Ein kleines Stück Geselligkeit: Im Sommer vergangenen Jahres konnte der Gesangverein Eintracht Bischofsheim immerhin im Freien proben.
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Ein kleines Stück Geselligkeit: Im Sommer vergangenen Jahres konnte der Gesangverein Eintracht Bischofsheim immerhin im Freien proben.

Keine Proben möglich

Stille im Gesangverein: Eintracht Bischofsheim sorgt sich in der Corona-Pandemie um das soziale Miteinander

Die Corona-Pandemie macht auch dem Gesangverein Eintracht Bischofsheim zu schaffen. Im vergangenen Jahr waren nur wenige Vereinsaktivitäten möglich, auch in diesem Jahr sieht es nicht besser aus. Dennoch kann sich der Verein auf seine Mitglieder verlassen.

Maintal – „Vereine haben in unserer Gesellschaft eine wichtige Funktion als soziale Anlaufstellen, in denen nicht nur den unterschiedlichen Hobbys nachgegangen wird, sondern auch vielfältige soziale Kontakte gepflegt werden. Der Gesangverein Eintracht 1874 Bischofsheim, der zweitälteste Verein der Stadt Maintal, erfüllt diese Funktion seit 148 Jahren“, schreibt der Verein in einer Mitteilung.

Vor der Corona-Pandemie hatten sich die Sängerinnen und Sänger des Traditionschors einmal wöchentlich und die der Voices of Harmony einmal monatlich zu Chorproben getroffen. Besonders wichtig war dem Verein im Rahmen dieser Proben das nachfolgende Beisammensein. Die erste Welle der Corona-Pandemie bereitete der Geselligkeit jedoch ein jähes Ende und brachte das Vereinsleben weitgehend zum Erliegen.

Proben unter freiem Himmel nur im Sommer möglich

„Die ab Mitte März letzten Jahres geltende Sperre betrachteten die meisten Betroffenen zunächst als eine kurzzeitige Episode, die bald überwunden sein würde“, schreibt der Verein. Als sich im Juli und August die Lage entspannte, trafen sich die Chöre dann mehrmals unter freiem Himmel. An ein normales Proben war aufgrund der ungewohnten Verhältnisse jedoch nicht zu denken. Zwei Meter Abstand zwischen den Singenden und die gegenüber den Proben im Saal verändert Akustik sorgten für eine ganze andere Situation.

Da war die Chorwelt noch in Ordnung: Im November 2019 fand das bislang letzte Konzert der beiden Chöre des Gesangverein Eintracht Bischofsheim in der evangelischen Kirche statt. archiv

„Auch wenn es für die Qualität des Chorgesangs nichts brachte, waren doch alle froh, überhaupt mal wieder gemeinsam singen und miteinander plaudern zu dürfen“, heißt es weiter. Gerade als der Verein plante, den normalen Probenbetrieb trotz der Einschränkungen durch ein Hygienekonzept entsprechend der im Sommer vorgegebenen Regelungen wieder aufzunehmen, erfasste ihn ab Oktober die zweite Welle der Pandemie und warf alle Pläne über den Haufen. Aufgrund der aktuellen Lage ist auch bei den Bischofsheimern völlig unklar, wann und wie es weitergeht.

Gesangverein muss alle Veranstaltungen absagen

Für den Vorstand sei es in der Zeit der Pandemie wichtig, die aktiven und die fördernden Mitglieder regelmäßig über die Lage des Vereins und die Pläne des Vorstands zu informieren. Dies geschah im Laufe des Jahres 2020 durch neun vereinsinterne Rundschreiben. Darin musste den Mitgliedern der Verzicht auf so vieles mitgeteilt werden, was in früheren Jahren selbstverständlich war.

Als erstes traf es den seit 1980 jährlich von Maintaler Gesangvereinen organisierten Maintaler Liederabend, dessen 41. Auflage für Ende März 2020 geplant war und für den der Gesangverein Eintracht schon die Plakate geklebt hatte. Weiterhin mussten der Vereinsausflug, das Konzert, der Filmabend, die für den Verein besonders finanziell so lukrative Teilnahme am Bischofsheimer Weihnachtsmarkt, die Weihnachtsfeier und dann in diesem Jahr auch die Faschingsveranstaltung gestrichen werden.

Auch ist die diesjährige Jahreshauptversammlung überfällig und niemand weiß, wann sie abgehalten werden darf. Darüber hinaus durfte der Chor auch nicht bei privaten Feiern singen. Besonders schmerzlich: Auch verstorbene Mitglieder konnten bei Trauerfeiern nicht mit Gesang verabschiedet werden.

Gesangverein Bischofsheim steht wirtschaftlich trotz Krise noch gut da

Um das wirtschaftliche Überleben muss der Verein dank einer gesunden Finanzstruktur nicht kämpfen, heißt es. „Wir müssen weiterhin für unsere Probenräume die Miete entrichten und zahlen unserem Dirigenten weiter ein gegenüber dem Normalbetrieb verringertes Honorar, außerdem fehlen uns sämtliche Einnahmen außer den Mitgliedsbeiträgen. Da sich die Ausgaben weniger stark verringert haben als die Einnahmen, endete die Jahresbilanz 2020 mit roten Zahlen, die nicht zuletzt dank großzügiger Spenden unserer Mitglieder und Förderer zum Glück für den Verein in einem niedrigen Rahmen geblieben sind“, so der Gesangverein.

Dass im Verein ein guter Zusammenhalt zwischen den Mitgliedern besteht, zeige sich schon daran, dass es trotz der Pandemie bislang keinen Vereinsaustritt gab. Was jedoch fehle und besonders von den älteren Eintrachtlern sehr vermisst werde, ist das regelmäßige Zusammensein. Die meisten Kontaktmöglichkeiten sind weggefallen und viele der älteren Menschen haben weder Smartphone noch PC, mit denen sie dies zumindest ansatzweise kompensieren könnten. „Es wäre schön, wenn sich die Chöre noch in diesem Jahr wieder treffen und die Sängerinnen und Sänger gemeinsam singen und plaudern könnten. Dann wäre auch das soziale Überleben des Vereins gesichert“, richtet der Verein einen vorsichtig optimistischen Blick in die Zukunft.

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