Von Rathaus zu Rathaus: Aus Mörfelden-Walldorf möchte Sabine Freter nach Maintal wechseln – und nächste Erste Stadträtin werden. Foto: Carolin-Christin Czichowski

Maintal

Stadtratswahl: Sabine Freter äußert sich zu ihrem Lebenslauf

Maintal. Gut zwei Wochen nach der geplatzten Stadtratswahl äußert sich nun die parteilose Kandidatin der Wahlalternative Maintal, Sabine Freter, erstmals öffentlich. Am Rande der Stadtverordnetenversammlung waren Gerüchte aufgekommen, dass mögliche Ungereimtheiten in Freters Lebenslauf zur Absage der Wahl geführt haben könnten.

Von Carolin-Christin Czichowski„Ich wurde 2017 als Betriebsleiterin der Stadtwerke in Mörfelden-Walldorf eingestellt“, so Freter im Gespräch mit dem TAGESANZEIGER: Ein Jahr später habe sie die Kündigung erhalten, gegen die sie vor dem Arbeitsgericht Darmstadt (AZ: 8 CA 100/18) vorgegangen ist. „Ich habe Recht bekommen“, so Freter. Seither war sie – auch zum Zeitpunkt ihrer Bewerbung um den Stadtratsposten in Maintal – Bereichsleiterin der Stadtwerke. Seit Jahresbeginn ist sie nun Datenschutzbeauftragte der Stadt Mörfelden-Walldorf.

„Ich habe wohl als Betriebsleiterin der Stadtwerke zu genau hingesehen“, sagt sie. „Habe zum Beispiel Unstimmigkeiten beim Personal gesehen und das angesprochen.“ Daraufhin habe man versucht, „Fehler“, die bei der Sanierung der Kläranlage in Mörfelden-Walldorf passiert seien, ihr als damaliger Stadtwerkechefin „in die Schuhe zu schieben“, so Freter.

Anonyme Mail ging an ausgewählte Parlamentarier

Im Vorfeld der Stadtverordnetenversammlung am 3. Februar war eine anonyme E-Mail an einzelne Maintaler Parlamentarier gegangen, die auf Freters Kündigung bei den Stadtwerken und den Prozess vor dem Arbeitsgericht verweist.

„Der Anfang 2019 eingesetzte und bis heute andauernde Akteneinsichtsausschuss in Mörfelden-Walldorf beschäftigt sich (. . .) auch mit Frau Freter: 'Kündigung des Arbeitsverhältnisses, des Arbeitsgerichtsverfahren und die Wiedereinstellung der ehemaligen Betriebsleitung in 2018'. Sie ist seitdem nicht mehr Leiterin der Stadtwerke“, heißt es in dieser E-Mail, die der Redaktion vorliegt.

Angefügt ist dieser E-Mail zudem ein Link zu einem Antrag von SPD, FDP und Freien Wählern in Mörfelden-Walldorf zu besagtem Akteneinsichtsausschuss, den zuvor die DKP-Fraktion beantragt hatte.

"Ungültige Kündigung ist keine Kündigung"

Freter selbst hat von der E-Mail und den daraus resultierenden Wirrungen um ihre Person erst nach der Stadtverordnetenversammlung erfahren. „Ich habe in meiner Bewerbung und bei dem Vorstellungsgespräch beim Wahlvorbereitungsausschuss den Arbeitsgerichtsprozess nicht erwähnt“, erklärt sie.

Das habe sie auch nicht für notwendig gehalten: „Denn eine ungültige Kündigung ist im Grunde ja keine Kündigung“, sagt sie. Sie sei aber vor Kurzem noch einmal bei einer Sitzung des Wahlvorbereitungsausschusses gewesen und habe sich, ihr derzeitiges Arbeitsverhältnis und die Umstände des Prozesses erklärt.

Anzeige gegen Absender erstattet

Wer der Absender der anonymen E-Mail ist, kann Freter nur vermuten. „Ich gehe davon aus, dass die E-Mail aus Mörfelden-Walldorf stammt“, sagt sie. „Dass mich jemand nicht gehen lassen will.“ Dass der Absender im Maintaler Parlament sitzt, würde sie hingegen ausschließen. Mittlerweile hat sie Anzeige bei der Polizei gegen den unbekannten Absender erstattet.

Wie berichtet, hatte der Wahlvorbereitungsausschuss in Maintal am Tag der Stadtverordnetenversammlung kurzfristig doch keinen Abschlussbericht seiner Arbeit abgeben können. Dieser Bericht wäre aber zwingend erforderlich für eine rechtlich einwandfreie Stadtratswahl gewesen.

Wahltermin bleibt weiter offen

Ob das Gremium, das aus neun Parlamentariern aller Fraktionen sowie der nicht stimmberechtigten Bürgermeisterin Monika Böttcher (parteilos) besteht, zur nächsten Stadtverordnetenversammlung am Montag, 9. März, einen Abschlussbericht vorlegen und somit die Wahl stattfinden kann, steht unterdessen noch nicht fest.

Vom Tisch zu sein scheint hingegen eine Sondersitzung der Stadtverordnetenversammlung. Eine solche hatte SPD-Fraktionschef Sebastian Maier im Gespräch mit unserer Zeitung vorgeschlagen. Wie Stadtverordnetenvorsteher Karl-Heinz Kaiser (SPD) auf Anfrage erklärte, gab es Stand Montag noch keinen Antrag auf eine Sondersitzung zur Stadtratswahl. Insbesondere die Grünen hatten sich auch gegen eine solche ausgesprochen. „Die Fraktion von B90/Die Grünen ist entschieden gegen eine eilig einberufene Sondersitzung“, heißt es in einer Mitteilung.

Das könnte Sie auch interessieren