Neue Fugen für altes Gemäuer: Pfarrer Uwe Rau begutachtet den Fortschritt der Sanierung der Stützpfeiler der evangelischen Kirche Hochstadt. Foto: Martina Faust

Maintal

In und rund um die evangelische Kirche laufen Sanierungsmaßnahmen

Maintal. Eine andächtige Stille erfüllt das Kirchenschiff. Das ist an einem Werktagvormittag nicht ungewöhnlich. Doch auch während des Gottesdienstes fehlt der charakteristische sakrale Klangteppich. Denn die Orgel schweigt seit einigen Wochen. Gewissermaßen aus Selbstschutz könnte man sagen.

Von Martina Faust

Das Instrument wurde eingehaust, um es vor Staub- und Schmutzpartikeln zu schützen, die im Rahmen von Sanierungsarbeiten entstehen.

Seit Mitte Mai gehen nicht nur Gläubige in der evangelischen Kirche ein und aus, sondern vor allem Handwerker. Vor Ort erläutert Pfarrer Uwe Rau die Maßnahmen, die voraussichtlich Ende August abgeschlossen sein sollen. Dabei führt der Weg hoch hinaus, in den Dachstuhl des Gotteshauses. Ein unwirklicher Ort, durchzogen von einem Labyrinth aus mächtigen Eichenbalken und hölzernen Laufstegen. Die spärliche Beleuchtung taucht die Szenerie in ein schummriges Licht, in dem die Kuppeln der Deckengewölbe wie eigenartige Beulen aus dem Boden wachsen. Es ist ein Ort der Geschichte und für Geschichten.

Teilen des Dachstuhls verhindern

„Hier war die Sicherung des Dachgebälks erforderlich“, erklärt Rau. Maßnahmen zur Sicherung der Statik sollen verhindern, dass das Gewicht des Dachstuhls zu stark auf den Außenmauern der Kirche lastet und diese gewissermaßen auseinander drückt. Wer sich unter den Dachbalken hindurch duckt, darüber hinweg steigt und daran vorbeizwängt, kann erahnen, dass es für die Zimmerleute keine leichte Arbeit gewesen sein muss.

Die zweite große Baustelle befindet sich an den Stützpfeilern der Außenmauer. Diese sind das Resultat des Deckengewölbes, das nach der 1230 oder 1430 erfolgten Errichtung der Kirche eingezogen wurde. Weil dadurch die gesamte Statik des Gebäudes verändert wurde, entstanden die Stützpfeiler, um der Außenmauer die nötige Stabilität zu verleihen.

Im Laufe der Jahrhunderte hat die Witterung die Fugen der Stützpfeiler ausgespült. „Jetzt wird neu verfugt und gleichzeitig werden einige Steine ausgetauscht.“ Dabei gehen die Arbeiter behutsam vor, haben bewusst ein sehr körniges Fugenmaterial gewählt, das bei Niederschlag die Feuchtigkeit zügig wieder abgibt und nicht in das Mauerwerk eindringen lässt. Denn dadurch bröckelte zuletzt an der Innenwand der Putz ab. Der wurde entfernt, demnächst soll die Wand neu verputzt werden.

Individuell nutzbarer Raum soll entstehen

Danach wünscht sich Pfarrer Rau, dass im hinteren Teil die starre Sitzordnung durch die Kirchenbänke aufgelöst wird und stattdessen ein Bereich entsteht, der individuell genutzt werden kann – „etwa für die Kinderkirche oder für ein Kirchencafé“, sagt er. Die Kosten für die Arbeiten beziffert Rau auf rund 145 000 Euro. Geld, das die Gemeinde nicht allein aufbringen muss.

Auch Kirchenkreis und die Landeskirche leisten einen Beitrag. Der Eigenanteil der Hochstädter Gemeinde liegt bei 5500 Euro und wird aus Rücklagen finanziert. Auch aus einem Baufonds, der 2003 angelegt wurde, nachdem sich der Staat in Absprache mit Kirchen und Gemeinden aus seiner Baulast für die Kirchen freigekauft hatte, kommen Gelder.

Solange die Arbeiten in und an der Kirche andauern, wird auch die Orgel schweigen. Dennoch muss die Gemeinde nicht auf die instrumentale Begleitung ihres Gesangs verzichten. „Wir haben stattdessen ein Klavier aufgestellt. Das ist auch sehr reizvoll, gerade in den Sonntagsgottesdiensten. Aber es hat natürlich nicht den vollen Klang und das typische Flair der Orgel“, sagt Rau.

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