Im Bootshafen Mainkur steht Kursleiter Moritz Hinner am Heck der 60 PS starken Quicksilver. Auf dem Sechs-Meter-Boot werden Fahrstunden absolviert. Foto: Christian Balke

Maintal

Die Sportbootschule Steiner bietet Führerscheinkurse an

Maintal. Der Skipper einer Mega-Yacht vor Dubrovnik braucht ihn ebenso wie der Freizeitkapitän, der mit dem Familienboot im Ijsselmeer schippern will: Den Sportbootführerschein, der für Binnen- und Seegewässer erworben werden kann.

Von Christian Balke

In Maintal bereitet die Sportbootschule Steiner angehende Skipper aus ganz Hessen und sogar Rheinland-Pfalz auf die Prüfung vor. Dem Kursleiter Moritz Hinner kann dort jedenfalls nicht mal ein alter Seebär etwas vormachen.

Nein, sagt Hinner lächelnd, er sei nicht für die Handelsmarine auf den Weltmeeren unterwegs gewesen, „ich war auch nicht bei der Bundeswehr-Marine, schließlich bin ich erst Mitte Zwanzig.“ Und doch kennt sich der sympathische Koblenzer, der die Sportboot-Führerscheinkurse in Maintal leitet, in jedem noch so kleinen Detail der motorisierten Schifffahrt bestens aus.

Seien es die komplizierten Bootsknoten wie der „doppelte Schotstek“, oder die für Laien unüberschaubare Masse an Markierungstonnen und Bojen – die „Heultonne mit grünem Funkelfeuer“ lässt grüßen.

Ganz bodenständiger Werdegang

Sein Werdegang, sagt Hinner, sei ganz bodenständig gewesen. „Ich komme aus Koblenz, genau wie der einstige Gründer und Inhaber der Sportbootschule, der Herr Josef Steiner“, sagt Hinner: „Damals, nach der Fachhochschulreife wollte ich bei ihm eine kaufmännische Ausbildung machen.“

Was dann kam, sagt Hinner voller Respekt, sei weit über die Ausbildung zum Kaufmann hinaus gegangen. Die gesamte Bandbreite der Sport- und Motorschifffahrt habe der Seniorchef ihn gelehrt: „Davon habe ich sehr profitiert.“

Der Gründer Josef Steiner verkaufte das Unternehmen mit Eintritt in den Ruhestand und Moritz Hinner ist nach wie vor ein ausgewiesener Experte und – trotz seiner Jugend – ein Dienstleister par excellence. Das wissen auch die 13 Intensivkurs-Teilnehmer zu schätzen, darunter vier Frauen, die das Wochenend-Theorieseminar in Maintal belegt haben.

Im Sportboothafen Mainkur setzen sie sich zwei Tage lang jeweils acht Stunden mit der Theorie der Sportboot-Schifffahrt auseinander, lernen zu navigieren, Knoten zu binden und bringen eine medizinische Prüfung hinter sich: „Wer hier aufpasst und sich daheim ein bisschen dahinter klemmt“, sagt Hinner, „der hat gute Aussichten die Prüfung zu bestehen.“

Teilnahme an Theorie und Fahrstunde

Aha, denkt sich der Reporter, der für seine Reportage an einem Theorietag und einer Fahrstunde teilnehmen darf, „hier läuft also alles ganz locker, ohne Anstrengung ab.“

Falsch gedacht! Moritz Hinner legt dem Gast schelmisch grinsend Zirkel, Geodreieck und eine Schifffahrtskarte auf den Tisch: „So, bei der Navigation machen Sie jetzt einfach mal mit!“ Parallelverschiebung kombiniert mit Dreisatzrechnung, Geometrie trifft Algebra: Bei den meisten Teilnehmern hier liegen Schul- oder Hochschulabschluss freilich noch nicht zwei oder drei Jahrzehnte zurück, wie beim Reporter, dessen graue Zellen erstmal knirschen vor Anstrengung.

Dann – wer hätte das gedacht – stimmt der berechnete Standort des Bootes tatsächlich und auch der angesteuerte Kurs kann sich sehen lassen. Bei allen Lehrgangs-Teilnehmern. „Nochmal“, sagt Hinner an seine Schüler gewandt, „mit ein wenig Fleiß bestehen Sie die Theorie ganz sicher.“

Zur Praxis, der Fahrstunde auf dem Main mit einem 60 PS starken Quicksilver-Motorboot, lädt Hinner ein paar Tage später ein. Justus (Name geändert), ein junger Mann, der gemeinsam mit seinem Vater der Sportboot-Führerschein für Binnen- und Seegewässer macht, soll an dem verregneten Nachmittag von Moritz Hinner fit für die praktische Prüfung gemacht werden. „Am kommenden Sonntag haben wir Prüfungstag“, sagt der Kursleiter, „mit 39 Leuten.“

Auch Prüfungstage mit 50 Teilnehmern

Hinner sieht die hochgezogenen Augenbrauen seines Gastes: „Ja, es gibt viele Leute in der Rhein-Main-Region, die einen Sportbootführerschein machen wollen.“ Es habe auch schon Prüfungstage mit 50 Teilnehmern gewesen, die dem Prüfer dann jeweils zwischen zehn und 15 Minuten zeigen müssen, wie sie das Sechs-Meter-Boot anlegen, wie sie einen über Bord gegangenen Menschen retten würden.

Genau das steht für Justus an, der erst an das Steuer kommt, als Hinner das Boot aus dem flachen Hafen manövriert hat. Kaum hat der Kahn Fahrt aufgenommen, wirft Hinner schon den Rettungsring ins Wasser: „Mann über Bord!“ Bedächtig fährt Justus mit dem brabbelnden Viertakt-Außenborder eine lange Schleife flussabwärts um dann zu wenden und den flussaufwärts rechts – also Steuerbord – den Rettungsring aus dem Wasser ziehen zu lassen: „Perfekt“, sagt Moritz Hinner, „sag nur etwas lauter deine Kommandos an.“

Nicht das letzte Lob, das Justus vom strengen aber fairen Experten erhält. Butterweiches An- und Ablegen, perfektes „Bremsen“ auf dem 60 Meter breiten Strom, im Schatten mächtiger Binnenschiffe. Auch den richtigen Kurs steuert Justus während der Fahrstunde jederzeit an. „Gewissenhaftigkeit zahlt sich aus“, sagt Moritz Hinner zum Abschied, „zur Belohnung erhält jeder mit dem Sportboot-Führerschein die Möglichkeit, ein faszinierendes Hobby für sich zu entdecken.“

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