Martin Fischer, Partei- und Fraktionschef der Maintaler CDU, begrüßt die anstehenden Investitionen in ein neues Schwimmbad und Bürgerhaus, sieht aber Themen wie Digitalisierung und Klimaschutz bislang vernachlässigt. Foto: Martina Faust

Maintal

Sommergespräch: Martin Fischer (CDU) hinterfragt Entscheidungen

Maintal. Er humpelt sichtbar, als er auf den Eingang des Cafés zusteuert. Ein Urlaubsmitbringsel gewissermaßen. Denn Martin Fischer, Maintals CDU-Partei- und Fraktionschef, hat in den Sommerferien kräftig in die Pedale getreten. Bis an die Ostsee hat ihn die Radtour geführt.

Von Martina Faust

Doch kaum zurück, rebellierte der Körper gegen diese ungewohnte Beanspruchung. Aber Fischer winkt ab. „Ich bin bei einem guten Physiotherapeuten.“ Der ist Mitglied der SPD-Fraktion. Aber solche Dinge haben für Fischer keine Bedeutung. „Man kann doch unterschiedlicher Meinung sein“, sagt er.

Bei einigen großen Entscheidungen für millionenschwere Infrastrukturmaßnahmen wie die Neubauten eines Bürgerhauses und Schwimmbades war man sich in der Maintaler Stadtverordnetenversammlung hingegen weitgehend einig. „Wir sind auf einem guten Weg, dass wir diese Projekte anstoßen konnten“, sagt der Hochstädter. Maintal ohne Schwimmbad – für ihn undenkbar. „Wir sind eine Kommune mit knapp 44 000 Einwohnern. Dazu gehört ein Schwimmbad, als Freizeitangebot und um Schulschwimmen zu ermöglichen“, ist der Geschäftsstellenleiter der Kreis-CDU überzeugt.

Von "Quetschbebauung" hält er nichts

Dass in den jüngsten politischen Gremien Entscheidungen über gleich mehrere Großprojekte anstanden, hat seinen Grund: „Es gibt seit vielen Jahren einen Investitionsstau. Das rächt sich“, sagt Fischer. Doch er erachtet den Zeitpunkt, jetzt die entsprechenden Investitionen vorzunehmen, als sinnvoll. „Noch ist etwas Geld da.“

Auch für die Ausweisung neuer Baugebiete haben die Fraktionen in den zurückliegenden Monaten entscheidende Weichen gestellt. So stehen aktuell die Entwicklung der Dörnigheimer Eichenheege und der alten Gärtnerei am Berghof in Wachenbuchen an. Auf eben jenem Areal könnte sich der Hochstädter ein generationsübergreifendes Wohnen vorstellen, auch wenn dies bedeute, dass man den Platz nicht vollumfänglich nutzen könne.

Von der berühmten Nachverdichtung, die Fischer als „Quetschbebauung“ bezeichnet, hält er nichts. „Es gibt nichts Schlimmeres, als jemandem direkt vor die Nase ein Gebäude zu setzen, zumal dann häufig die Infrastruktur nicht nachkommt.“ Dann schon eher in die Höhe, wie beim von der CDU befürworteten Green Tower in Dörnigheim.

"Politik darf nicht starrsinnig sein"

„Wir brauchen Wohnungen“, macht er deutlich. Auch wenn im Stadtentwicklungskonzept nur vier Vollgeschosse festgelegt wurden. „Zu diesem Zeitpunkt wussten wir nichts von den Plänen für den Green Tower. Obwohl es die damals schon gab“, erklärt Fischer, der ehrenamtlich auch als Rentenberater tätig ist.

Dass ihm diese Abkehr von einem gemeinsam getroffenen Beschluss den Vorwurf mangelnder Glaubwürdigkeit einbringen könnte, möchte er so nicht stehen lassen. „Politik darf doch nicht starrsinnig sein, wenn sich Entwicklungen ergeben, die eine neue Erkenntnis zulassen. Man muss doch politische Entscheidungen immer wieder an den aktuellen Gegebenheiten messen.“ Seine Devise lautet daher: „Verlässlichkeit ja, aber Flexibilität, wenn es darauf ankommt.“

Dass die Informationen über das Bauvorhaben erst vom Investor an die Fraktionen herangetragen wurden, kreidet Fischer dem amtierenden Stadtrat Ralf Sachtleber übel an. In Verbindung mit dem Vorschlag des Magistrats, im geplanten Neubaugebiet an der Eichenheege von der verbindlichen Stellplatzsatzung abzuweichen und die Zahl der Parkplätze drastisch zu reduzieren, beschlossen die Christdemokraten, sich vom parteilosen Amtsinhaber abzuwenden. Sie wollen ihn bei der anstehenden Wahl nicht unterstützen.

"Die großen Themen werden bisher komplett vernachlässigt"

„Dieses Amt ist ein politisches Amt“, macht Fischer deutlich. Die Fachleute für die Ausführung der Aufgaben sieht er in der Verwaltung. An der Spitze der Stadt aber sollte seiner Meinung nach ein Politiker stehen. Und zwar nicht nur einer . . . Wenn es nach den Vorstellungen der CDU geht, soll ein zweiter Stadtrat installiert werden.

„Die Bewältigung der anstehenden und noch kommenden Aufgaben macht das unerlässlich. Die großen Themen Digitalisierung und Klimaschutz werden bisher komplett vernachlässigt. Und von den bereits getroffenen Entscheidungen sind 60 oder 70 Beschlüsse noch nicht abgearbeitet“, begründet Fischer die Notwendigkeit für den zusätzlichen Posten, auch wenn dies natürlich den städtischen Haushalt belaste. „Natürlich wird es keine leichte Aufgabe, zu vermitteln, dass es hier nicht um Postengeschacher geht, sondern die Notwendigkeit besteht.“

Wen er an der Spitze der Stadt gerne sehen würde, lässt Fischer offen. Gerne einen CDU-Vertreter. „Wir bieten den Menschen als CDU einen Rahmen und versuchen sie nicht wie die Grünen zu erziehen. Ich habe das Gefühl, dass viele so denken wie wir“, sagt Fischer. Also vielleicht der Chef der Maintaler Christdemokraten selbst? Da lächelt er. Vielsagend. „Es geht darum, Menschen bei Entscheidungen mitzunehmen. Das ist Politik“, unterstreicht er, dass ihm Sachentscheidungen wichtiger als Personaldebatten sind.

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