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Schüler der Intensivklasse sind hoch motiviert

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Mehr als die bisher eine Intensivklasse an der Albert-Einstein-Schule sind aus Kapazitätsgründen nicht möglich. Foto: Faust
Mehr als die bisher eine Intensivklasse an der Albert-Einstein-Schule sind aus Kapazitätsgründen nicht möglich. Foto: Faust

Maintal. Es ist ein wichtiger Schritt zur Integration: Anfang November hat die Albert-Einstein-Schule eine Intensivklasse für Flüchtlingskinder eingerichtet. Das erste Zwischenfazit fällt positiv aus: Die Schüler sind hoch motiviert, wollen unbedingt deutsch lernen.

Von Martina Faust

Die Finger schnellen in die Höhe. Jeder möchte gerne seine Hausaufgaben präsentieren. Kein alltäglicher Anblick in einem deutschen Klassenzimmer. „Bei uns schon“, sagt Patrick Fischer. Er unterrichtet eine Intensivklasse, die Anfang November für Flüchtlingskinder an der Albert-Einstein-Schule eingerichtet wurde.

„Es ist eine Herausforderung für das deutsche Schulsystem“, sagt Schulleiter Claus Wörn und meint die Integration von Kindern nichtdeutscher Herkunftssprache (NDHS), so der Fachbegriff. Insbesondere Gymnasien hält er für bedingt geeignet für das Vorhaben.Realität holt Theorie ein„Wir können nur eine Schulform anbieten. Wenn in zwei Jahren der Anspruch auf Beschulung in einer Intensivklasse erlischt und die Klassenkonferenz über die gymnasiale Eignung der Schüler entscheidet, wird für einige möglicherweise ein Schulwechsel anstehen. Und das ist immer schwierig“, sagt Wörn.Doch die Realität hat die Theorie eingeholt. Die benachbarte Erich-Kästner- sowie die Werner-von-Siemens-Schule in Dörnigheim, die alle Bildungsgänge unter einem Dach vereinen, haben bereits jeweils drei Intensivklassen. „Mehr werden pro Schule nicht eingerichtet, weil Integration sonst nicht gelingen kann. Daher war es nun an uns, ebenfalls soziale Verantwortung zu übernehmen und eine Intensivklasse anzubieten“, erklärt Claus Wörn.Unterschiede und GemeinsamkeitenZwei Jahre lang können maximal 16 Kinder zwischen zehn und 16 Jahren in einer solchen Klasse beschult werden. Da ist die Spanne in jeglicher Hinsicht groß. Von den 14 Jungen und Mädchen in der Intensivklasse des Maintaler Gymnasiums, die aus Spanien, Serbien, Rumänien, Afghanistan, dem Iran und Irak kommen, haben einige in ihrer Heimat bereits regelmäßig die Schule besucht, andere sind noch gar nicht alphabetisiert, weil sie nie eine Schule besuchen durften oder konnten.Doch trotz aller Unterschiede gibt es auch Gemeinsamkeiten. „Die Schüler sind hoch motiviert. Sie wollen Deutsch lernen, sind immer pünktlich und machen ganz selbstverständlich ihre Hausaufgaben“, erzählt Patrick Fischer. 22 Wochenstunden Deutsch gestaltet er in der Klasse.Sport ideal für Integration „In dieser Zeit lässt sich intensiv arbeiten“, sagt er, und ein kurzer Einblick in den Unterricht zeigt die enormen Fortschritte der Schüler in den drei Wochen seit Bestehen der Klasse. Sie können bereits alltägliche Gegenstände benennen, einfache Sätze bilden und verwenden die Präpositionen richtig und sicher. Ohne erkennbare Schwierigkeiten folgen sie den Anweisungen ihres Lehrers, der den Unterricht konsequent auf Deutsch gestaltet.Ergänzend zum Deutschunterricht steht auch Sport auf dem Stundenplan. „Sport ist das erste Einstiegsfach und bietet sich ideal für die Integration an“, erläutert Wörn. Aufgrund ihrer Vorkenntnisse besuchen einige Schüler seit wenigen Tagen auch schon den regulären Englischunterricht.Alltag klappt hervorragendDoch für den Wechsel in den Regelunterricht möchte Wörn den Schülern Zeit geben. „Wenn dies zu früh erfolgt, ist erfahrungsgemäß die Frustration groß, weil sie im Unterricht nicht mitkommen“, erläutert er. Stattdessen stehen zunächst Auf- und Ausbau der Deutschkenntnisse im Fokus. „Das ist der Schlüssel zur Integration“, so der Schulleiter.Am Einsteingymnasium klappt das im Alltag schon hervorragend. „Unsere Schüler zeigen großes soziales Engagement und viel Eigeninitiative, wenn es um die Flüchtlingskinder geht. So haben sich schnell Paten gefunden, die die gleiche Sprache sprechen und die Kinder im Schulalltag begleiten“, erläutert Wörn, der in dieser Hinsicht von einem Gewinn für die Schule spricht, auch wenn es in vielerlei Hinsicht eine große Herausforderung ist. „Eine weitere Intensivklasse könnten wir aber schon aufgrund der räumlichen Kapazitäten nicht aufnehmen“, so der Schulleiter.

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