Hoher Schaden: Alper Yildirim, Geschäftsführer von Alp Automobile, zeigt den beschädigten BMW 530d. Die Diebe haben beide Xenon-Scheinwerfer ausgebaut und die Seitenscheibe des Autos eingeschlagen.
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Hoher Schaden: Alper Yildirim, Geschäftsführer von Alp Automobile, zeigt den beschädigten BMW 530d. Die Diebe haben beide Xenon-Scheinwerfer ausgebaut und die Seitenscheibe des Autos eingeschlagen.

„Fühlen uns nicht ernstgenommen“

Ständig neue Einbrüche: Maintaler Autohändler werfen Polizei Untätigkeit vor

  • Kristina Bräutigam
    VonKristina Bräutigam
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Maintal – Wenn Alper Yildirim sich morgens auf den Weg zur Arbeit macht, hat er fast immer ein mulmiges Gefühl. „Ich rechne eigentlich täglich damit, dass wieder was passiert ist“, sagt der Geschäftsführer von Alp Automobile.

Im vergangenen Jahr hat der 36-Jährige den kleinen Autohandel im Bischofsheimer Gewerbegebiet Am Kreuzstein eröffnet. Doch der Traum von der Selbstständigkeit wird langsam zum Albtraum: Sechsmal ist Alper Yildirim seitdem Opfer von Einbrechern geworden, viermal allein in diesem Jahr. Das Gelände liegt zwischen der Autobahnauf- und -abfahrt, perfekte Fluchtmöglichkeiten für die Täter. Zuletzt schlagen die Diebe in der Nacht vom 14. auf den 15. Oktober zu. „Die haben die Kameras rausgerissen, das Fenster aufgehebelt und alles mitgenommen, was sich zu Geld machen lässt“, sagt Yildirim und zeigt Handyfotos seines verwüsteten Büros.

Nicht nur teures Markenwerkzeug klauen die Täter, auch einen Kaffeevollautomaten, einen Fernseher und eine Geldzählmaschine nehmen sie mit. Bei einem BMW 530d, der im Hof des Autohändlers abgestellt ist, schlagen die Unbekannten die rechte Seitenscheibe ein und bauen die Xenon-Scheinwerfer aus. Gesamtschaden allein bei diesem Einbruch: mindestens 8000 Euro.

Auf dem Schaden wird Alper Yildirim auch diesmal sitzen bleiben. Denn eine Diebstahlversicherung kann sich der Autohändler nicht leisten. Zu hoch sind die Auflagen, die er erfüllen müsste, zu hoch die monatlichen Beiträge. Der 36-Jährige ist verzweifelt. „An diesem Laden hängt meine Existenz. Ich habe lange darauf hingearbeitet. Und diese Kriminellen machen mir alles kaputt.“

Mit seinem Frust ist Alper Yildirim nicht allein. Auch die beiden benachbarten Betriebe werden immer wieder Opfer von Einbrechern. „Es macht langsam keinen Spaß mehr“, sagt Besart Rushiti. Beim Einbruch Mitte Oktober lassen die Diebe nur ein paar Werkzeuge mitgehen. Im vergangenen Jahr bauen die Unbekannten an fünf Autos die Katalysatoren aus. „Um die Autos weiterverkaufen zu können, musste ich neue Katalysatoren kaufen. Bei bis zu 700 Euro pro Stück war das ziemlich bitter“, so der Autohändler. Noch schlimmer trifft es einen Pächter, der nicht namentlich genannt werden möchte.

Aus zehn Autos, die der Hobbyschrauber auf dem Gelände abgestellt hat, stehlen die Täter die Katalysatoren. Grund sind die teuren Edelmetalle, die vor allem in älteren Modellen verbaut sind. Bis zu 800 Euro zahlen Schrotthändler pro Stück, je nach Größe und der damit verbundenen Menge an Edelmetall. Besart Rushiti hatte zwischenzeitlich zwar Kameras eingebaut, doch die schlagen die Diebe kaputt. Neue hat er seitdem nicht aufgehängt. „Es bringt ja doch nichts“, sagt er.

Aliasghar Javad vor seiner Werkstatt. „Es ist eine Katastrophe“, sagt der 66-Jährige.

Ein paar Meter weiter betreibt Aliasghar Javad seine Autowerkstatt. Der 66-Jährige bessert sich mit dem Job seine Rente auf. Doch auch er beklagt ständig neue Einbrüche. „Allein in den letzten Monaten sind die dreimal bei mir eingestiegen. Es ist eine Katastrophe“, erzählt er und zeigt auf das notdürftig mit Pappe verschlossene Fenster. Die Einbrecher hatten es bei ihrer letzten Diebestour eingeschlagen, die Kaffeemaschine, eine teure Taschenlampe und das 600 Euro teure Diagnosegerät gestohlen.

„Ich verdiene hier ein paar Euro und werde ständig beklaut. Selbst die fünf Flaschen Wein, die mir ein Kunde als Geschenk dagelassen hat, haben die mitgenommen“, sagt Javad. Mittlerweile traue er sich nicht mal mehr, die Autos seiner Kunden auf dem Werkstatt-Gelände abzustellen. „Ich parke die Autos lieber an der Straße. Es ist einfach nicht sicher hier.“

Alper Yildirim hat die Nase voll. Er fühlt sich von der Polizei im Stich gelassen. „Die nehmen die Anzeige auf und nach zwei Wochen kommt der Brief, dass das Verfahren eingestellt ist“, sagt der Autohändler. Nicht mal Fingerabdrücke würden die Beamten nehmen. „Immer heißt es, die Einbrecher hätten Handschuhe getragen. Die Polizei gibt sich überhaupt keine Mühe. Wir fühlen uns nicht ernst genommen“.

Aliasghar Javad ist ebenfalls enttäuscht. „Wir glauben, dass es immer dieselben Täter sind. Die Polizei könnte zumindest mal Nachforschungen anstellen“, so der 66-Jährige. Die Betroffenen fordern, dass die Polizei öfter Streife fährt. „Die sollen auch mal aussteigen, nach dem Rechten sehen. Das ist das Mindeste“, sagt Alper Yildirim.

Auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigt die Polizei, dass es mehrere Einbrüche auf dem Gelände Am Kreuzstein gegeben habe. „Die Polizei vor Ort ist sensibilisiert. Die Kollegen sind angehalten, dass Gebiet verstärkt zu bestreifen“, sagt Andrea Ackermann, Sprecherin beim Polizeipräsidium Südosthessen. Wie oft und in welcher Form das Gelände bestreift wird, werde aus ermittlungstaktischen Gründen nicht bekannt gegeben.

Ackermann rät den betroffenen Händlern zudem, sich an die Polizeiliche Beratungsstelle in Offenbach zu wenden. „Die Kollegen kommen auch vor Ort und geben Tipps für Sicherheitsmaßnahmen“, so Ackermann. Um es den Einbrechern schwer zu machen, sei die Polizei allerdings auch auf die Mithilfe der Bürger angewiesen. „Ob Passant oder Lieferant, wer etwas Verdächtiges beobachtet, soll die Polizei unverzüglich anrufen.“

Alper Yildirim will sich darauf nicht verlassen. Er hat neue Infrarot-Kameras installiert, die bei Bewegungen auslösen und direkt eine Nachricht aufs Handy schicken. Außerdem will er sich einen Wachhund anschaffen. „Der Polizei vertraue ich nicht mehr. Was bleibt mir anderes übrig.“

Von Kristina Bräutigam

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