Maintal

Salami für den Kirchturm

Maintal. Auch im gerade vergangenen Jahr konnte das traditionelle Turmblasen am 31. Dezember nicht vom Kirchturm der Bischofsheimer evangelischen Kirche erklingen. Das Gelände am schmalen Turmbalkon ist marode und nicht das einzige, was laut Pfarrer Jens Heller an dem Turm renovierungsbedürftig ist.

Von Monica Bielesch

Aber in diesem Jahr soll das Bauwerk endlich saniert werden. Dafür sammelt der Kirchenvorstand unter anderem auch mit einer Glockensalami Spenden.

Jeden Freitag breitet sich das Markttreiben auf dem Marktplatz von Bischofsheim zu Füßen des Kirchturms aus. Vom Turm aus sind unten nicht nur die bunten Marktstände sondern in weiter Ferne auch die Skyline von Frankfurt zu bewundern.

Die großen Schäden kommen erst oben

Bis sich diese Weitblicke auftun, ist es eine Plackerei, denn bis ganz nach oben braucht es eine lange und mühsame Kletterei über viele Leitern und schmale Stiegen. „Der untere Teil des Turms ist noch in gutem Zustand“, meint Pfarrer Jens Heller, und erläutert anhand des Mauerwerks die Konstruktionsweise des Turms. „Die großen Schäden kommen erst ganz oben.“

Auf diesem Weg nach oben erzählt Heller die wenigen Fakten, die über den Turm bekannt sind: Dass er im Zweiten Weltkrieg bombardiert worden und ausgebrannt ist. Stark verrußte Holzbalken zeugen noch von diesen Kriegszeiten. Oder dass die Erbauer mit einem Gerüst an den Innenwänden gearbeitet haben und die nach oben immer kleiner werdenden Steine dem mühsamen Hinaufschleppen geschuldet sind. Der Lokalhistoriker Peter Heckert vermutet, dass die Kirche samt Turm um das Jahr 1450 entstanden ist.

Es besteht wirklich Handlungsbedarf

Oben angekommen zeigt Heller auf abblätternden Putz. Im Mauerwerk befinde sich ein Ring aus Metall, erläutert er. „Durch Feuchtigkeit korrodiert dieser Ring und drückt von innen durchs Mauerwerk und den Putz.“ Durch einen schmalen Durchgang geht es schließlich nach draußen. Aber Vorsicht: „Das Gelände ist nicht mehr betriebsfähig“, erzählt der Pfarrer, „die Verankerungen sind rostanfällig.“

Und auch außen an der Turmspitze platzt großflächig der Putz ab. „Da besteht wirklich Handlungsbedarf.“ Auch auf dem Turmhelm liegt einiges im Argen: So sind die Schieferschindeln porös und brüchig und müssen alle erneuert werden. „Und erst wenn die Schindeln ab sind, sehen wir den Zustand des Holzgebälks.“

Kirchturm auch auf dem Markt präsent

Auf insgesamt 500 000 Euro wird die Sanierung des Turms geschätzt. Den Hauptanteil dieser stolzen Summe kann die Gemeinde dank Rücklagen selbst tragen. Zudem rechnet der Kirchenvorstand damit, Mittel aus dem Landesdenkmalschutz und von der Landeskirche zu erhalten und hat errechnet, dass die Gemeinde am Ende noch 75 000 Euro aufbringen muss. In einem Spendenbrief hat der Kirchenvorstand vor wenigen Wochen zu diesem Zweck um Spenden gebeten – und ist damit auf große Resonanz gestoßen, berichtet Heller. Über 14 000 Euro kamen bereits zusammen. „Das zeigt doch, dass unser Kirchturm den Menschen in Bischofsheim etwas bedeutet“, freut sich der Pfarrer.

Auch am Marktstand von Metzger Alexander Neun ist der Kirchturm präsent. Neun, der schon als Kind mit seinem Vater und seinem Großvater zum Bischofsheimer Markt gekommen ist, hat extra eine Glockensalami erfunden, um die Sanierung des Turms zu unterstützen.

Arbeiten sollen im Winter 2018 abgeschlossen sein

Denn ein Teil des Verkaufserlöses der herzhaften Salami fließt dem Kirchturm zu. „Pfarrer Heller hat mich angesprochen und wir sind gemeinsam auf die Idee gekommen“, berichtet Metzger Neun. Bereits mehr als 50 Stück hat Neun von der haltbaren Salami in Form einer Glocke verkauft. Und die Nachfrage steige. Bereits Ende Februar kommenden Jahres sollen die Arbeiten am Turm laut Heller mit dem Aufbau des Baugerüsts beginnen. „Das ist überhaupt der größte finanzielle Posten.“ 160 000 Euro kostet alleine dieses Baugerüst. Eine eigene Baugenehmigung sowie ein eigenes Gutachten zur Statik schlagen hier zu Buche, so der Pfarrer.

Zum Winter 2018 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Um die geplante Bauzeit einzuhalten, werde bereits jetzt jeder Bauabschnitt intensiv geplant. Ein bauleitender Ingenieur unterstützt die Gemeinde dabei. Pfarrer Heller ist sichtlich froh, dass die Sanierung in absehbarer Zeit nun angegangen wird. „Das ist eine sinnvolle Maßnahme für die kommenden Generationen.“

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