Klassischer Gardetanz ist nur ein Standbein des Karnevalvereins. Foto: PM

Maintal

Sieben Hochstädter gründeten 1908 die Karneval-Gesellschaft Käwer

Maintal. 111 Jahre ist es her, seit am 3. März 1908 bei Rindswurst, Brot und Äppelwoi in der Gaststätte „Strohl“ die Karneval-Gesellschaft „Käwer“ aus der Taufe gehoben wurde. Sieben Hochstädter wagten das Unterfangen.

Von Martina Faust

Ob tatsächlich 111 Kerzen brennen werden, das wird noch diskutiert – zusammen mit der Frage, wer den nötigen langen Atem hat. Aber dass zum Geburtstag eine Schwarzwälder Kirschtorte serviert wird, das steht bereits fest. Denn die Traditionstorte darf auf keinen Fall fehlen, wenn die Karnevalisten mit dem Marienkäfer als Maskottchen ihr närrisches Jubiläum feiern.

111 Jahre ist es her, seit am 3. März 1908 bei Rindswurst, Brot und Äppelwoi in der Gaststätte „Strohl“ die Karneval-Gesellschaft „Käwer“ aus der Taufe gehoben wurde. Sieben Hochstädter wagten das Unterfangen. Als die „Glorreichen Sieben“ gingen Philipp Strohl, Andreas Stang, Heinrich Klees II., Heinrich Jost I., Hermann Brenneis, Philipp Eibelshäuser und Peter Reuss in die Annalen ein.

Das Startkapital betrug damals 5,54 DM und wurde sogleich in ein Hauptbuch, ein Ausgabenbuch und Stempel investiert. „Wie sich das gehört. Ein Stempel muss sein“, muss Heidi Hehrlein über dieses historische Detail schmunzeln. Sie ist Vorsitzende des Programmausschusses, eine feste Bühnengröße und – ebenso wie Corina Wachtfeitl – Mitglied jenes Ausschusses, der seit anderthalb Jahren die Jubiläumsfeierlichkeiten vorbereitet.

Erinnerung an die Vereinsgründung

Keine Frage, es waren andere Zeiten, damals, vor 111 Jahren, als die Vereinsaktivitäten vor allem aus Tanzabenden bestanden, bei denen für einen Tanz nach Schallplatte fünf Pfennig Tanzgeld gezahlt werden mussten, und für einen Maskenball noch Gewehre für 14 DM gekauft wurden und eine Lustbarkeitssteuer fällig wurde.

Eng ist die 111-jährige Historie der Käwern mit dem zeitgeschichtlichen Geschehen verknüpft, sorgen die beiden Weltkriege für schmerzvolle Verluste in den Reihen der Mitglieder, Inflation und Währungsreform für Turbulenzen – auch im Kassenbuch.

Über viele Jahre richten die Käwern vor allem Tanzabende und Maskenbälle sowie das traditionelle Rindswurstessen in Erinnerung an die Vereinsgründung aus. Zwischenzeitlich gibt es noch einen Mai- und Oktoberball oder das sagenumwobene „Likörstübchen“. Bis Fastnachtssitzungen fest im Jahresprogramm verankert sind, dauert es. Zwar fand 1939 die erste Sitzung statt, aber erst in der Nachkriegszeit entwickeln sich diese zu einer festen Größe.

Es ist eine bewegte Geschichte, mit vielen Premieren und großen Namen, die untrennbar mit der Entwicklung des Vereins verknüpft sind. Zu nennen wären beispielsweise der Ehrenvorsitzende Norbert Worret, die Ehrenpräsidenten Rolf Böhlke und Heinz Jost oder die Urgesteine Manfred „Männe“ Wex und Ferdi Röll sowie der langjährige Vorsitzende Michael Weinheimer, der bleibenden Eindruck hinterlassen hat.

Roter Faden

Was sich wie ein roter Faden durch die Käwern-Historie zieht, sind die familiären Bande zwischen den Mitgliedern. „Der Verein ist klein und heimelig, eine Gemeinschaft, die gepflegt wird. Man kennt sich und hilft sich“, sagt Corina Wachtfeitl, die durch Freundinnen seit ihrer Jugend mit den Käwern verbunden ist, aber erst 2004 durch ihre Tochter im Verein aktiv wurde.

Tatsächlich tragen die Käwern zwar den Karneval in ihrem Vereinsnamen, aber die Aktivitäten gehen weit über die klassischen Faschingssitzungen hinaus. So initiierte der Verein eines der ersten Kartoffelfeste in der Region – bis heute eine feste Größe. Hinzu kommen Hoffest, die Teilnahme am Weihnachtsmarkt und natürlich die Vorbereitungen für die närrischen Veranstaltungen – vom Nähen der Kostüme bis hin zu Technik oder Bauausschuss. „Dafür lassen sich vor allem die Jungs begeistern und bleiben dem Verein so erhalten“, sagt Heidi Hehrlein, die 2001, ebenfalls durch ihre Tochter, den Weg zu den Käwern fand.

Der Blick in die Zukunft, also in die nächsten 111 Jahre, ist der Blick auf die Jugend. „Wir müssen die Jungen begeistern“, sagt Hehrlein, und Wachtfeitl ergänzt: „Und wir müssen sie halten. Gerade im Jugendalter wird das schwierig.“ Entsprechend wagen die Käwern immer mal wieder Neues, um den Zeichen der Zeit gerecht zu werden. In der diesjährigen Jubiläumskampagne gab es deshalb erstmals eine Stehung als Mischung aus Programmbeiträgen und lockerer Partystimmung. „Das kam gut an. Ich denke, dass der Trend in diese Richtung geht: schneller und kürzer“, sagt Hehrlein.

Bei der Gestaltung ihrer Sitzungen setzen die Käwern vor allem auf Lokalkolorit und handgemachte Beiträge. Das gilt ebenfalls für die Jubiläumsfeierlichkeiten, die natürlich vom Jubiläumsmaskottchen begleitet werden: dem „Hundert-Elf“ Moritz Kolb.

Das Jubiläumsprogramm zu 111 Jahre Käwern

Der Feiermarathon zu 111 Jahr Käwern startet am Freitag, 24. Mai, ab 17 Uhr unter dem Motto „Feiern unter Freunden“. Gemeinsam mit den Mitgliedern, befreundeten Vereinen und allen Hochstädtern wird von 18 bis 22 Uhr auf dem Tanzplacken mit der Band Backround eine große Party gestartet. Kulinarisch wird ofenfrisches Spanferkel geboten. Die Käwern präsentieren außerdem den ersten Maintaler Gin „Chicken Hill“. Landrat Thorsten Stolz wird als Schirmherr die erste Flasche signieren und versteigern. Um 17 Uhr beginnt am Käwernhof das Lauftheater Hochstädter Geschichte(n), das ebenfalls am Samstag um 17 Uhr sowie am Sonntag um 16 Uhr stattfindet.

Am Samstag, 25. Mai, wird ab 17 Uhr der Tanzplacken einmal mehr seinem Namen gerecht: Die elfköpfige Band Beat Notes wird dem Publikum ab 18 Uhr ordentlich einheizen. Zwischen den einzelnen Gigs wird der Musik-Kabarettist und Stand-up-Comedian Andy Ost einen Nonstop-Angriff auf die Lachmuskeln vornehmen. Für kulinarische Leckereien und Getränke sorgen die Gastgeber.

Der Sonntag, 26. Mai, beginnt um 11 Uhr mit einem Gottesdienst, den der Limes-Gospelchor musikalisch begleitet. Anschließend spielt das Blasorchester Wachenbuchen zum Frühschoppen auf, bei dem neben der 111-Festwurst auch Spiele für Groß und Klein angeboten werden. Bei Kaffee und Kuchen gibt es danach Tanz und Theater auf dem Tanzplacken.

Zum Ausklang des Festwochenendes gibt es ab 17 Uhr einen gemütlichen Dämmerschoppen mit der Band Backround zusammen mit den Worschtlern. An allen Tagen ist der Eintritt frei. Die Käwern freuen sich daher auf viele Partygäste. das

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