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Schritt in Richtung Inklusion: Schüler lernen voneinander

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23 Kinder der Klasse 1c der Wilhelm-Busch-Schule und sechs Jungen und Mädchen der G1 der Friedrich-Fröbel-Schule lernen in einem Kooperationsprojekt mit- und voneinander. Foto: Faust
23 Kinder der Klasse 1c der Wilhelm-Busch-Schule und sechs Jungen und Mädchen der G1 der Friedrich-Fröbel-Schule lernen in einem Kooperationsprojekt mit- und voneinander. Foto: Faust

Maintal. Es ist ein Schritt in Richtung Inklusion: Seit etwa sechs Jahren machen die Dörnigheimer Grundschule und die benachbarte Förderschule in der Trägerschaft der Stadt Hanau gemeinsame Sache. Im Musik-, Sport- und Kunstunterricht begegnen sich Busch- und Fröbelschüler, lernen miteinander – und vor allem voneinander.

Von Martina Faust

Hasen, Füchse und Bären haben sich in der Aula der Friedrich-Fröbel-Schule in Maintal versammelt. Gemeinsam proben sie für die Aufführung eines Klangprojekts. Mit Trommeln, Triangel, Xylophon und weiteren Instrumenten untermalen die Schüler hinter den Masken die Geschichte „Es klopft bei Wanja in der Nacht“.

Es ist nicht irgendeine Aufführung, die hier intensiv vorbereitet und am Donnerstag vorgestellt wird. Es ist eine besondere. Denn es handelt sich um ein gemeinsames Projekt des kooperativen Musikunterrichts der Friedrich-Fröbel- und Wilhelm-Busch-Schule.Fragen und Gefühle thematisiert Seit etwa sechs Jahren machen die Dörnigheimer Grundschule und die benachbarte Förderschule in der Trägerschaft der Stadt Hanau gemeinsame Sache. Im Musik-, Sport- und Kunstunterricht begegnen sich Busch- und Fröbelschüler, lernen miteinander – und vor allem voneinander.„Am Anfang waren unsere Schüler sehr aufgeregt und neugierig, aber auch ängstlich, wenn sie auf das fremde Gelände der Fröbelschule kamen und dort in den gemeinsamen Pausen auch auf ältere Schüler und unterschiedliche Ausprägungen der Beeinträchtigungen trafen“, erzählt Jessica Keyser, Lehrerin der 1c der Buschschule. Daher habe sie die Fragen und Gefühle der Kinder im Unterricht thematisiert und damit gute Erfahrungen gemacht. „Die Kinder bauen schon früh Vorurteile ab“, sagt sie.Normalität und Dynamik Elisabeth Görgen, Leiterin der Friedrich-Fröbel-Schule, die sich der Förderung der geistigen, körperlichen und motorischen Entwicklung verschrieben hat, nickt bestätigend. „Das unmittelbare Erleben ist etwas ganz anderes als das Beobachten aus der Ferne“, fügt sie an.Und natürlich profitieren auch die Fröbelschüler von dem Kontakt. „Sie wachsen am Beispiel der anderen Kinder über sich hinaus, werden selbstständiger und erfahren die Normalität und Dynamik einer großen Gruppe. Ein Erlebnis, das ihnen im Alltag oft verwehrt bleibt, wo sie vielfach auf Hilfe und Begleitung angewiesen sind“, berichtet Monika Böttner, Lehrerin der G1 der Friedrich-Fröbel-Schule.Zusammenarbeit ist wichtigAuf dem Pausenhof der Förderschule, wo sich die Schüler der 1c und der G1 nach der Generalprobe gemeinsam austoben, lässt sich das gut beobachten. Im gemeinsamen Spiel verblassen die scheinbar trennenden Unterschiede. Für den außenstehenden Beobachter ist es fast unmöglich zu unterscheiden, welches Kind Fröbel- und welches Buschschüler ist.Dass die Kooperation so gut funktioniert, verdankt sich vor allem der eingespielten Zusammenarbeit von Jessica Keyser und Monika Böttner. „Für uns ist es bereits der zweite Durchgang“, erzählen beide. Sie haben in der Vergangenheit zwei Klassen vom ersten bis zum vierten Schuljahr in einer solchen Kooperation zusammengeführt und erleben die Zusammenarbeit schlichtweg als „toll“, so die gemeinsame Aussage."Offen für Neues"Es ist ein wichtiger Schritt in Richtung Inklusion, also der gemeinsamen Beschulung von Kindern mit und ohne Beeinträchtigung, die aus Sicht von Elisabeth Görgen gerne noch schneller voranschreiten könnte, aber oft an den verfügbaren Ressourcen – vor allem am Personal – scheitert. Umso erfreuter ist sie über die konstruktive Zusammenarbeit mit der benachbarten Buschschule.Denn über den gemeinsamen Musik-, Sport- und Kunstunterricht hinaus besucht ein Fröbelschüler den regulären Deutschunterricht der Buschschule, ein weiterer nimmt am Mathematikunterricht teil. Ergänzend gibt es eine gemeinsame Projektwoche zum Laternenfest und die Bundesjugendspiele im Frühsommer.„Wir sind jederzeit offen für Neues. Aber unsere flexible Tagesstruktur macht es uns leichter, solche Kooperationen einzugehen“, erklärt Görgen, die sich wünscht, dass dieses Beispiel sprichwörtlich Schule macht.

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