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Reise durch Kanada Teil III: Impressionen von Neufundland

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Der Western Brook Pond gilt als der schönste Fjord von Neufundland.
Der Western Brook Pond gilt als der schönste Fjord von Neufundland.

Maintal. Nun kommt der 3. Teil der Reise durch Nova Scotia, New Brunswick bis zu den Niagara-Fällen. Im Mittelpunkt der dritten Reise steht diesmal Neufundland: Cow Head, Gander und Twillinggate.

Von Jürgen Gerth

Riesige, unverfälschte Landschaften, große Wasserflächen mit unendlichen Küsten, wildreiche Wälder, einsame Siedlungen, ein besonderer geographischer Charakter, der einem Europäer aus einem Ballungsraum wie aus einer anderen Welt erscheint: Das waren einige Gründe, warum sich eine Tour in den inselreichen Osten Kanadas in unserer Reiseplanung in den Vordergrund schob.Im Mittelpunkt des dritten Teils stehen Cow Head, Gander und Twillinggate. Am frühen Morgen machte unsere Fähre im Hafen von Port aux Basques fest. Wir befanden uns auf der Insel Neufundland, auf der insgesamt 500 000 Einwohner leben, 4000 davon in der Hafenstadt. Die Insel weist eine Fläche von 108 600 Quadratkilometern auf, das entspricht der Größe der ehemaligen DDR.Neufundland - eine eigenartige SchönheitSie liegt im Mündungsgebiet des St.-Lorenz-Stroms mit einer Küstenlänge von 9656 Kilometern. Etwas später saßen wir wieder in unserem Bus und fuhren über den Trans Canada Highway 1 nach Cow Head im Gros Morne Nationalpark, der eine Fläche von 2000 Quadratkilometern aufweist und auch als „finsteres Land“ bezeichnet wird.Der aufkommende Nebel mit feuchten Schwaden untermalte diese Bezeichnung durchaus realistisch. Trotzdem ist die eigenartige Schönheit dieses Gebiets nicht zu leugnen, steile Berge, von Gletschern geformte Fjorde, Klippen, Wasserfälle, Meeresbuchten und Sandstrände bilden ein charakteristisches Ambiente natürlicher Kreativität, die den künstlerischen Leistungen des Menschen durchaus ebenbürtig, nein, sogar überlegen ist.Wanderung zum schönsten Fjord NeufundlandsIn Cow Head bot ein Leuchtturm einen weiten Blick über das ruhige Meer. Nun sollten wir auch die Gelegenheit nutzen können, den Nationalpark vom Wasser aus kennenzulernen. Vom Parkplatz führt ein etwa drei Kilometer langer Weg, teilweise über Holzstege, zum Western Brook Pond, der als schönster Fjord Neufundlands gilt.Aufgrund einer Hebung der Küste verlor er seine Verbindung zum Meer und verwandelte sich in einen seeähnlichen Binnenfjord, in dem sich angeblich das reinste Süßwasser der Erde befindet. Zwar ist der Himmel noch wolkenverhangen, doch die leichte Prise, die uns begleitete, machte  die 45-minütige Wanderung erträglich.Mit dem Boot durch den seeähnlichen BinnenfjordAls wir unser Boot bestiegen hatten und in den 16 Kilometer tiefen Fjord, dessen aufsteigende felsige Hänge sich aus dem Wasser erheben, einfuhren, schien es uns, als würden wir in eine enge, geheimnisvolle Gasse eindringen. Die Spitzen der Hänge lagen noch im morgendlichen Nebel, der dann in kurzer Zeit emporstieg und sich später ganz auflöste.Viele Wasserfälle rauschten zwischen Bäumen und Pflanzen in die Tiefe, einige sollen bis zu 350 Meter fallend in den Fjord donnern, die Pissing Mare Falls sogar 350 Meter. Uns kamen sie allerdings aus der Entfernung weniger gewaltig vor. Mit einer leichten Biegung, die ihm eine s-förmige Struktur verleiht, streckt sich der Fjord in das Hügelgebiet hinein und bot uns in der jetzt sonnigen Helligkeit interessante Ausblicke.Übernachtung im „Sindbad's Hotel und Suite“ in GanderAm Ufer sahen wir einige ausgedehnte Arbeitsplätze der Biber. Nach zwei Stunden kehrten wir zurück an Land und wanderten zum Bus zurück. Über die kleinen Städtchen Deer Lake und Grand Falls erreichten wir abends das „Sindbad's Hotel und Suite“ in Gander, was sich als ein Motel mit sauberen Zimmern entpuppte. Gander ist mit 11 000 Einwohnern ein regionales Zentrum, seitdem es einen Flughafen aufweist.Die Bewohner der Stadt erlangten nach dem Terroranschlag in New York am 11. September 2001 eine gewisse Berühmtheit, weil mehrere Kontinentalflüge über Gander umgeleitet und dort über 6500 Passagiere versorgt und kurzzeitig untergebracht werden mussten. Uns zeigte sich eine ruhige und wenig auffällige Ansiedlung. Allerdings stand uns noch ein interessantes Abendessen bevor.Auch Kanada ist ein EinwanderungslandLobster (Hummer) stand auf dem Speiseplan, dabei war erst einmal handwerkliche Geschicklichkeit gefragt, um das Gerüst des Meerestieres aufzubrechen, bevor der stückweise Genuss im Mittelpunkt stand. Nicht wenige von uns arbeiteten an diesem Essen im Schweiße ihres Angesichts.Wir erfuhren,  dass Kanada ein Einwanderungsland ist, mit einfachen, aber klaren Regel.76 Punkte müssen erfüllt werden, um erst einmal einen Antrag auf Einbürgerung stellen zu können. Dazu gehören in erster Linie die Akzeptanz der politischen und gesellschaftlichen Ge- und Verbote. Nach dreijähriger Bewährung kann dann dieser Antrag bearbeitet werden. Übrigens wurden 20 000 Asylbewerber aus Syrien aufgenommen.Auf nach Twilingate - die Hauptstadt der EisbergeAm folgenden Morgen ging es nach Twillingate, der Hauptstadt der Eisberge, die auf einer kleinen Insel an der Nordküste Neufundlands gelegen ist. Hier schwimmen jedes Frühjahr riesige Eisberge vorüber, letzte Reste davon halten sich noch bis in den Frühsommer. Die Gewässer sind auch das Zuhause für Wale, am häufigsten kommen Buckelwale vor, aber auch Mink-, Finn- und Pottwale.Die Ansiedlung gilt daher als ein Zentrum der Walbeobachtung. Wir bestiegen unser Beobachtungsboot, verteilten uns auf der oberen Plattform und warteten auf das, was da kommen sollte.Wir kreuzten zwischen den  Felsen, die sich aus dem Wasser erhoben, erreichten das offene Meer und starrten auf die Wellenkämme. Einige Zeit geschah gar nichts, wobei unseren Augen immer wieder ein Streich gespielt wurde, denn manche sahen zwischen den Wellenkämmen etwas, was nicht vorhanden war.Zurück versetzt in vergangene ZeitenDoch dann erblickten wir einige Delphine, die spielerisch dahinjagten, bis plötzlich ein Wasserstrahl in der Sonne aufblitzte und kurz eine Walflosse deutlich sichtbar wurde. Natürlich sahen wir keinen Wal in ganzer Größe, doch registrierten wir einige Atemstöße, Wasserfontänen .Auf der Rückfahrt grüßte  uns der auf der Teufelshöhlenklippe thronende alte Leuchtturm.Einen Moment lang fühlte man sich zurück versetzt in frühere Zeiten, in denen der Mensch hier sein Leben mit Hilfe des Meeres gestalten musste. Bei sonnigen warmen Temperaturen  fuhren wir – wieder festen Boden unter den Füßen, besser gesagt Räder – zu einer Fundstätte, die einiges über das Leben der indianischen Ureinwohner bekundete.Ureinwohner waren Jäger und SammlerDie Ureinwohner Neufundlands waren Jäger und Sammler, davon zeugt das kleine Museum Boyd's Cove, das Beothuk-Informationszentrum. Auf einem 1,5 Kilometer langen Waldweg, teilweise mit Holztreppen versehen, gelangte man zu einer Ausgrabungsstätte, die allerdings wenig beeindruckend war, mit Ausnahme der Bronzefigur eines Indianermädchens.Man kam dabei auf den Gedanken, dass plötzlich eine Gruppe dieser Ureinwohner beim Sammeln und Jagen vorbeihuschen könnte. Doch der Wald stand nur still und schwieg, bis auf das leise Rauschen in den Bäumen.Im Mittelpunkt des vierten und letzten Teils des Reiseberichts stehen in der Samstagausgabe vom 15. Oktober Clarenville, St. John's, Toronto und zum krönenden Abschluss die Niagara-Fälle.

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