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Stadt bietet afghanischen Flüchtlingen Deutsch-Intensivkurse an

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Rebecca Günther ist eine der Lehrkräfte, welche die 18 jungen Geflüchteten in einem speziellen Deutschkurs unterrichten. Foto: Kalle
Rebecca Günther ist eine der Lehrkräfte, welche die 18 jungen Geflüchteten in einem speziellen Deutschkurs unterrichten. Foto: Kalle

Maintal. Sie sollen sich eine Zukunft aufbauen können: Deshalb bietet die Stadt Maintal seit einigen Wochen eine Deutsch-Intensivklasse für junge Flüchtlinge aus Afghanistan an.

Von Martina Faust

Bildung, Beruf, Leben. Dies sind die drei Pfeiler, auf denen sich eine Zukunft errichten lässt. Das sollte auch unter ungewissen Perspektiven möglich sein, findet Maintals Bürgermeisterin Monika Böttcher. Deshalb gibt es seit einigen Wochen eine Deutsch-Intensivklasse speziell für junge Flüchtlinge aus Afghanistan.

„Ich bin verheiratet“ schallt es durch den Bahnhofsvorraum, als Vertreter der beteiligten Kooperationspartner gestern Morgen zum Besuch einer Unterrichtsstunde eintreffen. Als die Gäste durch die Tür treten, wird es mucksmäuschenstill im Raum und die junge Männer und Frauen erheben sich zur Begrüßung eilig von ihren Stühlen.Böttcher: "Wir finden die Haltung falsch"Neben Monika Böttcher und Daniel Vuletic vom Fachdienst Asylbewerberbetreuung sind noch Christine Mayer-Simon vom Arbeitskreis „Asyl“ und Vera Mala von der Volkshochschule der Bildungspartner Main-Kinzig gekommen, um sich persönlich ein Bild von dem Kurs zu machen, den sie gemeinsam aus der Taufe gehoben haben.„Wir finden die Haltung falsch, die Investition in Bildung von der Bleibeperspektive abhängig zu machen“, erklärt Monika Böttcher. „Als Kommune können wir zwar keinen Einfluss auf den Bescheid des Asylantrags von afghanischen Flüchtlingen nehmen, aber wir können ihnen Angebote unterbreiten, damit der Aufenthalt in Deutschland keine vertane Zeit ist“, erläuterte sie.Inte-A-Klassen als VorbildAus diesem Gedanken heraus entstand in Kooperation die Deutsch-Intensivklasse nach dem Vorbild der so genannten Inte-A-Klassen (Integration durch Anschluss und Abschluss). Seit Mitte Januar läuft das Projekt, an dem 18 Flüchtlinge im Alter von 17 bis 20 Jahren teilnehmen.Täglich treffen sie sich vormittags im Dörnigheimer Bahnhofsgebäude, wo sie abwechselnd von den Lehrkräften Rebecca Günther und Hans-Peter Große unterrichtet werden. Die Kosten für 200 Unterrichtsstunden trägt die Volkshochschule.Anschlussfinanzierung in AussichtEine Anschlussfinanzierung durch das hessische Förderprogramm „Deutsch4u“ für weitere 300 Unterrichtsstunden steht in Aussicht. Durch eine Spende der Bürgerstiftung Maintal erhalten die jungen Menschen zusätzlich an zwei Nachmittagen Mathematikunterricht durch Werner Breit.„Es ist uns ein besonderes Anliegen, dass wir uns um junge Flüchtlinge kümmern und ihnen eine Perspektive bieten. Dabei ist Sprache das Fundament, auf dem alles Weitere aufbaut“, sagt Böttcher. Denn allein bei der Vermittlung von Deutschkenntnissen soll es nicht bleiben.Nach dem Kurs ist vor dem Praktikum„Der Kurs dauert bis Ende März. Dann sollen die Schüler in Zusammenarbeit mit dem Kolpingwerk aus Fulda die Möglichkeit erhalten, Berufe kennenzulernen und Praktikumstage zu absolvieren“, erklärt Christine Mayer-Simon. Im April könnte ein weiterer Sprachkurs folgen.„Das Angebot ist enorm wichtig. Gerade Afghanen haben im Gegensatz etwa zu Syrern in der Regel kaum Möglichkeiten, sich für qualifizierte Sprachkurse anzumelden. Ihnen bleiben Integrationsverfahren oft verschlossen“, so Mayer-Simon.Kontakt zu VereinenDer Sprachkurs ermöglicht den bislang verwehrten Zugang zu Bildung. Doch Maintal möchte noch mehr tun. Im März soll es eine Dialog- und Informationsveranstaltung zur Integration junger Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt geben, um auch berufliche Perspektiven aufzuzeigen. „Und durch den Kontakt zu Vereinen möchten wir auch im Freizeitbereich entsprechende Angebote offerieren“, so Böttcher.Dafür braucht es natürlich Sprachkenntnisse. Und an denen feilt Rebecca Günther intensiv. Aussprachetraining steht auf dem Lehrplan. Im Chor sprechen die jungen Männer und Frauen Sätze nach – „bewusst gemeinsam, damit auch schüchterne Schüler einbezogen werden“, erklärt die Lehrkraft und spitzt die Ohren. Sie hört genau hin, korrigiert, macht auf Feinheiten aufmerksam, trainiert die Artikel. „Die gibt es in ihrer Muttersprache Dari nämlich nicht“, so Günther. Wie so Vieles, das in Deutschland neu und fremd ist – noch . . .

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