Vor dem Landgericht sollte am Montag´ein Prozess wegen eines Raubüberfalls in Wachenbuchen beginnen, aber der Angeklagte tauchte nicht auf. Archivfoto: Becker

Maintal/Hanau

Schwerer Raub in Maintal: Mutmaßlicher Täter hat sich abgesetzt

Maintal/Hanau. Am Montagmorgen ist ein Prozess wegen schweren Raubes an einer Maintalerin vor der 2. Schwurgerichtskammer des Landgerichts Hanau unter Vorsitz von Richterin Susanne Wetzel, Präsidentin des Landgerichts, geplatzt.

Von Rainer Habermann

Der Angeklagte erschien trotz Ladung nicht, sondern hat sich möglicherweise in seine Heimat, die Ukraine, abgesetzt. Nach ihm wird jetzt mit Haftbefehl gefahndet.

Erschienen waren aber Oberstaatsanwalt Jürgen Heinze, das Gericht sowie der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Wolfgang D. Schwemmer aus Bayreuth, und eine Dolmetscherin für Russisch und Ukrainisch. Somit ist der Prozess aufgerufen, obwohl in den Sternen steht, wann er beginnen kann – oder ob überhaupt.

Ein Verfahren ohne den Beschuldigten: Das ist in Deutschland nicht möglich. Selbst der Bayreuther Anwalt habe „seit Wochen keinen Kontakt mehr mit dem Mandanten“, wie er kundtat. Auch seine Ehefrau nicht, die nach wie vor am letzten gemeldeten Wohnsitz in Neustadt (Bayern) lebt, und der er per Telefon mitgeteilt habe, er wolle „in seine Heimat zurückkehren“. Auch dies vor einigen Wochen.

Der Beschuldigte hat sich also seinem Prozess entzogen. Bei einer Anklage wegen schweren Raubes müsse der Täter im Falle einer Verurteilung mit einer Mindesthaftstrafe von drei Jahren rechnen, wie Heinze erklärt. Deshalb sei auch das Landgericht zuständig. Ob allerdings die ukrainischen Behörden den Haftbefehl umsetzen und tätig werden, das sei bei dem Delikt fraglich. Und darauf hat die deutsche Justiz auch recht wenig Einfluss. So bleibt eine Tat zunächst ungesühnt, die bereits im Jahr 2014 stattgefunden hat und an Gewaltausübung wenig zu überbieten ist.

Der Täter hatte am 20. Februar jenes Jahres gegen 9.30 Uhr an der Haustür der Geschädigten in der Lortzingstraße in Wachenbuchen geklingelt. Als sie öffnete, habe der Täter sie brutal an den Händen gepackt, sie ins Haus gedrängt, mit Klebeband gefesselt und dem Opfer mehrfach mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Körperverletzung ist somit ebenfalls angeklagt. Sodann habe er sie in ihrer Dusche eingeschlossen und das Haus auf Wertsachen durchsucht. Der Räuber wurde fündig: mehrere Schmuckstücke, ein Goldbarren, ein I-Phone, wie Richterin Wetzel die Liste der entwendeten Gegenstände vorliest.

Das Tragische an diesem Fall: Die Geschädigte ist mittlerweile verstorben. Aber wohl nicht durch die unmittelbaren Einwirkungen am Tattag. Sonst wäre der Strafrahmen noch einmal ungleich höher. Doch wer weiß: Dies alles – oder sogar die Unschuld des Ukrainers – kann nur ein Prozess klären.

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