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Spielgemeinschaft HdB verzaubert große und kleine Zuschauer

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Kalif Chasid von Bagdad (Andreas Lerch, linkes Bild, Mitte) führt dank seiner Diener ein angenehmes Leben. Dennoch ist er getrieben von Neugier und Forschergeist. Gleich drei Bühnenneulinge in einer Storchenfamilie: Für Sascha Leifkes, Lina Marie Götz und Bruno Griebel waren die Auftritte eine Premiere (rechtes Bild). Fotos: Häsler
Kalif Chasid von Bagdad (Andreas Lerch, linkes Bild, Mitte) führt dank seiner Diener ein angenehmes Leben. Dennoch ist er getrieben von Neugier und Forschergeist. Gleich drei Bühnenneulinge in einer Storchenfamilie: Für Sascha Leifkes, Lina Marie Götz und Bruno Griebel waren die Auftritte eine Premiere (rechtes Bild). Fotos: Häsler

Maintal. Er hat noch einmal gezaubert. Für die letzte Inszenierung eines Weihnachtsmärchens schlüpfte Dieter Hombach nicht nur in die Rolle des hinterhältigen Zauberers Kaschnur aus Wilhelm Hauffs „Kalif Storch“, sondern griff auch als Regisseur der Spielgemeinschaft HdB tief in die Trickkiste.

Von Martina Faust

Wenn die Spielgemeinschaft ins Haus der Begegnung (HdB) einlädt, dann ist ein mitreißendes Theatererlebnis garantiert. Mit „Kalif Storch“ entführten die Akteure diesmal in den fernen Orient, genauer gesagt nach Bagdad, wo Kalif Chasid regiert.

Andreas Lerch zeichnet das Bild eines verwöhnten, aber gutmütigen und abenteuerlustigen Herrschers, dessen größte Ambition die Erforschung des Tierreichs ist. Derlei Neigungen teilt sein Großwesir nur bedingt und gerät dadurch in die Zwickmühle zwischen der geforderten Treue gegenüber seinem Herrn und dem eigenen Wunsch nach einem ruhigen, sorgenfreien Dasein. Diese Zerrissenheit, gepaart mit der ständigen Sorge um die möglichen Konsequenzen einer Handlung, spiegelt Andrea Schultheis durch ihr ausgeprägtes Mimenspiel mit jedem Gesichtsausdruck wider.

Auch der Nachwuchs überzeugt

Überhaupt sind es die großen theatralischen Gesten, welche die Akteure beinahe perfekt beherrschen, und dank derer sie die Figuren derart überzeichnen, dass die wesentlichen Charakterzüge überdeutlich hervortreten.

Da gibt es den macht- und rachsüchtigen Zauberer Kaschnur, der die Verwandlung des Kalifen und seines Großwesirs in Störche hinterlistig mit Hilfe seines Sohnes Mizra einfädelt, um diesen auf den Thron zu verfrachten. Eine Paraderolle für Dieter Hombach, den es meist auf die Seite der dunklen Mächte zieht. Wenn er, verkleidet als Händler, im Palast das Zauberpulver feilbietet, mit leicht irrem Blick die Augen aufreißt und sich buckelnd sehr devot gibt, dann löst sich die reale Figur in der Rolle auf.

Das gilt ebenfalls für Alicia Schultheis in der Rolle des nicht sonderlich cleveren Mizra. Sie zählt zu den wandlungsfähigsten Akteuren des Ensembles – nicht nur in dieser Inszenierung, in der sich Mizra als weiser Gelehrter verkleidet, zittrig und vom Alter gebeugt, im Palast erscheint, oder später nasebohrend mit leicht dümmlichem Blick als neuer Kalif auf dem Bett hockt.

Überzeugen kann auch der Nachwuchs, der erstmals auf der Bühne stand. Hier sind vor allem Sascha Leifkes und Lina Marie Götz als junge Störche zu nennen, die keck und selbstbewusst agieren, ohne eine Spur von Nervosität.

Von der Haupt- bis zur Nebenrolle stark besetzt

Die Produktionen der Spielgemeinschaft HdB begeistern eben nicht nur wegen der talentierten und erfahrenen Schauspieler in den Hauptrollen, sondern dadurch, dass auch die Nebenrollen mit starken Akteuren besetzt sind. Da wären zu nennen Dennis Godehardt in der Rolle des treuen Haushofmeisters, Olaf Streitenberger als Palmwedler, der nach verantwortungsvolleren Aufgaben strebt, Monika Eberl als ergebene Dienerin und Charlotte Kylstad, Lara Haub, Silke Sommer und Ute Eisfeld in den Rollen weiterer Zauberer sowie die Storcheneltern Bruno Griebel und Silke Sommer.

Kein Wunder, dass bei einem so mitreißenden Spiel die Zuschauer ganz nah dran, zuweilen sogar mittendrin sind und mit den Figuren mitfiebern. . . Als die Eule Lusa (Sarah Huguet) ihre beiden verwandelten Storchenfreunde versteckt, um sodann die Versammlung der Zauberer abzulenken – „ihr bleibt schön zusammen, vielleicht sind die Zauberer schon unterwegs“ –, tönt es aus den Kinderreihen „Ja, und wir verraten euer Versteck nicht“. Da müssen auch die Bühnenprofis mal kurz schmunzeln.

Nach der Vorstellung sind die hautnah zu erleben, zum Anfassen. Und wer möchte sich nicht von einem Kalifen persönlich auf die Bühne helfen lassen, um sich dort vom Nikolaus, der im Anschluss an die Vorstellungen ins HdB kam, bescheren zu lassen?

So geht es im Sommer weiter

Auch technisch bewegt sich die Gruppe längst auf einem professionellen Niveau. So wurde etwa die Verwandlung in Störche als Videoeinspielung im Zeitraffer auf einem Großbildschirm gezeigt. Auch Kulisse und Kostüme werden mit großem Aufwand gestaltet – für ein perfektes Theatererlebnis.

Am Sonntagnachmittag ist nach sechs Vorstellungen der letzte Vorhang gefallen – bis zum Sommer. Dann steht die Spielgemeinschaft mit Ray Cooney „Funny Money“ wieder auf der Bühne, Dieter Hombach allerdings zum letzten Mal.

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