1. Startseite
  2. Region
  3. Maintal

Statt Real-Gelände stand Dörnigheims Zukunft im Fokus

Erstellt:

Überraschend harmonisch diskutierten Dieter Winterstein (WAM, v.l.n.r.), Monika Vogel (Grüne), Bürgermeisterin Monika Böttcher (parteilos), Götz Winter (CDU), Joachim Fetzer (FDP) und Martin Spichal (SPD).
Überraschend harmonisch diskutierten Dieter Winterstein (WAM, v.l.n.r.), Monika Vogel (Grüne), Bürgermeisterin Monika Böttcher (parteilos), Götz Winter (CDU), Joachim Fetzer (FDP) und Martin Spichal (SPD). © Bettina Merkelbach

Es war nicht der günstigste Termin am vergangenen Freitag, an dem der Bürgerkreis Real-Gelände zur Podiumsdiskussion eingeladen hatte. Was fehlte, war nämlich eine konkrete Diskussionsgrundlage in Form des aktuellen Planentwurfs. „Warum diskutieren wir keine Bebauungspläne?“, kam daher gegen halb zehn Kritik aus dem Publikum.

Maintal - Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die anfangs dicht gefüllten Reihen im evangelischen Gemeindezentrum in Dörnigheim schon gelichtet. Zu langatmig und trotzdem wenig konkret waren die Antworten auf die Fragen der interessierten Bürgerschaft. Dennoch gelang es dem Bürgerkreis, repräsentiert durch Hayriye Rupin und Mark Behrend, die die Moderation übernommen hatten, eine Grundsatzdebatte zur zukünftigen Entwicklung des Stadtteils anzustoßen.

Auf Einladung der Dörnigheimer hatte sich mit Bürgermeisterin Monika Böttcher (parteilos), den Fraktionsvorsitzenden Monika Vogel (Bündnis 90/Die Grünen) und Götz Winter (CDU) sowie den Stadtverordneten Dieter Winterstein (WAM), Prof. Dr. Joachim Fetzer (FDP) und Martin Spichal (SPD) die lokale Sachkompetenz zur Bebauung des Real-Geländes auf dem Podium versammelt. Ungünstig war der Termin, weil der neue Planentwurf des Investors Instone vermutlich in wenigen Tagen öffentlich gemacht wird. Ob und wie der Eigentümer die geforderten Änderungen umgesetzt hat, wussten daher am Freitagabend nur die Vertreter aus Magistrat – auch Erster Stadtrat Karl-Heinz Kaiser war unter den Gästen –, Stadtverordnetenversammlung und einige Eingeweihte, nicht aber der Großteil des Publikums.

Bürgerkreis fordert „Gesamtkonzept“

Daher schlugen Rupin und Behrend den Bogen vom Real-Gelände zu weiteren Großprojekten, die in Dörnigheim anstehen. „Es braucht ein Gesamtkonzept“, machte Rupin deutlich. Real-Gelände, Opel-Eck, Maintal Mitte und das Neubaugebiet an der Eichenheege müssten im Zusammenspiel geplant werden. Dem Bürgerkreis geht es dabei vor allem um zukunftsfähige Lösungen für Mobilität, Umwelt- und Klimaverträglichkeit und die soziale Infrastruktur. Behrend demonstrierte mit eigenen Temperaturmessungen die Bedeutung des Mains zur Belüftung des Stadtteils. „Die Bebauung darf keine Barriere sein“, erklärte er.

Aus diesen Überlegungen hatte Reiner Michaelis mit dem Architekten Nabil Afzali einen eigenen Plan entwickelt. „Wir wollen nicht nur kritisieren, sondern auch selbst kreieren“, erklärte Behrend und gab dem Podium mit einer Vielzahl an Fragen Gelegenheit, für Aufklärung zu sorgen. Die größten Bedenken: negative Auswirkungen der Neubaugebiete auf Verkehr und Klima in Dörnigheim. Diesen konnte die überraschend harmonische Runde zumindest teilweise den Wind aus den Segeln nehmen. Es stimme nicht, dass Einwohner in der Größenordnung Wachenbuchens hinzukommen, rechnete Böttcher vor: „Wir sollten hier keine Ängste schüren.“ Einig war man sich auch, dass Instone offen für die Ideen der Stadtverordneten sei. „Das ist ein Glücksfall“, sagte Böttcher.

Auswirkungen auf Verkehr und Klima

„Ohne Dachbegrünung und Photovoltaik sind Planungen heute gar nicht mehr möglich“, erklärte Spichal. Der neue Plan versuche daher einen Kompromiss aus Belüftung und Schallschutz. Als zukunftsfähige Verkehrslösung wurde ein Kreisel an der Kreuzung Kennedy-/Kesselstädter Straße ins Spiel gebracht – eine Idee, die Hessen Mobil laut Rupin für umsetzbar hält. Böttchers Vorstellung der zukünftigen Nahmobilität sorgte jedoch für Gelächter, da sie schon fest mit der Nordmainischen S-Bahn rechnet.

Bleibt abzuwarten, ob der neue Planentwurf die Idealvorstellungen der Anwohner trifft. Der Abend zeigte, wie hoch die Erwartungen sind. CDU-Fraktionschef Winter wertete die Diskussion daher als „gutes Signal für das, was die Bürger wollen.“ Ob es denn einen „Masterplan“ für die Stadtentwicklung gebe, wollte der Bürgerkreis auch wissen. „Nein“, stellte Winterstein kurz und knapp klar.

Von Bettina Merkelbach

Auch interessant