Diskussion mit dem „General“: Lars Klingbeil im Gespräch mit einem der Teilnehmer der Sommerlounge. Das häufigste Thema auf seiner Reise durch Hessen sei Bauen, Wohnen, Mieten gewesen. Foto: Habermann

Maintal

SPD-Generalsekretär bei der Sommerlounge der Maintaler SPD

Maintal. Er war nicht unbedingt rein als Wahlkampfunterstützung für die Sozialdemokraten bei der Hessen-Wahl am 28. Oktober gedacht: der Besuch des neuen SPD-Generalsekretärs Lars Klingbeil am Dienstagabend bei der SPD-Sommerlounge am Dörnigheimer Mainufer.

Von Rainer Habermann

Was er aber in aller Kürze zu erzählen hatte, das gab schon einen gewissen Motivationsschub für die Genossen.

„Wenn Nazis teilweise die einzigen sind, die etwa noch Hausaufgabenhilfe organisieren in Teilen der ostdeutschen Bundesländer, dann muss man sagen: Da läuft was falsch.“ Klingbeil spielt auch auf Chemnitz an. „Wenn der Staat sich immer mehr zurückzieht und sagt, 'wir privatisieren alles', und Dann sind da auf einmal Löcher, die von Nazis besetzt werden: dann müssen wir dringend über die soziale Rolle des Staats reden, und auch darüber, wie wir Privatisierung wieder zurückdrängen können“, spannt er den Bogen zum Programm der Sozialdemokratie: „Der Staat dient auch dazu, sozialen Zusammenhalt zu stärken.“

Der 1978 in Soltau geborene Politiker kommt nach eigener Aussage „selbst aus dem ländlichen Raum. Und wenn man weiß, da ist nachts kaum noch Polizei unterwegs, und da fahren kaum noch Busse, gibt es kaum einen öffentlichen Nahverkehr mehr, dann sage ich: Mit ‧dieser Politik der vergangenen 20 Jahre muss Schluss sein. Da brauchen wir eine Kehrtwende, der Staat muss wieder eine stärkere Rolle spielen.“

Das häufigste Thema, immer wieder angesprochen bei seiner Reise am Dienstag durch Hessen, sei „Bauen, Wohnen, Mieten“ gewesen. Aber es gebe noch ein anderes, und zwar eine soziale Lösung für die jetzt beschlossene Regulierung der Renten über das Jahr 2020 hinaus. Da müsse sich die CDU einfach noch bewegen. „Ich will nicht, dass Generationen gegeneinander ausgespielt werden“, meint der 40-Jährige. „Das ist nicht das, wofür ich mal in die SPD eingetreten bin. Ich finde, die Grenzen verlaufen immer noch zwischen Arm und Reich und nicht zwischen Alt und Jung.“

Die Erkenntnis des Generalsekretärs: „Wenn wir bei solchen Fragen des sozialen Zusammenhalts wieder klarer werden, dann wird die SPD auch wieder stärker, da bin ich mir völlig sicher.“

Vom Bundespolitischen findet Klingbeil dann doch noch den Spagat zu Hessen. „So groß sind die Leistungen der CDU hier denn wohl doch nicht, wenn ich heute von den großen Problemen in Hessen im Bereich Bildung, Mobilität und auch auf dem Gebiet des Wohnungsbaus höre. Dann ist es Zeit, dass mal jemand rankommt, der einen Plan hat.“ Wen er meint, das spricht er auch aus: Thorsten Schäfer-Gümbel, Vorsitzender der hessischen SPD und deren Spitzenkandidat im Landtagswahlkampf.

Es ist keine reine Wahlkampfveranstaltung, sonst hätte Klingbeil natürlich flammender und länger geredet. Dass er das kann: keine Frage. Entspannung, Genuss und gute Gespräche seien ausnahmsweise angesagt, bei der Sommerlounge auf dem Gelände von Ahmet Cetiners Main-Kultur, wie Sebastian Maier, Fraktionsvorsitzender der Maintaler Sozialdemokraten, gleich zu Beginn meinte. Die SPD-Landtagskandidatin im Wahlkreis 41, Jutta Straub, war auch zu Gesprächen da, Ex-Landrat und SPD-Urgestein Karl „Charly“ Eyerkaufer und viele bekannte Gesichter nicht nur der Genossen, sondern auch aus anderen Parteien.

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