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Suche nach dem Vater: „Ich wollte einfach seinen Namen“

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Diana Savoia Delgado sucht ihren Vater, der in den 70er Jahren als Soldat in Hanau stationiert war und wahrscheinlich zurück in seine Heimat gegangen ist. In Hanau sind seit einigen Jahren keine US-Soldaten mehr stationiert. (Foto: Hofmann)
Diana Savoia Delgado sucht ihren Vater, der in den 70er Jahren als Soldat in Hanau stationiert war und wahrscheinlich zurück in seine Heimat gegangen ist. In Hanau sind seit einigen Jahren keine US-Soldaten mehr stationiert. (Foto: Hofmann)

Maintal. Zu wissen, wo man herkommt, wer die eigenen Eltern sind und wie viele Geschwister, Tanten und Onkel man hat – für die meisten Menschen ist das eine Selbstverständlichkeit. Diana Savoia Delgado weiß das alles nicht.

Von Elfi Hofmann

Seit Jahren sucht sie ihren Vater, der ein amerikanischer GI gewesen sein soll. Doch ohne Namen oder Geburtsdatum ist das fast unmöglich.

„Als ich 16 war, habe ich angefangen zu suchen“, erzählt Diana Savoia Delgado. Dass sie mit ungefähr drei Monaten adoptiert worden war, wusste sie damals bereits. Aber wer ihre biologischen Eltern waren, das konnte ihr niemand sagen. Immerhin den Namen ihrer Mutter hatte sie: Inge Bretfeld aus Kesselstadt. „Ich bin dann auf einen ihrer Brüder gestoßen, den habe ich auch mal besucht“, erinnert sie sich.

Suche anfangs wieder aufgegeben

Und dabei erfuhr sie einiges über die Familie. Dass Gewalt dort an der Tagesordnung war. Dass die Kinder früh von zu Hause weggezogen sind. Und dass auch ihre Mutter mit 17 Jahren das Elternhaus verlassen hat und dann Kontakt mit amerikanischen Soldaten hatte. Weil sie ihre Adoptiveltern aber nicht verletzen wollte, gab sie die Suche erst einmal auf, wollte warten, bis sie volljährig ist.

„Irgendwann habe ich dann erfahren, dass meine Mutter gestorben ist.“ Zu der Beerdigung in die Nähe von Fulda fuhr sie zwar mit, nach Bildern oder Briefen, die Hinweise auf ihren Vater hätten geben können, hat sie allerdings nie gefragt. „Das war ein Fehler, das weiß ich heute auch. Aber damals habe ich einfach nicht geschaltet.“

Mit drei Monaten vom Jugendamt abgeholt

Vom Hanauer Jugendamt erfuhr sie immerhin, dass ihre Mutter noch sehr jung bei der Geburt 1974 gewesen sei und von der Stadt eine Wohnung zur Verfügung gestellt bekam. Laut ihrer Tante war sie davor noch einmal bei ihren Eltern zu Hause und fragte, ob ihre Mutter auf ihre Tochter aufpassen könnte. „Meine Oma wollte aber nicht, also kam sie nie wieder zu Besuch“, erzählt Savoia Delgado.

Als sie dann ungefähr drei Monate alt war, holte sie das Jugendamt aus der Wohnung und brachte sie direkt in ein Krankenhaus. Damals hatte sie starkes Untergewicht und war von ihrer Mutter nachts mehrmals alleine gelassen worden.

"Ich hatte eine schöne Kindheit"

Vom Krankenhaus ging es direkt zu ihrer neuen Familie, die bereits mehrere Pflegekinder betreut hatte und zu ihren beiden leiblichen Kindern neben Diana Savoia Delgado noch einen Jungen adoptierte, der seine Schwester bei ihrer Suche unterstützt. „Ich bin froh, dass ich nicht bei ihr aufgewachsen bin“, sagt sie.

Bei ihren Eltern habe es ihr nie an etwas gemangelt, sie haben ihr viel für ihr Leben mitgegeben. „Ich hatte eine schöne Kindheit.“ Mit Groll schaut sie trotzdem nicht auf die ersten drei Monate ihres Lebens zurück, höchstens mit Unverständnis, weil ihre biologische Mutter sie alleine gelassen hat. „Ich verstehe, dass sie Geld verdienen musste, aber sie hätte auch Hilfe von außen annehmen können. Die gab es ja damals auch schon.“

Die Nadel im Heuhaufen

Heute hat sie selbst vier Kinder, lebt gemeinsam mit ihrem aus Chile stammenden Mann in Dörnigheim. Trotzdem fehlt ihr etwas: ihr leiblicher Vater. „Keiner kann mir etwas sagen. Ohne einen Namen ist es, wie die Nadel im Heuhaufen zu suchen.“ Zweimal besuchte ihre Mutter sie noch bei ihren Adoptiveltern, beide Male sei ein anderer GI dabei gewesen. Und wahrscheinlich war keiner der beiden ihr Vater.

DNA-Test soll helfen

Noch vor ein paar Jahren wäre Savoia Delgado mit ihrer Suche wahrscheinlich schon längst gescheitert, doch dank des Internets hat sie nach wie vor Hoffnung, ihren biologischen Vater irgendwann zu finden. „Ich bin in vielen Facebook-Gruppen, habe viele Anrufe gemacht“, erzählt sie. Auch in Gruppen, die sich mit DNA-Tests beschäftigen, ist sie Mitglied. Und dabei stieß sie vor einiger Zeit auf eine Holländerin, einen sogenannten „Search-Angel“. Die schickte ihr einen Test, der in Deutschland nicht ausgeliefert wird.

Mit der Auswertung kam zum ersten Mal Licht ins Dunkel, denn über eine Datenbank, in der Informationen über die DNA von vielen Soldaten hinterlegt sind, fand sie zwei Cousinen dritten Grades in der Nähe von Chicago, mit denen sie auch Kontakt aufgenommen hat. Allerdings ohne zu sagen, dass sie ihren Vater sucht. „Wahrscheinlich stamme ich von den beiden mütterlicherseits ab. Und da gab es drei Männer, die bei der Army waren.“

Die Zeit läuft

Ob ihr Vater überhaupt weiß, dass es sie gibt, das weiß Savoia Delgado nicht. Und wenn sie ihn findet und er möchte gar keinen Kontakt? „Darauf habe ich mich schon vorbereitet. Und habe dann immerhin meinen inneren Frieden gefunden.“ Wenn er sie aber kennenlernen möchte, würde sie sich sofort in ein Flugzeug setzen und zu ihm fliegen.

Doch die Zeit läuft, das ist ihr klar. Schließlich besteht auch die Möglichkeit, dass ihr Vater gar nicht mehr lebt. „Ich habe immer das Gefühl gehabt, dass es mich zu meinem Vater zieht. Bei meiner Mutter hatte ich wenig Interesse. Ich wollte einfach seinen Namen haben.“

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