben. Archivoto: Martina Faust
Die ehrenamtlichen Helfer bei der Ausgabe der Tafel Maintal gehen nach Möglichkeit auf die Wünsche der Abholer ein. So auch hier, als wir das Team im September 2018 besucht haben. Archivoto: Martina Faust

Maintal. 15 Jahre Essensausgabe in Maintal: Die Tafel feierte Ende des vergangenen Jahres Geburtstag. 600 Haushalte und fast 1400 Personen werden heute pro Monat mit frischen Lebensmitteln und Waren des täglichen Bedarfs versorgt.

Von Carolin-Christin Czichowski

Doch damit aus der „Nahrungsquelle“ die Tafel Maintal und somit ein richtiger Logistikbetrieb werden konnte, mussten die Verantwortlichen schon früh viel Arbeit und Mühe in das Vorhaben stecken.

Dass es eine regelmäßige Essensausgabe für die Maintaler gibt, ist Karl-Heinz Oehme und seiner Frau Ursula zu verdanken. Sie hatten im Sommer 2003 die Idee zu dem Projekt. „Damals gab es Tafeln in Hanau und in Frankfurt. Da haben wir uns gedacht, dass es doch nicht sein kann, dass die Maintaler Bedürftigen so weit fahren müssen“, sagt Oehme rückblickend.

40 Abholder am ersten Tag

Während der Wachenbucher Kerb sicherte er sich die Unterstützung des damaligen Ersten Stadtrats Günther Wassermann, und kurze Zeit später, am 19. Dezember 2003, war es dann soweit: An der Neckarstraße 9 in Dörnigheim gab es die erste Lebensmittelausgabe in der „Nahrungsquelle“ unter dem Dach der Bürgerhilfe Maintal (BHM).

„Am ersten Tag kamen 40 Abholer“, erinnert sich Oehme. Am dritten Ausgabetag waren es schon 60 Bedürftige, die sich in der „Nahrungsquelle“ mit Lebensmitteln wie Brot, Gemüse, Reis und Nudeln eindeckten. „Die Zahl der Abholer ist stetig gestiegen“, sagt Oehme. „Am 9. September 2005 waren es zum Beispiel 83.“

Probleme mit der Müllentsorgung

Von Anfang an ist das Konzept gut bei den Maintalern angekommen, schnell konnten Oehme und sein Team Unterstützer gewinnen. „Wir haben mit allen größeren Supermärkten in Maintal zusammengearbeitet“, sagt er. Und auch ehrenamtliche Helfer fanden sich schnell. „Zum Start der 'Nahrungsquelle' waren zwei Helfer bei der Ausgabe und drei beim Abholdienst der Lebensmittel“, sagt Oehme. Nur wenige Monate nach der ersten Ausgabe konnte der Leiter dann auf 20 Ehrenamtliche zurückgreifen.

Trotz aller Unterstützung gab es für das „Nahrungsquelle“-Team auch Schwierigkeiten, vor allem am Anfang: „Zunächst gab es zum Beispiel Probleme mit der Müllentsorgung“, erinnert sich Oehme. Denn die Spenden mussten in der „Nahrungsquelle“ sortiert und die aussortierten Lebensmittel entsorgt werden. „Das waren ja zum großen Teil verderbliche Nahrungsmittel und immer auch eine große Menge“, sagt Oehme. Schnell entstand eine Kooperation mit dem ehemaligen Pferde- und Tierhof an der Hochstädter Ringmauer, der „Happy Horse Ranch“.

"Viel Herzblut investiert"

„Die Tiere haben von uns regelmäßig aussortierte Lebensmittel bekommen, die aber eigentlich noch gut waren“, sagt Oehme. So wurde der Nachhaltigkeitsgedanke der „Nahrungsquelle“ konsequent weitergeführt.

„Meine Frau und ich haben viel Herzblut in das Projekt investiert“, erklärt Oehme. Gerne erinnert er sich an besondere Ausgabetage wie etwa an Heiligabend, an denen das Team kleine Weihnachtsgeschenke an bedürftige Kinder verteilt hat. Und an den Umzug der Ausgabestelle von einem kleinen Windfang in größere Räume an der Rückseite des Hauses an der Neckarstraße 9.

Lebensmittel für 150 Hashalte

„Wir haben den Ausgabe-Raum selbst hergerichtet, haben renoviert, gestrichen und vor allem viel sauber gemacht“, sagt Oehme. Auch Schreiner- und Elektroarbeiten musste das Team in Eigenregie durchführen. „Das war viel Arbeit“, sagt der ehemalige „Nahrungsquelle“-Leiter. „Aber es hat sich gelohnt“, erklärt er – und zwar nicht zuletzt mit Blick auf die heutige Situation. Denn aus der „Nahrungsquelle“ ist mittlerweile die Tafel Maintal geworden. Mehr als 100 Ehrenamtliche engagieren sich dort, investieren pro Jahr gut 10 000 Arbeitsstunden.

Dreimal in der Woche verteilen sie, zwischenzeitlich umgezogen in die Neckarstraße 13, Lebensmittel an rund 150 Haushalte. Darunter sind viele kinderreiche Familien, weiß Wolfgang Kampe, der die Tafel seit rund fünf Jahren als Nachfolger von Erwin Henkel leitet: „An manchen Tagen kommen allein 20 Abholer, die insgesamt 80 Personen versorgen müssen“.

Aufnahme in den Verband

In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl der Bedürftigen, die die Tafel regelmäßig versorgt, verändert. „In den Jahren 2015 und 2016 kamen viele Einzelpersonen, vornehmlich Flüchtlinge“, erinnert sich Kampe. Mittlerweile kommen wieder mehr Familien. Dadurch sei zwar die Zahl der Abholer gesunken, die der zu versorgenden Personen aber gestiegen.

2015 wurde die damalige „Nahrungsquelle“ in den Bundesverband der Tafeln aufgenommen. „Das hat für uns viele Vorteile“, sagt Kampe. „Die kleineren Organisationen haben es deutlich schwerer.“ Durch die Aufnahme in den Verband gebe es zum einen mehr Fördermöglichkeiten für die Maintaler Lebensmittelausgabe. „Außerdem können wir seither die Logistik-Infrastruktur der Tafeln nutzen“, so Kampe.

950 Tafeln in Deutschland

Hessenweit gibt es verschiedene Lager, in denen unter anderem Spenden größerer Unternehmen untergebracht und an die lokalen Tafeln verteilt werden. „Das sind oft Dinge, die wir sonst gar nicht ausgeben könnten, wie zum Beispiel Pflegemittel, Seife und Shampoo“, erklärt er.

Kampes Wünsche für die Zukunft der Tafel Maintal? „Der Idealfall wäre natürlich, dass ein Zustand erreicht wird, in dem unsere Arbeit nicht mehr gebraucht wird“, sagt er. „Außerdem würde ich mir bessere Rahmenbedingungen für eine nachhaltigere und wirtschaftlichere Arbeit wünschen.“ Denn die insgesamt 950 Tafeln in Deutschland verteilen jährlich etwa 250 000 Tonnen Lebensmittel. „Aber es werden immer noch 25 Millionen Tonnen einfach so weggeschmissen. Das ist zuviel. Da wünsche ich mir mehr Nachhaltigkeit in der gesamten Gesellschaft“, so Kampe abschließend.

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