Schnallen, die den Trägern gefallen: Aus Aluminium fertigt Wilhelm Völp besonders gern. Auf Bestellung setzt er aber auch (fast) jedes andere Material in eine individuelle Gürtelschnalle um. Baby-Fußabdrücke oder Hundepfoten hat der Maintaler Designer mit Werkstatt in Langenselbold schon gefertigt. Foto: Christian Balke

Maintal/Langenselbold

Schmied von Schnallen und Schneiden

Maintal/Langenselbold. Design ist die Kunst, Funktion und Form miteinander zu verbinden. Sprich: Wilhelm Völps Gürtelschnallen sorgen zwar dafür, dass Hosen nicht der Versuchung verfallen, der Schwerkraft zu folgen.

Von Christian Balke

Sie sehen aber auch noch einzigartig aus: „Sind ja auch Unikate“, sagt der 64 Jahre alte Designer, der seit 40 Jahren in Maintal lebt, „und hinter jeder Gürtelschnalle steht ein klares Konzept.“

Der Maintaler Designer hat zum Ortstermin nach Langenselbold geladen. In einer kleinen Seitenstraße steht dort, für Passanten von außen nicht einsehbar, ein regelrechtes Heimat- und Handwerksmuseum – Völp darf den 200 Jahre alten Fachwerkbau sein Elternhaus nennen, er betreibt seine Werkstatt dort. Umkränzt von altem Baumbestand, Walnuss- und Pflaumenbäumen, mit plätschernder Zisterne im dicht zugewucherten, wilden Garten, empfängt der verheiratete Vater zweier erwachsener Söhne den Besuch.

Ein Mammut-Zahn, oder besser, dessen fossiler Abdruck, ziert diese Aluminium-Gürtelschnalle. Foto: Christian Balke

„Hessisch' Toskana“ möchte man das Ambiente taufen und abschweifen in die Lustwandelei – doch ist der Grund des Besuches ein anderer: „Es war ungefähr im Jahr 2011“, sagt der scheinbar tiefenentspannte Mittsechziger, der auch als Mittvierziger durchgehen würde, „da habe ich mit meiner Frau in Hanau auf dem Straßenfest einen Gürtel kaufen wollen.“ Die Schnalle sei schön gewesen, aber wie der Gürtel auch von minderer Qualität: „Da habe ich mir gesagt: Das kannst du besser!“ Damals habe er angefangen, zu experimentieren. Und nach und nach die alte Werkstatt des Großvaters und des Vaters im alten Haus in Langenselbold wieder in Betrieb gesetzt.

Hier waren die Völps als Schreiner Generationen lang tätig. Davon zeugt auch die alte Spanplattenpresse, die eigentlich ins Museum gehörte, wie zwei Drittel der atemberaubend schönen, alten technischen Ausstattung auch.

Hier, in der alten Familien-Werkstatt, testete Völp Materialien und Fertigungstechniken aus: „Bis ich zum Aluminium kam“, sagt der Hundefreund, der neben dem Gespräch mit dem Redakteur seinen verspielten Dobermann-Rüden bei Laune hält. „Aluminium ist leicht, gut zu verarbeiten, beständig und stabil“, lobt der Designer die Vorteile des Leichtmetalls, aus dem er die Gürtelschnallen in Formen gießt: „Zuerst spreche ich mit den Kunden über deren Wünsche, über ein Konzept, dann wird die Form gestaltet und gegossen.“

Meditativer Prozess bei der Herstellung

Anschließend wird ein geeignetes Leder ausgewählt und weiter verarbeitet: „Die handwerklichen Fertigkeiten zum gesamten Prozess habe ich mir angeeignet.“ Neben Gürteln mit Schnallen, die man einfach bei ihm kaufen kann, fertigt er viel auf Bestellung. Hundepfoten-Gürtelschnallen, Babyhand-Abdrücke auf Gürtelschnallen, Vereinslogos: „Da sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.“

Es mache ihm große Freude, sagt Völp, immer neue Ideen zu entwickeln: „Und diese mit den wunderbarsten Materialien umzusetzen – das macht einfach Spaß, und gibt dem Produkt 'Gürtel' eine neue Dimension.“ Als „Kunststück“, wie der Designer mit „Museums“-Werkstatt sagt, „Unikat und Kultgegenstand, der einen packen kann.“

Ein Trendsetter war er damals mit seiner Idee. Denn die großen, exklusiven internationalen Modelabels begannen streng genommen erst später, ihr Sortiment um hochwertige und -preisige Gürtel zu erweitern. Völp ging seinen eigenen Weg, wohlwissend, das Design sich durch Einzigartigkeit und einen hohen Wiedererkennungswert auszeichnet. Er gründete das Modelabel „Anaconda“, wo er nach wie vor Wert legt auf Form und Funktion: „Das zeigt der von mir entwickelte und patentierte Gürtel mit dem neuen Verschluss-System: Ist neu und stylisch.“

Packen kann ihn nach wie vor auch eine zweite Leidenschaft, für die er schon als Kind geschwärmt habe: Neben dem Design von Gürtelschnallen spezialisierte sich Völp, der im Hauptberuf Grafikdesigner ist, auf die Herstellung qualitativ hochwertigster Messer. Wobei „Herstellung“ eigentlich das falsche Wort ist, handele es sich dabei doch um einen regelrecht meditativen Prozess: „An einem Messer kann man ewig lang arbeiten, da gibt es immer noch ein Detail zu verbessern.“

Messer von großer Robustheit und Schärfe: Beim Maintaler Designer können Seminar-Teilnehmer sich ein Wochenende lang ihr "Traum-Messer" selbst gestalten. Foto: Christian Balke

Eigentlich sei das fast schon Kunst, so ein Messer entstehen zu lassen, sagt der Maintaler. Hochwertigste Stähle verarbeitet er in seiner Werkstatt zu Schneidewerkzeugen, die ein Leben lang halten sollen: „Eigentlich braucht man im Leben nur ein Messer. Aber ein gutes.“

Aus dem hundertfach gefalteten Damaszener-Stahl mit dem klassischen Wellenmuster auf der Klinge fertigt er Küchenmesser, die bei den Küchenchefs an Main und Rhein als Geheimtipp im Einsatz sind: „Alles, was von großen Marken kommt, ist letztlich doch Massenware. Bei mir entstehen nur Einzelstücke.“

Den Traum vom „Messer fürs Leben“ können sich Freunde der Messerkunst auch gemeinsam mit Wilhelm Völp verwirklichen. In Seminaren im Langenselbolder Haus bietet der Maintaler dies regelmäßig an: „Informationen zu Anmeldung und Preisen stehen auf auf meiner Website.“›› anaconda-guertel.de

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