Udo Dill betreibt die Rumpenheimer Fähre. Wir haben mit ihm über die Havarie der Konkurrenz (Bild rechts) gesprochen. Fotos: Jan Max Gepperth/Christian Balke

Maintal

Das sagt der Rumpenheimer Fährbetreiber zur Havarie der Mainfähre

Maintal. „Schuster, bleib bei deinem Leisten.“ So fasst Udo Dill eine der Hauptursachen für die Havarie der Mühlheimer Fähre zusammen. Damit meint der Betreiber der Rumpenheimer Fähre vor allem Mahir Kolbüken, den neuen Pächter der MS Dörnigheim.

Von Jan Max Gepperth

Der gelernte Versicherungsmakler Kolbüken hatte die Fähre zwischen Mühlheim und Dörnigheim übernommen, bei der es nur fünf Stunden nach der Wiederinbetriebnahme des Fährverkehrs zu einer Havarie kam.

Nun sieht sich Kolbüken mit schweren Vorwürfen konfrontiert. So soll Kolbüken wissentlich ohne Fährpatent gefahren sein, nachdem der einzige echte Fährmann, Bernd Schwander, von Bord gegangen ist. Der Betreiber weist diese Vorwürfe zurück und erklärt, dass sich Schwander ohne Erlaubnis und Rückmeldung von der Fähre entfernt habe. Daher habe Kolbüken keine Kenntnis darüber gehabt, dass kein Patentinhaber an Bord war.

„Man muss doch nur einmal nachdenken“

Udo Dill hält Kolbükens Erklärung in diesem Kontext für nicht schlüssig. Für ihn sei es unlogisch, dass man nicht bemerket, wenn ein Mitarbeiter verschwindet. „Vor allem darf derjenige, der die Fähre steuert, nur fahren, wenn Schwander neben ihm steht und ihm alles erklärt. Das merkt man doch, wenn der nicht da ist“, stellt Dill klar und führt weiter aus: „Außerdem: Wenn er die hydraulische Rampe hochzieht, muss er ja zwangsläufig nach hinten schauen. Da hätte man Schwander ja noch laufen sehen müssen.“

Generell hat der Rumpenheimer Fährmann Zweifel an Kolbükens Gesamtkonzept. „Man muss doch nur einmal nachdenken“, beginnt Dill, „er hat anscheinend nur einen Mitarbeiter mit Patent als Aushilfe beschäftigt. Und trotzdem will er täglich 15 Stunden lang fahren. Das kann doch gar nicht aufgehen.“

Bürgerinitiative spielte eine wichtige Rolle

Doch selbst wenn Schwander nicht der Einzige mit Fährpatent gewesen wäre, so hätten die Mitarbeiter Kolbükens, so Dill, noch einige Zeit gebraucht. „Jede Fähre ist anders. Da ist es egal, wie viel Erfahrung man im Allgemeinen hat. Ich würde mir auch nicht zutrauen, die Mühlheimer Fähre zu fahren, ohne dass die ganze Zeit jemand daneben steht, der das Ding kennt“, fasst der Fährmann zusammen, der bereits seit 1976 über ein Fährpatent verfügt.

Als einen weiteren Faktor sieht Dill jedoch die Bürgerinitiative Mainfähre. „Durch ihre Aktionen hat die Bürgerinitiative das öffentliche Bild stark geprägt. Daher waren die Politik und Verwaltung gezwungen zu reagieren.“

„Doch ich bezweifle, dass man so viele Leute auf einmal findet.“

Sowohl der Main-Kinzig-Kreis als auch der Kreis Offenbach investierten gemeinsam rund 90 000 Euro in die Wiederinstandsetzung der MS Dörnigheim. Zudem wurden Kolbüken von Mühlheim und Maintal jeweils 25 000 Euro jährlich zugesagt, sollte dieser ein entsprechendes Defizit erwirtschaften. Dill, der die Rumpenheimer Fähre gemeinsam mit seinem Bruder vom Vater übernommen hat, trägt das wirtschaftliche Risiko alleine. Allein für die Restaurierung seines Decks musste er beispielsweise 70 000 Euro exklusive Mehrwertsteuer nur an die Werft zahlen. Diese Arbeiten finanzierte er vollständig aus eigener Tasche.

Dass die Konkurrenz ihren Betrieb bald wieder aufnimmt, wagt Dill zu bezweifeln. Selbst wenn sich die Vorwürfe gegen Kolbüken nicht erhärten sollten, überlegt Dill, bräuchte man mindestens drei vollwertige Mitarbeiter mit dem entsprechenden Patent. Nur so wäre ein Betrieb einer Fähre sieben Tage die Woche umsetzbar. „Doch ich bezweifle, dass man so viele Leute auf einmal findet.“

„Ich sehe das anders“

Um das „kleinste“ Fahrpatent zu erwerben, muss man eine bestimmte Zeit unter Aufsicht auf der Strecke fahren, für die man die Genehmigung erwerben möchte. Aus diesem Grund, wird es nicht leicht sein, zeitnah mehrere Leute mit einem entsprechenden Patent zu finden.

Bis die Fähre in Mühlheim wieder fährt, wird also vermutlich noch etwas Zeit ins Land gehen. Darüber wird sich Dill jedoch eher weniger beklagen, da er seit dem ersten Betriebsstopp der MS Dörnigheim eine Umsatzsteigerung verzeichnen konnte. „Kolbüken hat ja gesagt, dass er keine direkte Konkurrenz ist. Ich sehe das anders“, fasst Dill zusammen und fügt noch hinzu: „Wenn ich nur diese 300 Autos am Tag hätte, die dort im Raum standen, könnte ich gleich zumachen.“ Die Zahl brachte der Maintaler Grünen-Politiker Friedhelm Duch im Zuge des Parlaments-TV in Bezug auf die Mühlheimer Fähre ins Gespräch.

Das könnte Sie auch interessieren